Adipositas

Risikofaktor Bauchfett wird weiter erforscht

ATLANTA (gvg). Das abdominelle Fett wird zunehmend als wichtiges Organ bei der Entstehung vaskulärer und metabolischer Erkrankungen erkannt. Es gibt jetzt erstmals einen medizinischen Lehrstuhl, der sich ausschließlich diesen Zusammenhängen widmet.

Veröffentlicht: 21.03.2006, 08:00 Uhr

Der Internationale Lehrstuhl für das Kardiometabolische Risiko (International Chair on Cardiometabolic Risk) ist an der Universität Laval in Quebec in Kanada angesiedelt.

Der neue Lehrstuhl ermögliche es, die Bedeutung des Bauchfetts bei der Entstehung kardiovaskulärer und metabolischer Erkrankungen gezielt zu erforschen. Das betonte der designierte Lehrstuhlinhaber Professor Jean-Pierre Després beim Kongreß des American College of Cardiology in Atlanta im US-Staat Georgia.

Ein vergrößerter Bauchumfang durch abdominelle Adipositas sei als ein unabhängiger Risikofaktor für die Entwicklung eines Myokardinfarkts und für die Entstehung eines metabolischen Syndroms identifiziert worden, berichtete Després.

Professor Richard Nesto von der Harvard Medical School in Boston im US-Staat Massachusetts, der dem internationalen wissenschaftlichen Beratergremium des Lehrstuhls angehört, betonte die Grenzen, die eine vor allem am LDL-Cholesterin orientierte kardiovaskuläre Prävention habe. Viele Menschen mit einem erhöhten kardiovaskulären Risiko blieben dadurch unberücksichtigt.

So hätten Untersuchungen an Unfalltoten ergeben, daß adipöse Menschen häufig schon in der Jugend oder spätestens als junge Erwachsene atherosklerotische Plaques hätten. In diesem Alter jedoch sei der Cholesterinwert meist noch normal, so daß diese Menschen von Präventionsanstrengungen nicht profitieren.

In der gezielten Identifikation solcher Risikopatienten, zum Beispiel anhand metabolischer Marker des Fettgewebes, sieht Nesto einen gangbaren Weg zur frühen Prävention kardiovaskulärer Erkrankungen. Die wissenschaftlichen Grundlagen dazu sollen an dem neuen Lehrstuhl in Quebec gelegt werden.

Es geht außerdem darum, mögliche Präventionsstrategien zu entwickeln. Die Stiftungsprofessur ist zunächst auf fünf Jahre befristet. Sie wird vom Unternehmen Sanofi-Aventis mit acht Millionen Euro unterstützt.

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