Impfen

Rückschlag für Pneumokokken-Impfstoff

Der konjugierte Pneumokokken-Impfstoff wird noch nicht für den Routineschutz von Senioren empfohlen. Der Studiendaten reichen der STIKO nicht aus.

Veröffentlicht: 22.02.2012, 17:51 Uhr
Für die Routine-Impfung von Senioren empfiehlt die STIKO den modernen Pneumokokken-Impfstoff noch nicht.

Für die Routine-Impfung von Senioren empfiehlt die STIKO den modernen Pneumokokken-Impfstoff noch nicht.

© imago

BERLIN (eis). Allen Menschen über 60 Jahre sowie chronisch Kranken jeden Alters wird in Deutschland die Pneumokokken-Impfung empfohlen. Dazu gibt es seit vielen Jahren den 23-valenten Polysaccharidimpfstoff (PPSV23).

Kürzlich wurde der konjugierte Kinder-Impfstoff Prevenar13® (PCV13) auch für Erwachsene über 50 Jahre zugelassen. Die Ständige Impfkommission hat jetzt allerdings beschlossen, dass sie den modernen Impfstoff noch nicht bundesweit für die Routine-Impfung von Senioren empfehlen wird (Epi Bull 2012; 7: 55).

Die vorliegenden Studien reichen dem Gremium für eine generelle Empfehlung noch nicht aus. "Daten zur Wirksamkeit von PCV13 gegen klinisch relevante Endpunkte wie invasive Pneumokokken-Erkrankungen (IPD), pneumokokkenbedingte Lungenentzündungen und Todesfälle liegen für Erwachsene bisher nicht vor", betont die STIKO.

Der neue Impfstoff ist zwar immunogener als der bisherige Standard, deckt aber nur 13 Pneumokokken-Serotypen ab im Vergleich zu 23 in PPSV23.

In manchen Fällen ist es sinnvoll, mit PCV13 und PPSV23 zu impfen

Die STIKO merkt dazu an: Aktuelle Daten zur Serotypenverteilung in Deutschland zeigen, dass bei IPD-Patienten im Alter ab 60 Jahren Serotypen isoliert wurden, die zu 82 Prozent in PPSV23 enthalten sind und zu 63 Prozent in PCV13.

Ob und wie sich die beobachtete bessere Immunogenität von PCV13 bei gleichzeitig schmalerem Serotypenspektrum auf die Schutzwirkung auswirkt, könne durch die vorliegenden Studiendaten nicht beurteilt werden.

Bei Indikationsimpfungen gibt es einen vorsichtigen Rat zum Einsatz der Vakzine: Ist eine wiederholte Impfung gegen Pneumokokken aufgrund von Immundefizienz oder chronischer Nierenkrankheit indiziert, sei es möglicherweise sinnvoll, sowohl mit PCV13 als auch mit PPSV23 zu impfen, so die STIKO.

Dabei sollte immer mit PCV13 begonnen werden. Eine nach fünf Jahren anstehende Wiederholungsimpfung bei Vorimpfung mit PPSV23 könne aber mit PCV13 erfolgen. Der neue Impfstoff ist allerdings nur im Alter bis fünf und über 50 Jahre zugelassen. Die Kostenerstattung ist mit der jeweiligen Krankenkasse zu klären.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Zögern beim Impfschutz

Mehr zum Thema

COVID-19-Pandemie

Spahn: Corona-Impfungen schon im Dezember denkbar

Online-Umfrage

Ärzte unterschätzen Herzschutz durch Grippeimpfung

Das könnte Sie auch interessieren
Die Chancen der Vitamin-C-Hochdosis-Therapie nutzen

Vitamin-C-Therapie

Die Chancen der Vitamin-C-Hochdosis-Therapie nutzen

Anzeige | Pascoe Naturmedizin
Vitamin C – ein Must-Have fürs Immunsystem

Immunmodulation

Vitamin C – ein Must-Have fürs Immunsystem

Anzeige | Pascoe Naturmedizin
Kommentare

Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Newsletter bestellen »

Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte, Medizinstudenten, MFA und weitere Personengruppen viele Vorteile.

Die Anmeldung ist mit wenigen Klicks erledigt.

Jetzt anmelden / registrieren »

Top-Meldungen
Einen neuen Blick auf die Infektionszahlen fordert eine Gruppe von Experten.

COVID-19

Experten wollen weg von 7-Tage-Inzidenz

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) besuchte am Montag das Werk des Impfstoffherstellers IDT Biologika in Dessau-Roßlau.

COVID-19-Pandemie

Spahn: Corona-Impfungen schon im Dezember denkbar