SOPHO-NET

Psychotherapie hilft bei sozialer Phobie

Kurzzeit-Psychotherapie ist ein wirksames Mittel gegen soziale Phobie, haben deutsche Forscher entdeckt.

Veröffentlicht: 11.07.2013, 13:19 Uhr

BERLIN. Rund zwei Prozent der deutschen Bevölkerung leiden an der sogenannten sozialen Phobie, teilt die Deutsche Gesellschaft für Psychosomatische Medizin und Ärztliche Psychotherapie (DGPM) mit. Als mögliche Behandlungen gelten Medikamente und Psychotherapien.

Dass Gespräche häufig den Tabletten überlegen sind, hat nun der vom Bundesministerium geförderte Forschungsverbund SOPHO-NET mit einer Untersuchung bestätigt.

Für die Studie, deren erste Ergebnisse im "American Journal of Psychiatry" veröffentlicht worden sind, hatten die Forscher 495 Patienten zufällig in drei Gruppen eingeteilt (Am J Psychiatry 2013; 170: 759-767).

Die Patienten der ersten Gruppe wurden neun Monate lang mit der sogenannten kognitiven Therapie behandelt, die der zweiten neun Monate lang mit der psychodynamischen Therapie. Die dritten Gruppe blieb über sechs Monate unbehandelt - entsprechend den Bedingungen einer Warteliste.

Im Ergebnis zeigten die beiden Psychotherapiegruppen mit 60 bzw. 52 Prozent der Patienten deutliche Heilungsanzeichen in ähnlichem Umfang. Bei der Wartelistengruppe waren es 15 Prozent.

In den ersten beiden Gruppen wiesen 36 bzw. 26 Prozent überhaupt keine klinischen Symptome der sozialen Phobie mehr auf. In beiden Therapiegruppen besserte sich auch die Depressivität.

"Damit ist klar, dass beide Psychotherapien wirksam sind. Im Gegensatz zu einer medikamentösen Behandlung hält die Besserung auch noch zwei Jahre nach Ende der Behandlung an", wird Professor Dr. Falk Leichsenring von der DGPM und Leiter der SOPHO-NET-Studie in der Mitteilung zitiert.

Für Leichsenring geht es nun darum, welche Patienten von welcher Form der Psychotherapie am stärksten profitieren können: "Menschen mit sozialer Phobie können sehr verschieden sein", sagt er.

"Möglicherweise kommt für Betroffene, die vor allem handlungsorientiert sind, eher die kognitive Therapie in Frage", meint Leichsenring. Hier entwickeln Patient und Therapeut zusammen Handlungsmuster, die den Alltag erleichtern.

Für Menschen, die darüber hinaus verstehen möchten, was hinter ihren Ängsten steckt, eigne sich die psychodynamische Therapie besser. Sie geht davon aus, dass die Krankheit auf ungelöste Beziehungskonflikte in der Vergangenheit zurückgeht, die es zu verarbeiten gilt.

Weitere Studien im Rahmen von SOPHO-NET untersuchen derzeit auch, ob Psychotherapie die gesellschaftlichen Kosten der sozialen Phobie reduzieren kann und wie sich bei Jugendlichen die Erkrankung frühzeitig verhindern lässt. (eb)

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