Urologie-Patienten

Proteinurie – Empfehlung für Stix

Bei Urologie-Patienten wird doppelt so häufig eine Proteinurie festgestellt wie bei Patienten anderer Fachrichtungen. Das hat ein Vergleich von Urinuntersuchungen mittels Teststreifen ergeben. US-Forscher fordern für diese Patienten daher ein Protein-Screening.

Von Dr. Christine Starostzik Veröffentlicht:
Bei Urologie-Patienten wird doppelt so häufig eine Proteinurie festgestellt

Bei Urologie-Patienten wird doppelt so häufig eine Proteinurie festgestellt

© Rob Byron / Fotolia

EAST LANSING. Die Proteinurie ist ja ein häufiger Befund. Verschiedenen Untersuchungen zufolge wird bei 8 bis 33 Prozent der Allgemeinbevölkerung Protein im Urin nachgewiesen. Wie stark die Urinbefunde von Urologie-Patienten von denen ambulanter Patienten anderer Facharztrichtungen abweichen, haben jetzt Adam Bezinque vom Michigan State University College of Osteopathic Medicine in East Lansing und seine Kollegen untersucht.

In einer Querschnittstudie verglichen die Wissenschaftler drei Patientengruppen: 20.334 ambulante Patienten nicht-urologischer Praxen, 5023 ambulant behandelte Urologie-Patienten und 1016 Patienten mit Nierenkarzinom (Urology 2017, online 14. Februar). Entsprechend der KDIGO (Kidney Disease Improving Global Outcomes)-Leitlinie wurde die Proteinurie folgendermaßen kategorisiert:

- A1: < 30 mg bzw. negativ

- A2: 30–300 mg,

- A3: > 300 mg.

Keine Empfehlung in den USA

In den USA wird der Urinstix wegen unzureichender Sensitivität und Spezifität sowie falsch positiver Befunde nicht als kosteneffektives Screening-Element auf Proteinurie in der Allgemeinbevölkerung empfohlen.

Die selektive jährliche Testung von Angehörigen verschiedener Hochrisikogruppen per Schnelltest hat sich aber offenbar bewährt. Bezinque und Kollegen meinen, dass urologische Patienten zu diesen Risikogruppen gehören sollten.

In ihrer retrospektiven Analyse fand sich bei 8,6 Prozent der Allgemeinarzt-Patienten, bei denen eine Urinuntersuchung per Teststreifen durchgeführt wurde, eine Proteinurie (A2: 8,2 Prozent; A3: 0,4 Prozent).

Deutlich häufiger trat diese bei ambulanten Urologie-Patienten auf (A2: 16 Prozent; A3: 2,5 Prozent), am häufigsten allerdings bei Patienten mit Nierenkrebs (A2: 17,9 Prozent; A3: 3,8 Prozent). Verglichen mit anderen Fachrichtungen war auch der Anteil schwerer Proteinurien (A3 bzw. > 300 mg) bei den urologischen Patienten signifikant höher (2,5 Prozent vs. 0,4 Prozent).

Während alle Testfelder des Stix (Blutnachweis, Leukozytenesterase, Nitrit, Glukose, Ketone, Urobilinogen und Bilirubin) bei 67,6 Prozent der nicht urologischen Patienten unauffällig blieben, war dies nur bei 57,4 Prozent der Urologie-Patienten der Fall. Auch unter dem Mikroskop ließen die Urinproben der urologischen Patienten mehr Besonderheiten erkennen: So wurde beispielsweise bei insgesamt 20,9 Prozent (vs. 10,7 Prozent) eine Hämaturie diagnostiziert.

Fazit der Autoren

Bezinque und Kollegen erscheint der Teststreifen in der urologischen Versorgung als sinnvolles Screening-Element auf Proteinurie sowie weitere Abnormitäten. Bei über 56 Prozent der Urologie-Patienten wurde auf diese Weise mindestens eine Besonderheit entdeckt.

Um eine chronische Nierenerkrankung frühzeitig zu erkennen, empfehlen Bezinque und Kollegen deshalb den routinemäßigen Einsatz des Urinstix auch in der Urologie. Werde eine Proteinurie festgestellt, sei diese am besten mittels Albumin-Kreatinin-Quotient (ACR) zu bestätigen, um den Schweregrad der Nierenerkrankung zu ermitteln und den Betreffenden rechtzeitig zum Nephrologen zu überweisen.

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