Prostata-Op lohnt sich auch bei alten Männern

PHILADELPHIA (ner). Operation und Bestrahlung nützen nicht nur relativ jungen Männern mit lokal begrenztem Prostatakarzinom, sondern auch alten. Selbst bei über 75jährigen Patienten kann eine Therapie das Leben verlängern, verglichen mit einer abwartenden Haltung (watchful waiting).

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Aggressiv behandeln oder abwarten und sorgfältig den Krankheitsverlauf kontrollieren? Diese Alternativen bei lokal begrenztem Prostatakarzinom im frühen Stadium T1 bis T2 werden von Urologen seit langem diskutiert. Vielgeübte Praxis in Deutschland ist es, bei einer geschätzten Lebenserwartung von über zehn Jahren den kurativen Therapieansatz zu wählen. Meist heißt dieser: radikale Prostatektomie.

Nach Daten einer neuen Studie nützt aber auch Männer mit einer kürzeren Lebenserwartung eine solche aggressive Therapie.

Dr. Yu-Ning Wong vom Fox-Chase-Krebszentrum in Philadelphia in den USA und seine Kollegen haben jetzt eine Datenbankanalyse mit 45 000 Männern mit lokal begrenztem Prostatakarzinom (Stadium T1 bis T2) im Alter zwischen 65 und 80 Jahren publiziert. Bei 32 000 von ihnen war die Prostata entfernt oder extern bestrahlt worden, bei 13 000 wurde die Watchful-Waiting-Strategie gewählt.

In der Therapiegruppe waren innerhalb von zwölf Jahren 24 Prozent der Patienten gestorben, in der Beobachtungsgruppe 37 Prozent - ein signifikanter Unterschied. Ein solcher signifikanter Unterschied sei in allen Subgruppen beobachtet worden, berichten Wong und seine Mitarbeiter, also auch bei Patienten mit niedrigem Progressionsrisiko und in der Gruppe der 75- bis 80jährigen Männer. In dieser Gruppe war die Sterberate bei den behandelten Männern um 27 Prozent niedriger als bei den unbehandelten Männern. Es sei unwahrscheinlich, daß Kofaktoren oder regionale Unterschiede in der Versorgung zu diesem Ergebnis beigetragen hätten, so die Autoren (JAMA 296, 2006, 2683).

Dennoch sind Datenverzerrungen bei dieser Art von Studie nicht ausgeschlossen, weshalb Wong die Bestätigung durch kontrollierte Studien fordert. Derzeit laufen kleinere Untersuchungen in den USA und Großbritannien, deren Ergebnisse 2008 und 2009 erwartet werden. Nach wie vor soll man deshalb die potentiellen unerwünschten Wirkungen einer Prostatektomie oder einer Bestrahlung abwägen gegen den möglichen Nutzen einer aggressiven Therapie.

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