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Syrien

RKI warnt vor Polio-Einschleppung

Der Polio-Ausbruch in Syrien dauert an, meldet das Robert Koch-Institut (RKI). Zum Schutz vor Einschleppung von Viren nach Deutschland hat das RKI spezielle Vorsichtsmaßnahmen empfohlen.

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Polio-Impfung für syrische Flüchtlinge im Libanon: Das RKI rät weiterhin zu Wachsamkeit.

Polio-Impfung für syrische Flüchtlinge im Libanon: Das RKI rät weiterhin zu Wachsamkeit.

© Mohammed Zaatari / AP Photo / dpa

BERLIN. Die WHO hat neue Zahlen von bestätigten Poliofällen in Syrien gemeldet, berichtet das RKI (Epi Bull 2014; 6: 51). Statt 17 Fälle bis Ende November sind Ende Januar 23 Fälle von der syrischen Regierung bestätigt worden. Aus einem WHO-akkreditierten Labor in der Türkei werden 13 zusätzliche Erkrankungen gemeldet.

Die Symptome des zuletzt registrierten Patienten haben danach am 17. Dezember begonnen. Da die Surveillance von akut auftretenden schlaffen Paresen (AFP) in den Bürgerkriegsgebieten Syriens nur eingeschränkt funktioniert, liege die tatsächliche Fallzahl möglicherweise deutlich höher, so das RKI.

Das Institut warnt daher vor einer Einschleppung von Poliomyelitis aus Syrien nach Deutschland und erinnert an die empfohlenen Vorsichtsmaßnahmen:

Vordringlich ist bei allen Flüchtlingen und Asylbewerbern aus Syrien bei Ankunft eine Impfstatuskontrolle. Fehlende Impfungen sind nachzuholen, besonders bei Kindern, die nach 2010 geboren worden sind. Zur Verhinderung einer Virus-Übertragung in Unterkünften muss bei allen Bewohnern und beim Personal ein ausreichender Polio-Impfschutz sichergestellt werden.

Unabhängig vom Alter wird eine Auffrischimpfung empfohlen, wenn die letzte Impfung der Grundimmunisierung oder die letzte Auffrischung länger als 10 Jahre zurückliegt. Geimpft wird mit inaktiviertem Poliovirus-Impfstoff (IPV).

Dieser kann als Kombinationsimpfstoff verabreicht werden, wenn gleichzeitig weitere Impfungen nötig sind (zum Beispiel hexavalenter DTP-IPV-Hib-HepB-Impfstoff für Säuglinge und Kleinkinder, Tdap-IPV für ältere Kinder und Erwachsene).

Von allen nach 2010 geborenen syrischen Kindern, die seit dem 15. Oktober in Deutschland eingetroffen sind, sollte eine Stuhlprobe auf Poliovirus untersucht werden, um eine aktive Virusausscheidung auszuschließen. Die Untersuchungen werden vorrangig durch das Nationale Referenzzentrum für Poliomyelitis und Enteroviren (NRZ-PE) am Robert Koch-Institut durchgeführt.

Stuhluntersuchungen bei syrischen Kontingentflüchtlingen aus dem Libanon sind nicht nötig, so das RKI. Diese hätten am Impfprogramm des Libanons teilgenommen. Wird bei einer Person in Deutschland Poliovirus nachgewiesen, muss sie sofort isoliert werden. Maßnahmen zur Verhinderung der Virusausbreitung müssen unverzüglich erfolgen.

Impfempfehlungen der STIKO für die Riskogruppen, aber auch die Standardimpfung der Allgemeinbevölkerung und die Polio-Auffrischimpfung bei Reisen in ein Polio-Risikogebiet sind unbedingt zu beachten.

Bislang wurde im Rahmen der Stuhl-Surveillance bei Kindern aus Syrien, die als Asylbewerber nach Deutschland gekommen sind, kein Polio-Wildvirus nachgewiesen. In Syrien und den Nachbarländern gab es in der ersten Januar-Woche eine dritte Runde der Impfkampagne mit oralem Polioimpfstoff (OPV).

Nach Presseberichten seien damit ein großer Teil der Kinder in den von Aufständischen kontrollierten Gebieten Syriens mit dieser Impfrunde zum ersten Mal erreicht worden. Da diese Kinder erst eine Dosis OPV erhalten haben, sind sie nur unvollständig gegen Polio geschützt. Zurzeit findet die vierte von insgesamt sechs geplanten Impfrunden statt. (eis)

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