Safety Camp
Gefährliche Kombi: Arzneimittel und Hitze
Mit steigenden Temperaturen steigt auch das Risikopotential zahlreicher Medikamente. Dafür sensibilisierte Apotheker Klaus Schmelzer bei der Konferenz für medizinische Sicherheit.
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Klaus Schmelzer, Direktor der Apotheke am Universitätsklinikum Augsburg, gab beim „Safety Camp“ einen Überblick über Arzneimittel mit Risikopotenzial bei Hitze.
© Michaela Schneider
Augsburg. „Arzneimittel und Hitze sind eine potenziell gefährliche Kombi“, sagt Klaus Schmelzer, Direktor der Apotheke am Universitätsklinikum Augsburg. Beim „Safety Camp“, einer Konferenz für medizinische Sicherheit, gab er einen Überblick über Arzneimittel mit Risikopotenzial.
So erhöhen, wie Schmelzer sagte, einige Wirkstoffe in Antibiotika, Entwässerungsmitteln, Schmerzmitteln, Herz-Medikamenten und pflanzlichen Mitteln die Lichtempfindlichkeit der Haut. Patienten sollten dann die Haut vor Sonneneinstrahlung schützen.
Häufig kann es sonst zu einer phototoxischen Reaktion kommen. Dabei wird die Energie des UV-Lichts vom Wirkstoff stärker aufgenommen und direkt an das umliegende Hautgewebe abgegeben. Die Folge können starke, schwere Sonnenbrände mit Bläschenbildung sein, ein Brennen und eine Erythembildung bereits nach einem kurzen Sonnenbad. Seltener kommen photoallergische Reaktionen vor, dabei verändert das UV-Licht die Struktur des Arzneistoffs, es kommt zur Immunreaktion und in Folge zum juckenden Ekzem unter Umständen auch an Stellen, die nicht in der Sonne waren.
Veränderte Freisetzung des Arzneistoffs
Auch auf eine veränderte Freisetzung des Arzneistoffs bei Hitze verwies der Experte. So können transdermale Pflaster durch Hitze von außen den Wirkstoff ungleichmäßig freisetzen. Schwitzt der Patient stark, haftet das Pflaster weniger gut auf der Haut. Auch kann sich durch eine erhöhte Hauttemperatur die Wirkstoffaufnahme verstärken.
Klaus Schmelzer sensibilisierte zudem für eine korrekte Lagerung von Medikamenten, denn: Arzneimittel können sich bei hohen Temperaturen verändern oder auch ihre Wirkung ganz verlieren. Sind Arzneimittel bei Kühlschranktemperatur zu lagern, rät der Experte bei starker Hitze zum Transport in einer Kühlbox.
Als Arzneimittel mit direktem Risikopotenzial benannte Apotheker Klaus Schmelzer folgende Gruppen:
- Diuretika (z.B. Hydrochlorothiazid), Furosemid, Torasemid: Sie fördern die renale Ausscheidung von Wasser und Elektrolyten, dadurch ist mit einem Anstieg der Nebenwirkungen zu rechnen. Die Folge können Dehydration und eine Elektrolytstörung sein, es drohen Kopfschmerzen, Schwindel und Übelkeit, Schwäche und Ohnmacht.
- Herz-Kreislaufmedikamente: Betablocker senken die Herzfrequenz und die Kontraktilität des Herzmuskels. Es kommt zur verminderten Hautdurchblutung und in Folge einer verminderten Thermoregulation. Bei Calciumantagonisten und Antianginosa wiederum weitet neben den genannten Wirkstoffgruppen auch die Hitze die Blutdruckgefäße. Es droht eine übermäßige Blutdrucksenkung.
- Schmerzmittel (z.B. Ibuprofen, Diclofenac, Naproxen): Nicht-steroidale Antirheumatika beeinträchtigen die Nierenfunktion bei Dehydration, es besteht in Hitzewellen die Gefahr einer Nierenschädigung bis hin zum Nierenversagen kombiniert mit Dehydration.
- Selektive-Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI): Serotonin steuert unter andere die zentrale Thermoregulation, bei entsprechender Medikamenteneinnahme kann der Körper überhitzen. Und: SSRI sind Auslöser des seltenen, lebensgefährlichen Serotonin-Syndroms.
- ACE-Hemmer, AT1-Antagonisten: Die Wirkstoffe rufen ein verringertes Durstgefühl hervor, bei großer Hitze kann es zum Flüssigkeitsmangel durch zu wenig Trinken kommen.
- Antiepileptika, Antipsychotika, alpha-2-Agonisten: Die Medikamentengruppen bewirken ein vermindertes Schwitzen, der Körper droht zu überhitzen.








