Schädigt gepökeltes Fleisch die Lunge?

MÜNCHEN (ars). Gepökeltes Fleisch sollte nicht täglich auf dem Speisezettel stehen. Diese Empfehlung läßt eine US-Studie zu. Nach den Daten beeinträchtigt ein häufiger Verzehr die Lungenfunktion.

Veröffentlicht:

Bisher ist in Tierexperimenten nachgewiesen worden, daß Nitrite aus gepökeltem Fleisch Veränderungen der Lunge hervorrufen, wie sie auch beim Lungenemphysem vorkommen. Ähnliches hat nun eine Arbeitsgruppe um Professor Graham Barr von der Columbia University in New York erstmals auch für Menschen herausgefunden. Die Ergebnisse wurden bei der Jahrestagung der European Respiratory Society in München vorgestellt.

Die Wissenschaftler verwendeten dazu Daten der großen Studie NHANES III (National Health and Nutritional Examination Survey Study). Zu knapp 7600 Teilnehmern über 44 Jahre werteten sie Daten zu Ernährung und Spirometrie aus.

Demnach war die Lungenfunktion bei jenen, die mehr als 14mal im Monat nitrithaltige Fleischwaren verzehrten, signifikant schlechter als bei jenen, die völlig darauf verzichteten: Die absolute Sekundenkapazität (FEV1) war um 115 ml geringer, die forcierte Vitalkapazität (FVC) um 60 ml und die relative Sekundenkapazität (FEV1/FVC) um 2,11 Prozent. Das Risiko einer eingeschränkten Lungenfunktion, wie sie für die chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) charakteristisch ist, war bei Probanden, die häufig gepökeltes Fleisch aßen, um 71 Prozent erhöht.

Ausgelöst wird die Lungenschädigung vermutlich durch die Nitrite, die Wurst, Speck, Salami, geräuchertem Schinken oder Fertiggerichten zugesetzt sind. Diese Pökelsalze - E 249 und E 250 - konservieren Fleisch und Wurst, indem sie den Botulismus-Erreger Clostridium botulinum abtöten. Außerdem verleihen sie den Waren das besondere Aroma und die rötliche Farbe. Im Körper allerdings wandeln sich die Nitrite in toxische Stickstoffverbindungen um.

Mit der Entdeckung, daß sie die Lungenfunktion verschlechtern, schließt sich zumindest teilweise eine Erklärungslücke: COPD ist zwar eine typische Raucherkrankheit, dennoch haben zehn Prozent derjenigen, die daran sterben, nie zu Zigaretten gegriffen. Bei ihnen könnte die Vorliebe für Gepökeltes ätiologisch bedeutsam sein.

Mehr zum Thema

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen

Morbus Crohn: In nur fünf Tagen per Diät zur Remission?

Stark verarbeitete Lebensmittel

Gesundheitsschädliche Nahrung – eine globale Krise?

Lebensmittelsicherheit

Paranüsse: Strahlenbelastung (k)ein Problem?

Das könnte Sie auch interessieren
Welche Rolle spielt Zink?

© Tondone | AdobeStock

Immunsystem unterstützen:

Welche Rolle spielt Zink?

Anzeige | Wörwag Pharma GmbH & Co. KG
Impf- und Zinkstatus im Blick

© Wörwag Pharma | KI-generiert

Bei Risikogruppen:

Impf- und Zinkstatus im Blick

Anzeige | Wörwag Pharma GmbH & Co. KG
Wann die Zinkversorgung knapp werden könnte

© artemidovna | AdobeStock

Ernährungsfallen:

Wann die Zinkversorgung knapp werden könnte

Anzeige | Wörwag Pharma GmbH & Co. KG
Vitamin-B12-Mangel frühzeitig behandeln!

© Aleksandr | colourbox.de

Fatal verkannt

Vitamin-B12-Mangel frühzeitig behandeln!

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
Aktuelle Empfehlungen für die Praxis

© polkadot - stock.adobe.com

Vitamin-B12-Mangel

Aktuelle Empfehlungen für die Praxis

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
B12-Mangel durch PPI & Metformin

© Pixel-Shot - stock.adobe.com

Achtung Vitamin-Falle

B12-Mangel durch PPI & Metformin

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Daten zur lipidologischen Versorgung von Patientinnen und Patienten mit hohem kardiovaskulärem Risiko aus der VESALIUS-REAL-Studie

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [7]

Kardiovaskuläre Prävention

Frühe Risikoidentifikation und konsequentes Lipidmanagement

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Amgen GmbH, München
Abb. 1: FIB-4 1,3: numerische 26%ige Risikoreduktion der 3-Punkt-MACE durch Semaglutid 2,4mg

© Springer Medizin Verlag GmbH, modifiziert nach [17]

Kardiovaskuläre, renale und hepatische Komorbiditäten

Therapie der Adipositas – mehr als Gewichtsabnahme

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Novo Nordisk Pharma GmbH, Mainz
SCD-PROTECT-Studie-- Frühe Phase nach Diagnose einer Herzinsuffizienz – deutlich höheres Risiko für den plötzlichen Herztod als in der chronischen Phase.

© Zoll CMS

SCD-Schutz in früher HF-Phase

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: ZOLL CMS GmbH, Köln
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Wechselwirkungen

Diese Medikamente sind bei Herzinsuffizienz riskant

Interview mit Physiotherapeutin

Bewegung bei Nackenschmerzen: Welcher Sport ist der richtige?

Atemwegserreger

RKI: RSV-Welle deutet sich an

Lesetipps
Diabetespatientin spritzt sich Insulin mit Insulinpen

© Goffkein / stock.adobe.com

Wenig bekannte Insulinkomplikation

Vorsicht bei Insulininjektionen: Nicht immer dieselbe Stelle nehmen

Eine ältere Frau klagt über Gelenk- und Muskelschmerzen in ihren Händen.

© Yakobchuk Olena / stock.adobe.com

Kasuistik zu Autoimmunerkrankung

Wüssten Sie, was hinter diesen Symptomen steckt?