Direkt zum Inhaltsbereich

Tonsillektomie

Ringer-Laktat reduziert Brechreiz

Emesis nach Tonsillektomie reduzieren - und das ohne Medikamente? Chilenische Anästhesisten haben es versucht.

Veröffentlicht:
Aufgeklärt - auch über Brechreiz?

Aufgeklärt - auch über Brechreiz?

© teka77 / fotolia.com

SANTIAGO. Postoperatives Erbrechen bei Kindern, denen die Gaumenmandeln entfernt wurden, lässt sich auch ohne Medikamente reduzieren - durch vermehrte Flüssigkeitszufuhr während der Op. Damit allein sollte man es jedoch nicht bewenden lassen.

Postoperatives Erbrechen gehört zu den häufigsten Komplikationen der Tonsillektomie. Ohne entsprechende Prophylaxe sind bis zu 70 Prozent der Patienten davon betroffen.

Aber auch mit Antiemetika lässt sich diese Komplikation nicht ganz verhindern, dazu kommen die Nebenwirkungen der Medikamente wie Agitiertheit, Bradykardie, Benommenheit oder extrapyramidale Symptome.

Anästhesisten der Universität Santiago de Chile haben deswegen nach einer Alternative gesucht und den Nutzen einer größeren intraoperativen Flüssigkeitsgabe getestet.

Bisher ist diese Methode vor allem in Studien mit erwachsenen Patienten mit anderen Op-Indikationen angewendet worden, mit allerdings wechselndem Erfolg.

An der chilenischen Studie waren 100 Kinder im Alter zwischen einem Jahr und zwölf Jahren beteiligt, die einer Tonsillektomie mit oder ohne Adenoidektomie unterzogen wurden (Br J Anaesth 2012; online 19. Dezember).

Die Vollnarkose wurde bei allen Kindern in derselben Weise eingeleitet und aufrechterhalten, allerdings wurde dabei nach dem Zufallsprinzip jeweils 50 Kindern 10 ml/kg-1/h-1 beziehungsweise 30 ml/kg-1/h-1 Ringer-Laktat-Lösung infundiert. Auf eine Prophylaxe mit Antiemetika wurde ganz verzichtet.

Hypovolämie-Hypothese

Tatsächlich bewirkte die stärkere Hydrierung einen Rückgang von Erbrechen oder Würgen in den ersten 24 Stunden nach dem Eingriff. Allerdings waren immer noch 62 Prozent der Kinder betroffen - im Vergleich zu 82 Prozent in der Gruppe mit geringerer intraoperativer Flüssigkeitszufuhr.

Auch nach Abgleich anderer Risikofaktoren, etwa postoperative Opioidanwendung, Alter, Gewicht, hatten die Kinder mit geringerer Volumengabe ein deutlich erhöhtes Risiko für postoperatives Erbrechen (Odds Ratio 2,92).

"Unsere Ergebnisse stützen die Verwendung von 30 ml/kg-1/h-1 Ringer-Laktat-Lösung während der Tonsillektomie, um das Risiko für postoperatives Erbrechen zu senken", schreiben die Studienautoren um María F. Elgueta.

Sie räumen jedoch ein, dass die vermehrte Flüssigkeitszufuhr als alleinige antiemetische Strategie nicht ausreichend ist.

Wieso das zusätzliche Volumen vor Erbrechen schützt, ist unklar. Es gibt Hinweise, dass die Schmerzperzeption und dadurch der postoperative Opioidbedarf gemindert werden. Wahrscheinlicher ist laut Elgueta et al. aber, dass eine durch die Nüchternheit bedingte subklinische Hypovolämie beseitigt wird.

Eine Hypovolämie könnte über eine Darmischämie und den resultierenden Anstieg des Serotoninspiegels das postoperative Erbrechen fördern. (bs)

Mehr zum Thema
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Rückgang der generalisierten tonisch-klonischen Anfälle unter Cannabidiol + Clobazam

© Springer Medizin Verlag , modifiziert nach [1]

Real-World-Daten aus Deutschland zum Lennox-Gastaut- und Dravet-Syndrom

Cannabidiol in der klinischen Praxis: vergleichbare Wirksamkeit bei Kindern und Erwachsenen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Jazz Pharmaceuticals Germany GmbH, München

Chronisch kranke Kinder

Mangelernährung frühzeitig erkennen und konsequent angehen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Danone Deutschland GmbH, Frankfurt/Main
Abb. 1: Pharmakokinetik von Rezafungin bei einer Dosierung von 400mg, gefolgt von 200mg einmal wöchentlich

© Springer Medizin Verlag GmbH, modifiziert nach [10]

Invasive Candida-Infektionen

Modernes Echinocandin – optimierte Eigenschaften und klinische Vorteile

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Mundipharma Deutschland GmbH & Co. KG, Frankfurt/Main
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Deprescribing PPI

Protonenpumpenhemmer absetzen: Wie das am besten gelingt

Patienten häufigste Täter

Medizinstudierende erleben sexuelle Belästigung vor allem im PJ

Hypercholesterinämie

Lipidsenker klug kombinieren

Lesetipps
Eine Ärztin spricht mit einer älteren Patienten. Die Patientin lächelt.

© StefaNikolic / stock.adobe.com

Sprechende Medizin

4 Tipps: So können Sie den Placebo-Effekt für die Therapie nutzen

Ein Arzt spricht mit einer Patientin

© K Davis/peopleimages.com / stock.adobe.com

Interview

Patient mit Mundgeruch: Wie Sie das im Patientengespräch ansprechen

Eine junge Frau sitzt auf dem Sofa und verschränkt ihre Arme, um ihre Hände auf die Brust zu legen.

© Yauhen / Stock.adobe.com

Psychologische Interventionen

Sprechende Medizin: 10 Schritte bei chronischen Schmerzen