Herzrhythmus-Störungen

QRS-Breite bestimmt bei Tachykardien Therapie

WIESBADEN (skh). Patienten, die wegen tachykarder Herzrhythmusstörungen hämodynamisch instabil sind, müssen sofort kardiovertiert oder defibrilliert werden. Bei hämodynamisch stabilen Patienten mit Tachykardie richtet sich die Therapie nach der Breite des QRS-Komplexes im Zwölf-Kanal-EKG.

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Bei Schmalkomplex-Tachykardien (QRS kürzer als 120 Millisekunden) ist Adenosin im Zweifel das Mittel der Wahl. Das sagte Professor Hans-Joachim Trappe vom Marienhospital in Herne beim Internisten-Kongress. Mit intravenösen Boli von 12 mg Adenosin seien über 90 Prozent dieser Patienten erfolgreich behandelbar (DMW 125, 2000, 961). Adenosin sei zudem eine körpereigene Substanz mit sehr kurzer Halbwertzeit und könne sowohl Schwangeren als auch Patienten mit Leber- oder Nierenkrankheiten verabreicht werden, so Trappe in Wiesbaden.

Bei Breitkomplex-Tachykardien (QRS länger als 120 Millisekunden) sei das Klasse-Ia-Antiarrythmikum Ajmalin die Substanz, die den Patienten am meisten nutzt und am wenigsten schadet. Es habe ebenfalls eine kurze Halbwertzeit und könne intravenös in Dosierungen von 20 bis 50 mg gegeben werden. Breitkomplex-Tachykardien bei Patienten mit einer bekannten kardialen Vorerkrankung wie Herzinfarkt oder Herzinsuffizienz hätten mit 95-prozentiger Sicherheit ihren Ursprung im Ventrikel, berichtete Trappe.

Auf keinen Fall sollten Patienten mit Breitkomplex-Tachykardien Kalziumantagonisten wie Verapamil bekommen, betonte Trappe. Besonders bei Patienten mit akzessorischen Leitungsbahnen könnten dadurch schwere Komplikationen wie Torsade-de-Pointes oder Kammerflimmern auslösen.

Damit Ärzte den QRS-Komplex korrekt beurteilen können, sei ein komplettes Zwölf-Kanal-EKG nötig. Ein Monitoring-EKG reiche nicht aus, so Trappe. Das gelte im Notarztwagen wie auch auf der Intensivstation.

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