Schimmel ist ekelig und ein Gesundheitsrisiko

Schimmelpilze in der Wohnung sind kein Grund zur Panikmache, aber zur umgehenden Sanierung. Denn bestimmte Schimmelpilze bilden Mykotoxine, die innere Organe schädigen können. Die Sporen der Pilze können zudem Haut- und Schleimhautreaktionen auslösen und allergen wirken.

Von Nicola Siegmund-Schultze Veröffentlicht:
So ist es richtig. Ist Schimmel an den Wänden, muss die Wohnung dringend saniert werden, vor allem zum Schutz der Kinder.

So ist es richtig. Ist Schimmel an den Wänden, muss die Wohnung dringend saniert werden, vor allem zum Schutz der Kinder.

© Foto: GaToR-GFXwww.fotolia.de

KÖLN. Schimmelpilze sind überall: In der Luft und unter Umständen auch in Lebensmitteln. Wann aber werden sie zur Gesundheitsgefahr? "Die im Außen- und Innenbereich vorkommenden Schimmelpilze sind normalerweise nicht infektionsrelevant, Ausnahmen gibt es bei immungeschwächten Patienten", sagt Professor Guido Fischer von der Universitätsklinik Aachen. Aber: Bestimmte Schimmelpilze bilden Mykotoxine, die innere Organe schädigen können. Die Sporen der Pilze können zudem Haut- und Schleimhautreaktionen auslösen und allergen wirken. Menge und Dauer der Exposition sind vermutlich von Bedeutung, ohne dass Schwellenwerte für schädliche Wirkungen von Pilzsporen bekannt seien, sagte Fischer bei der Jahrestagung der Deutschsprachigen Mykologischen Gesellschaft in Köln. "Generell gilt: Auch ein Schimmelpilzbefall in der Wohnung sollte kein Anlass zur Panik sein, aber ein Anlass zu umgehender Sanierung." Unter Umständen sind dabei Sachverständige hinzuziehen, um Baumängel zu untersuchen.

Jeder zweite Mensch hat Aspergillus fumigatus

Schimmelpilze sind auch bei gesunden Menschen verbreitet. Studien an jungen Verkehrsopfern haben ergeben, dass Aspergillus fumigatus zum Beispiel bei etwa jedem zweiten von ihnen in der Lunge gefunden werde, sagte Professor Oliver A. Cornely von der Universitätsklinik Köln. A. fumigatus könne bei Patienten mit Immunkrankheiten eine Aspergillose hervorrufen, die Verbreitung der Erkrankung in der Bevölkerung sei aber unwahrscheinlich, und es gibt eine Therapie.

Normalerweise kommen in der Luft 5 und 20 A.-fumigatus-Sporen pro m3 vor, sagt Fischer. Mitarbeiter von Kompostierungsanlagen seien unter Umständen mehr als einer Million Sporen pro m3 Luft ausgesetzt. Die Sporen würden bis zwei Kilometer aus der Anlage herausgetragen. Verstärktes Pilzwachstum und erhöhte Sporendichte fänden sich auch in Bioabfällen.

Entwicklung von Allergen-extrakten wird gefordert

Von intensiven Gartenarbeiten sei daher chronisch immunsupprimierten Patienten eher abzuraten. A. niger und A. flavus finden sich in der Tierhaltung und beim Getreideanbau und damit unter Umständen in Lebens- und Futtermitteln. Ebenfalls verbreitet sind Penicillium-Arten sowie Vertreter der Cladosporium- und Alternaria-Spezies.

Da Schimmelpilze allergen wirken könnten, sei die Entwicklung von Allergenextrakten zumindest für die wichtigsten Innenraum-relevanten Schimmelpilze wünschenswert, sagte Fischer.

Das ist auch ein Plädoyer von Forschern um Kerstin Becker vom Umweltbundesamt in Berlin. Das Team hatte 2007 im Kinder-Umwelt-Survey (KUS) die Sensibilisierung gegen Schimmelpilze untersucht. 1790 Kinder im Alter von 3 bis 14 Jahren aus 150 Orten in Deutschland wurden in Zusammenarbeit mit Universitäten und dem Robert Koch-Institut in Berlin (Kinder- und Jugendgesundheitssurvey, KiGGS) untersucht (Blut, Morgenurin) und deren Eltern befragt. 8,3 Prozent der Kinder waren gegenüber Innenraum-Schimmelpilzen sensibilisiert (spezifische IgE-Titer), wobei die Sensibilisierung nicht mit der Schimmelpilzmessung korrelierte und damit keine quantitative Expositionsabschätzung möglich war. Eine Korrelation gab es aber zwischen Sensibilisierung und sichtbarem Schimmelpilzbefall, der in 15 Prozent der Wohnungen festgestellt wurde, ebenso wie mit einer vorausgegangenen Grundsanierung von Wohnräumen wegen Schimmelpilzbefalls.

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