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Prostata-Ca

Risikorechner – Viele Biopsien vermeidbar

Unnötige Biopsien der Prostata zum Ca-Ausschluss lassen sich mit Web-basierten Risikorechnern vermeiden. Diese berücksichtigen nicht nur den PSA-Wert.

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Mit einem PSA-Screening, das hatte vor Jahren eine europäische Studie ergeben, lassen sich Todesfälle durch Prostatakrebs verhindern. Doch das hat seinen Preis, nämlich eine hohe Zahl unnötiger Prostata-Biopsien: Bei vielen Männern wäre der durch Biopsien festgestellte Krebs zeitlebens unbemerkt geblieben. Sie haben wahrscheinlich eine Übertherapie erfahren und womöglich Nachteile der Biopsie erlitten wie Schmerzen, Hämaturie und Hämatospermie – im schlechtesten Fall bis hin zur lebensbedrohlichen Sepsis.

"Ein signifikanter Teil von Biopsie-bedingten Komplikationen, Krankenhausaufnahmen und Kosten kann vermieden werden, wenn die Entscheidung zur Biopsie von ERSPC*-Risikokalkulatoren abhängig gemacht wird, anstatt allein vom PSA-Wert", berichtet ein Team von Urologen aus Rotterdam (BJU Int 2017 May 12 online).

In diese Kalkulation würden außer dem PSA-Wert die Ergebnisse von Tast- und Ultraschalluntersuchungen sowie Ergebnisse früherer Biopsien eingehen. In einer Studie haben Dr. Peter Chiu vom Erasmus Medical Center der Rotterdamer Universität und seine Kollegen fast 11.000 Biopsien aus den Jahren 1993 bis 2015 analysiert und die Risikokalkulatoren RC3 und RC4 darauf angewendet.

Von den 7700 Biopsien, auf die sich die Kriterien der Risikokalkulatoren anwenden ließen, hätte ein Drittel eingespart werden können. 37 Prozent der Komplikationen, 39 Prozent der Fieberepisoden und 42 Prozent der Krankenhausaufnahmen hätten vermieden werden können, wenn einer der Risikokalkulatoren zur Anwendung gekommen wäre. Auf diese Weise ließen sich knapp 36 Prozent der Kosten für die Gewebeentnahmen und die Therapie bei Komplikationen einsparen, so Chiu und Mitarbeiter.

Der Web-basierte Kalkulator basiert auf wenigen Fragen, die innerhalb einer Minute durch Anklicken beantwortet werden können. Bei einem errechneten Krebsrisiko ab 12,5 Prozent soll eine Biopsie in Abhängigkeit von Komorbiditäten erwogen werden, ab 20 Prozent wird sie empfohlen. (ner)

Abrechnungstipp

Zum PSA-Test kommt oft noch die Beratung hinzu

In Deutschland steht der Prostatakrebs nach Lungen- und Darmkrebs an dritter Stelle der krebsbedingten Todesursachen. Neben der digital-rektalen Untersuchung der Prostata wird von vielen Ärzten der PSA-Test (Prostata-spezifisches Antigen) empfohlen. Die Treffsicherheit, mit der Prostatakrebs durch einen PSA-Test erkannt werden kann, liegt allerdings nur bei etwa 35 Prozent, wenn der konventionell obere Normwert von 4 ng/ml zugrunde gelegt wird.

Vor allem durch eine Prostatahyperplasie, eine chronische Prostatitis und sportliches Radfahren kann eine Erhöhung des PSA-Wertes verursacht werden. Wegen der fehlenden Spezifität der PSA-Wert-Bestimmung, ist diese bei gesunden symptomlosen Patienten grundsätzlich keine Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Nur bei vorliegendem Verdacht auf ein Prostata-Ca oder zur Verlaufskontrolle eines Prostata-Ca sind die Kosten zulasten der GKV zu berechnen. Das gilt insbesondere für die Untersuchung auf Krebserkrankungen beim Mann nach Nr. 01731.

Im Rahmen dieser Früherkennungsmaßnahme ist die PSA-Bestimmung nicht möglich, da sie nicht Bestandteil der Krebsfrüherkennungs-Richtlinien ist. Als IGeL ist die PSA-Bestimmung nach GOÄ mit der GO-Nr. 3908.H3 zu berechnen. Da sie eine Laborleistung des Abschnitts MIII der GOÄ ist, darf diese Leistung, auch wenn sie als IGeL erbracht wird, nur von dem Arzt dem Patienten in Rechnung gestellt werden, der die PSA-Bestimmung auch selbstständig und eigenverantwortlich durchgeführt hat. Hausärzte werden in der Regel zusätzlich eine Beratung (GOÄ-Nr. 1 oder 3, je nach Dauer der Erörterung) erbringen, um die Ergebnisse für Patienten einzuordnen. Ist die Abrechnung zulasten der GKV möglich, so ist die GOP 32351 zu verwenden. (pes)

*ERSPC – European Randomized Study of Screening for Prostate Cancer

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