Psychoonkologie

Psyche ist das Stiefkind in der Krebstherapie

Die Psychoonkologie ist nach wie vor ein Stiefkind der onkologischen Versorgung. Beim Weltkongress für Psychoonkologie in Berlin hat das Gesundheitsministerium nun eine gesetzliche Finanzierungsregelung für ambulante Krebsberatungsstellen angekündigt.

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Ältere Krebspatienten äußern in der psychoonkologischen Betreuung oft andere Probleme als jüngere. In Versorgungskonzepten wird das noch wenig berücksichtigt.

Ältere Krebspatienten äußern in der psychoonkologischen Betreuung oft andere Probleme als jüngere. In Versorgungskonzepten wird das noch wenig berücksichtigt.

© Troels Graugaard / Getty Images / iStock

BERLIN. Trotz aller Absichtserklärungen der Politik, ambulante Beratungsstellen für Krebspatienten zu unterstützen: Die Finanzierung der Psychoonkologie bereitet weiter Kummer. Ärzten reichen die politisch angekündigten Perspektiven nicht aus. Sie fordern eine vollständige Integration der Psychoonkologie in die Abläufe onkologischer Therapien, zum Beispiel die Einbindung in die Tumor-Boards.

Bei einem Kongress-Symposium am Mittwoch wurde zudem deutlich, dass sich ambulant tätige Psychoonkologen eine reguläre Abrechnungsziffer für die Behandlung des vom Krebs ausgelösten erhöhten Disstress wünschen. Bislang sind lediglich Behandlungen aufgrund vom Krebs ausgelöster tatsächlicher seelischer und psychosomatischer Begleiterkrankungen regelhaft abrechenbar.

Klinikverwaltungen beklagen darüber hinaus, dass das in der Psychoonkologie eingesetzte Personal nicht DRG-relevant sei. Die Finanzierung der psychosozialen Krebsberatungsstellen ist weiterhin ungeklärt.

Knapp 500.000 Menschen im Jahr erkranken in Deutschland neu an Krebs. Die Diagnosen lösen oft Ängste und Unsicherheit aus. Der Nationale Krebsplan hat das Ziel formuliert, dass alle Betroffenen bei Bedarf eine angemessene psychoonkologische Versorgung erhalten sollen. Eine Befragung von 4020 Patienten unter Federführung der Uniklinik Freiburg gemeinsam mit 30 Kliniken und niedergelassenen Onkologen hat ergeben, dass etwa die Hälfte der Patienten von der Krebsdiagnose stark belastet wird. Etwa 30 Prozent erhalten die Diagnose einer psychischen Störung.

Mehr Fokus auf Probleme sehr junger und betagter Patienten nötig

Kongresspräsidentin, Prof. Anja Mehnert vm Uniklinikum Leipzig, betonte in einer Stellungnahme, dass die psychosozialen Bedürfnisse von Krebspatienten je nach Lebensphase, in der die Erkrankung auftritt, enorm unterschiedlich seien. Das werde bisher aber noch zu wenig berücksichtigt bei den psychoonkologischen Versorgungskonzepten.

So liege derzeit der Fokus der Psychoonkologie besonders auf der mittleren Altersgruppe, also auf Menschen zwischen 40 und Ende 50. Doch die Probleme seien bei besonders jungen wie auch betagten Patienten häufig ganz andere. Bei betagten Patienten stünden z. B. häufig Multimorbidität und daraus resultierend schwierige Behandlungsentscheidungen im Vordergrund, aber auch Probleme der Alltagsbewältigung oder die Gefahr der sozialen Vereinsamung.

Bei sehr jungen Menschen könne die Krankheit wiederum die psychische und soziale Entwicklung beeinträchtigen, unter anderem weil die Betroffenen weniger Verarbeitungsmechanismen besäßen, mit Lebenskrisen umzugehen als ältere Patienten. (af/run)

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