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Der Standpunkt

Scheu der Ärzte vor Grippeschutz

Nur wenige Ärzte wählen für sich eine Influenzaimpfung - und das, obwohl sie oft mit Schwerkranken zu tun haben. Doch mit einer eigenen Grippeerkrankung ist nicht zu spaßen, findet Robert Bublak. Er sieht die Glaubwürdigkeit der Ärzte in Gefahr.

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Der Autor ist Medizin-Redakteur von Springer Medizin. Schreiben Sie ihm: robert.bublak@ springer.com

Es ist nicht so, dass Mediziner etwas gegen Influenzaimpfungen hätten. Sofern die Vakzinen an Patienten verteilt werden, sind sie sogar recht beliebt. Schließlich unterliegt das Impfen keiner Budgetierung.

Anders sieht es bei der Eigenimpfung aus. Im vergangenen Herbst zeigte eine Umfrage des Robert Koch-Instituts: 40 Prozent der niedergelassenen Ärzte lassen sich nicht regelmäßig gegen Influenza impfen.

Noch schlimmer ist die Lage in den Kliniken. Jüngst war eine Studie zu lesen, in der die Impfquoten von Mitarbeitern in hessischen Kliniken untersucht worden waren (Bundesgesundheitsbl 2012; 55: 932). In 80 Prozent der Häuser war höchstens jeder fünfte Mitarbeiter gegen Influenza geimpft.

Und in der Hälfte der Kliniken, in denen die Raten der einzelnen Berufsgruppen erfasst waren, lag der Anteil der Geimpften unter den Ärzten noch niedriger als beim Pflegepersonal.

Nun liegt es in der Natur der Sache, dass Ärzte in Klinik und Praxis mit Patienten in Kontakt kommen. Was eine Ansteckung mit Influenza für Kranke und mitunter Schwerkranke bedeuten kann, sollte jedem Arzt klar sein. Auch, dass mit einer eigenen Grippeerkrankung nicht zu spaßen ist. Warum also gehen ausgerechnet Mediziner nicht zur Grippeimpfung?

Die Motive erhellt eine Untersuchung an einer deutschen Universitätsklinik (Infection 2009; 37: 197). Die Impfrate unter den Ärzten lag dort immerhin bei knapp 39 Prozent. Die 61 Prozent nicht geimpften Mediziner gaben als Gründe für den Impfverzicht an, sie seien keinem speziellen Risiko ausgesetzt (55 Prozent der Antworten), Influenza sei keine schwerwiegende Erkrankung (17 Prozent) oder die Vakzine biete keinen hinreichenden Schutz (17 Prozent).

Es geht hier nicht um Moral. Es geht um Glaubwürdigkeit. Ein Physiker, der erklärt, er habe zwar gelernt, dass die Erde eine Kugel sei, glaube aber, sie sei eine Scheibe, darf kaum damit rechnen, weiterhin ernst genommen zu werden. Und ein Arzt, der den Stand der Medizin für sich selbst ignoriert, kann nicht davon ausgehen, dass man seinen Ratschlägen folgt.

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Kommentare
Annett Fischer 24.09.201219:55 Uhr

Impfmuffel?

Hallo,

ich als Patient weiß nicht, ob mein Arzt sich impft oder nicht. Auf Nachfrage kann er auch antworten, was er möchte, um mich von einer Impfung wie sie die STIKO empfielt zu überzeugen.Die Frage zum Nachdenken ist doch wohl eher,warum gerade Ärzte und Pflege(fach)kräfte eine Impfung ablehnen. Erfolgt da eine Abwägung zwischen ,sagen wir einmal, Nutzen und Risiken? Besteht da Erfahrung mit Impfschäden und dehren mangelnder Anerkennung bzw jahrelanger Prozessierung? Wiegt das Impfrisiko tatsächlich die vermeintliche Ansteckungsgefahr auf? Und nicht zu guter letzt haben auch sie das Grundrecht auf freie Impfentscheidung.
LG

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