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Krebstherapie

Präzisionsbestrahlung bietet Heilungschance bei Metastasen

Vereinzelte Metastasen lassen sich heute sicher entdecken und mit stereotaktischer Bestrahlung beseitigen, berichten Radioonkologen.

Wolfgang GeisselVon Wolfgang Geissel Veröffentlicht:
Die 3D-gestützte Bestrahlungsplanung einer radioonkologischen Behandlung, hier im Werner-Forßmann-Krankenhaus Eberswalde.

Die 3D-gestützte Bestrahlungsplanung einer radioonkologischen Behandlung, hier im Werner-Forßmann-Krankenhaus Eberswalde.

© Foto: Hans Wiedl/ picture alliance/dpa-Zentralbild (Archivbild)

LEIPZIG. Oligo-Metastasierung bezeichnet eine Stufe der Krebserkrankung, bei der sich einzelne Metastasen abgesetzt haben, der Tumor sich aber noch nicht ungehindert im Körper ausbreiten kann. Durch vollständiges Ausschalten aller Metastasen mit Strahlentherapie besteht dabei eine Chance auf Heilung, berichtet die Deutsche Gesellschaft für Radioonkologie (DEGRO) in einer Mitteilung zu ihrer Jahrestagung.

Die Zahl der Patienten ist größer als erwartet, betont die DEGRO. Bei bis zu 50 Prozent der Patienten mit nicht-kleinzelligem Lungenkrebs sei die Metastasierung auf wenige Absiedlungen begrenzt. Bei Prostata-Ca finde man nach fehlgeschlagener Operation bei etwa 40 Prozent der Patienten nur wenige isolierte Metastasen (J Nucl Med 2018; 59: 82).

Oligo-Metastasierung

  • Im Gegensatz zu multipler Metastasierung gibt es weniger als fünf Metastasen.
  • Molekulare Subtypisierung könnte künftig oligometastatische Tumorerkrankungen erkennen.
  • Mit Metastasenmarkern ließen sich sogar die Heilungschancen abschätzen.
  • Ablative Bestrahlung in Kombination mit anderen Verfahren könnte künftig bei Oligo-Metastasierung eine Heilung ermöglichen, hofft Professor Matthias Guckenberger aus Zürich.

Diese Absiedlungen lassen sich mit moderner Bildgebung sicher entdecken. Mit punktgenauer, hochdosierter (eventuell fraktionierter), Bestrahlung werden die Tumoren und Metastasen dann eliminiert.

Mehrteilige Begutachtung

Die stereotaktische Bestrahlung anhand von Röntgen- und CT-Bildern erfordert eine detaillierte 3D-Planung sowie Berechnung von Dosis und Bestrahlungsfeld ("virtuelle Simulation"). "Eine ablative Hochpräzisionsbestrahlung ist heute genauso effektiv wie eine Metastasen-Op, aber nicht-invasiv und sicherer für Patienten", betont Professor Matthias Guckenberger vom Universitätsspital Zürich in der Mitteilung.

Der Therapieerfolg hänge von der Art des Primärtumors und dem Metastasierungs-Typ ab. "Manche Tumorarten metastasieren früh und an vielen Orten im Körper, andere langsam oder nur vereinzelt."

"Leider haben viele Patienten vor Strahlentherapie mehr Angst als vor einer Operation." Dabei kann eine zusätzliche Strahlentherapie das Überleben verlängern. Das zeigt eine Studie bei nicht-kleinzelligem Lungenkarzinom mit maximal drei Metastasen.

Die Patienten waren nach Erstlinien-Chemotherapie progressionsfrei. Nach lokaler Konsolidierungsbestrahlung verlängerte sich das progressionsfreie Überleben von 3,9 auf 11,9 Monate im Vergleich zu Patienten mit alleiniger Erhaltungstherapie. Die Nebenwirkungsrate lag bei 20 Prozent (maximal Grad 3, keine höhergradige Toxizität) (J Clin Oncol 2018; 36: 446).

Ähnliche Resultate brachte eine Studie bei Prostata-Ca. Die Patienten hatten nach primär kurativer Therapie ein biochemischer Rezidiv mit maximal drei asymptomatische Metastasen. Sie erhielten entweder eine regelmäßige Überwachung oder eine "metastasis-directed therapy" (MDT) mit chirurgischer Entfernung oder stereotaktischer Bestrahlung der Metastasen.

Die MDT verbesserte dabei das progressionsfreie Überleben von 13 auf 21 Monate, bei ähnlicher Lebensqualität und maximal Grad-1-Nebenwirkungen (Nat Commun 2018, online 4. Mai).

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