GASTKOMMENTAR

Nephropathien - das Problem drängt

Von Jan Galle Veröffentlicht:

Zwei internationale Organisationen, die International Society of Nephrology und die International Federation of Kidney Foundations, rufen 2006 erstmals einen "Weltnierentag" aus.

Der heutige 9. März soll dazu dienen, das Bewußtsein für Nierenkrankheiten zu schärfen und auf die dringlichen Probleme der wachsenden Inzidenz von Nierenerkrankungen sowie der Unterversorgung von Nierenkranken in den Schwellen- und Entwicklungsländern hinzuweisen.

Auch die Nephrologen in Deutschland halten einen Tag, an dem die Aufmerksamkeit für Nierenkrankheiten, ihre Prävention, Früherkennung und die Therapie Betroffener geschärft wird, für dringend erforderlich.

Bislang werden Nierenerkrankungen in der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen - und dabei sind immer mehr Menschen davon betroffen! In Deutschland leben zur Zeit etwa 60 000 Dialysepatienten - und die Tendenz ist steigend: Allein im Jahr 2004 gab es 16 000 neue Dialysepflichtige Patienten.

Die Gründe für die steigende Inzidenz von Nierenerkrankungen liegen in der demographischen Entwicklung und in der explosionsartigen Zunahme von Volkskrankheiten, die im Zusammenhang mit Nierenkrankheiten stehen, etwa Diabetes und Bluthochdruck.

Dialyse kostet jährlich 50 000 bis 60 000 Euro pro Patient

Gerade die sogenannte diabetische Nephropathie schlägt zu Buche. Zur Zeit gibt es weltweit 154 Millionen Diabetiker, und man rechnet hier mit einer Verdopplung innerhalb der nächsten 20 Jahre.

Folglich verdoppelt sich dann möglicherweise auch die Zahl der Patienten, bei denen ein terminales Nierenversagen eine Folge des Diabetes ist - und dieser drastische Anstieg wird eine extreme Belastung für die Gesundheitssysteme mit sich bringen: Pro Patient kostet die Dialyse jährlich zwischen 50 000 und 60 000 Euro, und für eine Transplantation muß mit bis zu 40 000 Euro gerechnet werden. Schon jetzt werden in Europa allein etwa zehn Milliarden Euro jährlich für die Behandlung von Patienten mit Nierenleiden ausgegeben.

Durch eine verbesserte Früherkennung könnten dem Gesundheitssystem erhebliche Kosten und vielen Patienten ein Leben an der Dialyse erspart bleiben: Der Albuminurietest, der frühzeitig eine geschädigte Filterfunktion der Nieren anzeigt, kostet nur wenige Euro und sollte laut Empfehlung der Gesellschaft für Nephrologie beim Zwei-Jahres-Check-Up für GKV-Patienten mit vorgenommen werden.

Frühzeitig erkannt, kann der Nephrologe das Fortschreiten der Erkrankung aufhalten oder zumindest verlangsamen. Wir Nephrologen hoffen, daß der heutige "Weltnierentag" dazu beiträgt, das Bewußtsein für die Gesunderhaltung der Nieren zu schulen - bei den Patienten, den behandelnden Hausärzten sowie bei den Verantwortlichen in der Gesundheitspolitik.

Professor Jan Galle von der Universität Würzburg ist Pressesprecher der Gesellschaft für Nephrologie (www.nierengesellschaft.de)

Lesen Sie dazu auch: Ruf nach mehr Screening auf Nephropathien

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Substitution differenziert betrachten

Testosteron als kardiometabolisches Therapie-Konzept: Wann es wirklich hilft

Zunehmend Evidenz für additive Therapien

Insulinresistenz auch bei Typ-1-Diabetes in den Fokus nehmen!

Das könnte Sie auch interessieren
Vitamin-B12-Mangel frühzeitig behandeln!

© Aleksandr | colourbox.de

Fatal verkannt

Vitamin-B12-Mangel frühzeitig behandeln!

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
Aktuelle Empfehlungen für die Praxis

© polkadot - stock.adobe.com

Vitamin-B12-Mangel

Aktuelle Empfehlungen für die Praxis

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
B12-Mangel durch PPI & Metformin

© Pixel-Shot - stock.adobe.com

Achtung Vitamin-Falle

B12-Mangel durch PPI & Metformin

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Mittlere Veränderung des DAS28-CRP bis Woche 52 gegenüber Ausgangswert (primärer Wirksamkeitsendpunkt)

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [2]

Anti-TNF-Therapie

Erstes Golimumab-Biosimilar erweitert Therapiespielräume bei RA, PsA, axSpA und pJIA

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Advanz Pharma GmbH, München
Zielgerichtete Interleukin-23p19-Inhibition

© Oleh / stock.adobe.com

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen

Zielgerichtete Interleukin-23p19-Inhibition

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Lilly Deutschland GmbH, Bad Homburg v.d.H.
Abb. 2: ADA und nAb unter AVT05 und Referenz-Golimumab bis Woche 16

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [3]

Colitis ulcerosa

Das erste Golimumab-Biosimilar erweitert die Therapieoption bei entzündlichen Erkrankungen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Advanz Pharma GmbH, München
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

α-Synuclein-Abbau fördern

Parkinson: Wieso guter Schlaf besonders präventiv wirkt

Lesetipps
ein medizinisches Kreuz zwischen zwei Händen

© Vital Stock / Generated with AI / Stock.adobe.com (KI-generiert)

Tipps zur Übergabe

Verkauf geplant? So steigern Sie den Wert Ihrer Praxis