Direkt zum Inhaltsbereich

Plötzlicher Kindstod kann Tarnung für Gewalt sein

BERLIN (grue). In Deutschland sterben pro Jahr 400 bis 600 Säuglinge durch plötzlichen Kindstod SIDS (sudden infant death syndrome). Schätzungsweise ein Zehntel dieser Kinder sind jedoch tatsächlich Opfer von Misshandlungen oder Tötungen. Vor allem, wenn Kinder zuvor mehrfach in Kliniken waren, sollten Ärzte hellhörig werden.

Veröffentlicht:

Die Diagnose SIDS stellen Kollegen meist dann, wenn keine andere Ursache für den Tod eines Kindes ersichtlich ist. Genauer nachhaken sollten sie jedoch, wenn die Kinder vor ihrem Tod bereits mehrfach im Krankenhaus waren oder Blut im Gesicht haben. Darauf hat Professor Frank Häßler von der Universität Rostock hingewiesen.

Manche Eltern dichten ihren Kindern Krankheiten an

Bei diesen Kindern kann auch ein Münchhausen-Syndrom by proxy bestehen. Bei dieser Störung dichten die Eltern ihren Kindern Krankheiten an, oder sie provozieren die beschriebenen Beschwerden. Der psychisch kranke Elternteil - meist die Mutter - bringt die misshandelten Kinder daher häufig zum Arzt.

Besonders gefährdet seien Kinder im zweiten Lebensjahr, so Häßler bei einem Psychiatrie-Kongress in Berlin.

Ein Verdachtsmoment könne sein, wenn die Kinder eine vordergründig überbesorgte Mutter haben. Sie stellt das Kind wiederholt bei Ärzten und in Krankenhäusern vor, weil es angeblich an Durchfällen, Essproblemen oder epileptischen Anfällen leidet. Diese Kinder müssten dann daraufhin untersucht werden, ob sie möglicherweise gewürgt, verletzt oder vergiftet wurden. Bei gering-stem Verdacht auf ein Münchhausen-Syndrom sollte Ärzte einen Psychiater einschalten und das Jugendamt informieren, sagte Häßler.



STICHWORT

Münchhausen- Syndrom

Menschen mit Münchhausen-Syndrom dichten sich Krankheiten an: Sie induzieren Erbrechen oder tragen Beinschienen um Verletzungen vorzutäuschen. Oft steckt der Wunsch nach mehr Zuwendung dahinter. Wenn Menschen den Wunsch, krank zu sein, über andere realisieren, spricht man von Münchhausen-Syndrom by proxy (englisch "by proxy": stellvertretend). Meist wählen sie Angehörige wie ihre Kinder aus. Nach Schätzungen werden 2,8 von 100 000 im ersten Lebensjahr Kinder von Eltern mit Münchhausen-Syndrom gequält. (grue)

Schlagworte:
Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Kranke Kinder

Aufs Bauchgefühl der Eltern ist diagnostisch bedingt Verlass

Angeborene Tränennasengangstenose

Analyse: Tränensackmassagen sind Sondierung nicht unterlegen

Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Vorteile von Vamorolon

© Santhera Pharmaceuticals (Deutschland) GmbH, modifiziert nach [3−5, 6]

Duchenne-Muskeldystrophie (DMD)

Neue Perspektiven für die Versorgung

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Santhera Pharmaceuticals (Deutschland) GmbH, München
Abb. 1: Verlauf des Rett-Syndroms

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [2]

Rett-Syndrom

Diagnose und Verlauf einer herausfordernden Erkrankung

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Acadia Pharmaceuticals (Germany) GmbH, München
Abb. 1: Typische Körperumrisse bei Achondroplasie

© BioMarin

Achondroplasie

Gezielte Therapie: erste Lebensjahre sind entscheidend

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: BioMarin Deutschland GmbH, Frankfurt am Main
Vorteile des Logins

Mit unserem kostenloses Login erhalten Ärztinnen und Ärzte, Medizinstudierende sowie Fachkräfte im Gesundheitswesen vollen Zugriff auf unsere medizinischen und praxisrelevanten Inhalte.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Rückblick

Ein Jahr Alzheimer-Antikörper: Was sich getan hat

Lesetipps
Bei der Springer Medizin Gala wurden die Preisträger des Galenus-von-Pergamon-Preises und des Charity Awards gekürt.

© Marc-Steffen Unger

Preisträger gekürt

Das sind die Gewinner des Galenus-von-Pergamon-Preises 2026

Ehrenamtliches Engagement beeindrucke sie nicht nur, „es berührt mich“, erklärte die einstige Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt.

© David Vogt

Springer Medizin Gala

Preisträger des Springer Medizin Charity Awards feierlich gekürt