Ruf nach mehr Screening auf Nephropathien

WÜRZBURG (ars). Heute ist Weltnierentag. Damit wollen internationale Nierengesellschaften auf die steigende Inzidenz von Nephropathien und die Notwendigkeit der Früherkennung hinweisen.

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In Europa wird jährlich bei durchschnittlich 135 Einwohnern pro eine Million eine Nierenerkrankung im Endstadium diagnostiziert. Für die Zukunft wird ein jährlicher Anstieg von acht Prozent erwartet, der auf die zunehmende Zahl von alten Menschen und von Typ-2-Diabetikern zurückgeht.

Dieser Trend läßt sich nur bremsen, wenn Nephropathien rechtzeitig erkannt und die Patienten behandelt werden. Zur Früherkennung eignen sich regelmäßige Bestimmungen der Nierenfunktion sowie Tests auf Mikroalbuminurie, mit denen sich bereits 20 bis 200 mg Albumin pro Liter Harn nachweisen lassen (Selbstzahler-Angebot bei fehlendem Verdacht auf Nierenerkrankung). Die bei Vorsorge-Checks üblichen Streifentests erfassen erst einen Albumingehalt ab 200 mg / l.

    Der Test ist ein Fenster, durch das man in die Gefäße schaut.
   

"Der Mikroalbuminurie-Test ist ein Fenster, durch das man in die Arterien hineinschauen kann", so Professor Jan Galle aus Würzburg, Pressesprecher der Gesellschaft für Nephrologie. Daher ist das Ergebnis auch für kardiovaskuläre Erkrankungen von prognostischer Aussagekraft. "Die Arterien sollen abgedichtet sein, auch in der Niere. Sind sie geschädigt, kann Eiweiß vom Blut- in den Urinstrom übertreten", sagt Galle zur "Ärzte Zeitung".

So haben 16 Prozent der Diabetiker und elf Prozent der Hypertoniker eine Mikroalbuminurie. In der Allgemeinbevölkerung tritt sie großen Studien zufolge mit einer Rate von sieben Prozent auf. Diese Personen haben langfristig ein deutlich erhöhtes Risiko für Schlaganfall und Herzinfarkt.

Ergibt sich beim Mikroalbuminurie-Test ein erhöhter Wert, ist eine Abklärung auf Diabetes, Hypertonie und Nierenerkrankungen - durch Bestimmung von Erythrozyten im Urin - ratsam. "Den Test kann man auch als Leitlinie für die Behandlung nehmen: Hat ein Patient mit leichter Hypertonie eine Mikroalbuminurie, ist das ein klares Argument, den Blutdruck tiefer einzustellen", so Galle.

Als zweite Maßnahme der Früherkennung plädierte Galle dafür, routinemäßig die glomeruläre Filtrationsrate zu berechnen.

Dazu eignet sich eine Formel, die außer dem Serumkreatininwert auch Alter und Geschlecht berücksichtigt (MDRD-Formel). Es reiche nicht, sagt Galle, nur das Serumkreatinin zu bestimmen, denn dieser Wert bleibt noch lange unverändert, selbst wenn sich die Nierenfunktion schon verschlechtert hat.

Der GFR-Rechner ist im Internet zu finden unter: www.nierengesellschaft.de oder direkt unter http://www.nephron.com/mdrd/default.html

Lesen Sie dazu auch den Gastkommentar: Nephropathien - das Problem drängt

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