Direkt zum Inhaltsbereich

Harnwegsinfekt

Rezidiv zu selten mit Kultur abgeklärt

Englische Mediziner haben untersucht, wie die Diagnostik bei Verdacht auf rezidivierende, wiewohl unkomplizierte Harnwegsinfekte verläuft. Sie stießen auf ein Zuwenig an Urinkulturen und ein Zuviel an Zystoskopien.

Dr. Robert BublakVon Dr. Robert Bublak Veröffentlicht:
Urinkultur bei rezidivierenden Harnwegsinfekten - so sehen es die Leitlinien vor.

Urinkultur bei rezidivierenden Harnwegsinfekten - so sehen es die Leitlinien vor.

© ArTo / fotolia.com

BATH. Rezidivierende Harnwegsinfekte (HWI) von Frauen sind ja keine Seltenheit. Abzuklären sind sie primär durch eine Urinkultur - so empfehlen es die einschlägigen Leitlinien.

Das gilt auch für unkomplizierte Infekte, solche also, bei denen keine relevanten funktionellen oder anatomischen Anomalien des Harntraktes, keine relevanten Nierenfunktionsstörungen und keine relevanten Begleiterkrankungen vorliegen, die eine Infektion der Harnwege beziehungsweise gravierende Komplikationen begünstigen würden.

In der Praxis sieht es aber oft anders aus, als in den Leitlinien vorgesehen. Das hat eine Studie gezeigt, die eine Arbeitsgruppe um Sian Parsons vom Royal United Hospital im englischen Bath unternommen hat (J Clin Urol 2016, online 6. Januar).

Die Wissenschaftler sahen die Krankenakten von 244 Frauen durch, die wegen unkomplizierter rezidivierender HWI in der Klinik vorstellig wurden.

Hier stellte sich heraus, dass 35 Prozent der Frauen zur fachärztlichen Untersuchung geschickt worden waren, ohne dass auch nur durch eine einzige Kultur erforscht worden wäre, ob es sich überhaupt um eine HWI handelte.

Bei 34 Prozent dieser Frauen war überhaupt nie eine Urinkultur angelegt worden, bei 66 Prozent waren die Kulturen negativ ausgefallen.

Kaum mehr Info durch Zystoskopie

Das heißt: Selbst wenn man annähme, dass bei den Frauen der ersten Gruppe bei genauerer kultureller Diagnostik ein Harnwegsinfekt festgestellt worden wäre, so wurden doch zwei Drittel dieser - und insgesamt betrachtet fast jede vierte aller - Patientinnen auf rezidivierende HWI untersucht und behandelt, obwohl die Beweislage für das Gegenteil sprach.

Andererseits fanden bei den 244 Frauen 180 Zystoskopien statt - 161 flexible und 19 starre. Routinemäßige Zystoskopien sind gemäß den Leitlinien bei ansonsten gesunden Frauen mit rezidivierenden HWI nicht indiziert.

Relevante pathologische Veränderungen ergaben die Zystoskopien in der vorliegenden Studie nur in sechs Fällen, zudem waren die Läsionen bei der Kontrolle verschwunden oder entpuppten sich in der Histologie als Entzündungen.

Insgesamt förderten die Zystoskopien keine zusätzlichen klinischen Informationen zutage.

Sonografie erwies sich als sinnvoll

Als sinnvolle diagnostische Maßnahme erwies sich die Sonografie des Harntrakts. Neben Befunden wie Harnsteinen (7 Patientinnen), Vernarbungen des Nierenparenchyms (5), hydronephrotischen Veränderungen oder Erweiterungen des Sammelsystems (3), möglichen Raumforderungen (2) und Geweberückständen in der Blase (1) erlaubt der Ultraschall auch die Restharnbestimmung.

Dies geschah 237-mal, 54-mal lagen die Mengen über 30 ml. Ab diesem Volumen steigt das Risiko für rezidivierende HWI.

Ab welchem Volumen eine Intervention erfolgen sollte, etwa in Form einer Selbstkatheterisierung, ist allerdings nicht klar.

Die in der Studie registrierten Volumina betrugen zwischen 0 und 841 ml, in neun Fällen lag die Restharnmenge zwischen 100 und 200 ml, in sieben Fällen darüber.

Mehr zum Thema

Frauen im Nachteil

Körperliche Untersuchung wird bei LUTS oft vernachlässigt

Das könnte Sie auch interessieren
Neue Empfehlung zu HWI und Zystitis

© EAU

Ergänzung EAU-Leitlinie 2026

Neue Empfehlung zu HWI und Zystitis

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Therapie bei unkomplizierter Zystitis

© Dr_Microbe | Adobe Stock

Evidenz, Resistenz & Wirksamkeit

Therapie bei unkomplizierter Zystitis

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Welche Rolle spielen Biofilme bei Therapieversagen und Rückfällen?

© robertprzybysz | iStock

Persistierende Onychomykosen

Welche Rolle spielen Biofilme bei Therapieversagen und Rückfällen?

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Chronisch rezidivierende Vulvovaginalmykosen

© Domepitipat | iStock

Lebensqualität zurückgewinnen

Chronisch rezidivierende Vulvovaginalmykosen

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Pityriasis versicolor

© iStock / C5C

Kleienpilzflechte im Sommer

Pityriasis versicolor sicher erkennen und gezielt behandeln

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Interdisziplinäres Patienten-Management – ein Praxisleitfaden

© APOGEPHA Arzneimittel GmbH | Generated by AI

Überaktive Blase

Interdisziplinäres Patienten-Management – ein Praxisleitfaden

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: APOGEPHA Arzneimittel GmbH, Dresden
Abb. 1: MATTERHORN-Regime beim GC/GEJC: ereignisfreies Überleben (EFS)

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [10]

Perioperativ behandeln – kurativ denken

Durvalumab-basierte Therapie bei drei Tumorentitäten

Sonderbericht | Beauftragt und finanziert durch: AstraZeneca GmbH, Hamburg
Porträt: xxx

© Porträt: Alexander Sahi

„ÄrzteTag extra“-Podcast

Testosteronmangel: Worauf es in der Hausarztpraxis ankommt

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Besins Healthcare Germany GmbH, Berlin
Vorteile des Logins

Mit unserem kostenloses Login erhalten Ärztinnen und Ärzte, Medizinstudierende sowie Fachkräfte im Gesundheitswesen vollen Zugriff auf unsere medizinischen und praxisrelevanten Inhalte.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

„ÄrzteTag“-Podcast

Wie können Ärzte Einsamkeit erkennen und ansprechen, Professor Adli?

Lesetipps
Rote Beete Wurzel, rote Beete Würfel, rote Beete Scheiben und rote Beete Saft.

© Daniel Vincek / stock.adobe.com

Fallbericht

Eine fast fatale Gemüse-Überdosis

Ausgestreckte Hand gegenüber einer Impfspritze.

© anyaivanova / Getty Images / iStock

Überprüft

5 Mythen übers Impfen im Faktencheck