Depressionen

Psychotherapie plus Arznei für Jugendliche mit Depression

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PITTSBURGH (mut). Bei Jugendlichen mit Depressionen sollte eine Verhaltenstherapie nicht fehlen: In Kombination mit einer Arznei sorgt sie für höhere Remissionsraten als die Medikamenten-Therapie allein, bestätigt eine neue Studie.

Ein Antidepressivum ist schnell verschrieben, für eine Verhaltenstherapie ist deutlich mehr Aufwand nötig. Das ist ein Grund, weshalb Jugendliche - zumindest in den USA - bei Depression häufig nur eine Arzneitherapie bekommen.

In Deutschland sind Ärzte meist zurückhaltender mit Antidepressiva. Denn nach den Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie soll nur bei erfolgloser Psychotherapie oder schweren Depressionen medikamentös behandelt werden - auch dann stets in Kombination mit Psychotherapie.

Dass es so wirklich den größten Erfolg gibt, bestätigt jetzt eine US-Studie mit 334 Kindern und Jugendlichen im Alter von 12 bis 18 Jahren, die auf eine achtwöchige Therapie mit einem selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) nicht angesprochen hatten (JAMA 299, 2008, 901).

Die Teilnehmer wurden für die weitere Therapie in vier Gruppen eingeteilt: Sie erhielten entweder einen anderen SSRI oder Venlafaxin, also ein Medikament aus einer anderen Wirkstoffklasse. Eine Hälfte der Teilnehmer erhielt zusätzlich eine kognitive Verhaltenstherapie, die andere nur Arzneien.

Die Ergebnisse nach zwölf Wochen: Die Ansprechrate lag mit reiner Arzneitherapie bei 41 Prozent, mit der Kombi aus Arznei- und Verhaltenstherapie bei 54 Prozent. Als Ansprechen wurde eine Reduktion des Wertes um 50 Prozent auf einer Kinder-Depressionsskala definiert. Keinen Unterschied machte es dagegen, ob auf einen anderen SSRI oder auf Venlafaxin umgestellt wurden.

Die Leitlinie gibt es im Internet: www.dgkjp.de

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