Direkt zum Inhaltsbereich

Typ-2-Diabetiker

Schlechte Stoffwechselkontrolle freut Bakterien und Pilze

Je schlechter der Stoffwechsel von Diabetkern eingestellt ist, desto schwächer ist die Infekt-Abwehr. Das ergab die Analyse von Daten eines britischen Hausarzt-Registers. Wa ist der Grund für die erhöhten Infektionsraten?

Von Dr. Christine Starostzik Veröffentlicht:
Blutzucker im grünen Bereich? Schlechte Stoffwechselkontrolle schwächt auch die Abwehrkräfte

Blutzucker im grünen Bereich? Schlechte Stoffwechselkontrolle schwächt auch die Abwehrkräfte

© JPC-PROD / fotolia.com

GUILDFORD. Typ-2-Diabetiker leiden häufiger als Nichtdiabetiker an Infektionskrankheiten. In einer britischen Kohorten-Studie machten diesen Unterschied hauptsächlich Erkrankungen aus, die durch Bakterien oder Pilze verursacht werden.

Menschen mit Diabetes und vor allem auch mit Typ-2-Diabetes haben geschwächte Abwehrkräfte. Die Ursachen hierfür sind allerdings noch nicht vollständig aufgeklärt.

Julia Hine von der University of Surrey in Guildford in Großbritannien und ihre Kollegen haben jetzt einen detaillierteren Blick auf die Zusammenhänge zwischen glykämischer Kontrolle und der Infektionsanfälligkeit von Typ-2-Diabetikern geworfen (Diabet Med 2016, online 22. August).

Daten aus Hausarzt-Datenbank

Die Forscher haben Daten des Royal College of General Practitioners Research and Surveillance Centre (RCGP RSC)-Datenbank ausgewertet. Verglichen wurden dabei die Infektionsraten des Jahres 2014 von 34.278 Hausarztpatienten mit und 613.052 Patienten ohne Typ-2-Diabetes.

Im Fokus hatten die Studienautoren dabei Infektionen des oberen Respirationstrakts, Bronchitiden, grippeähnliche Erkrankungen, Pneumonien, infektiöse Darmerkrankungen, Herpes-simplex-, Haut- und Weichteilinfektionen, Harnwegs-, Genital- und perineale Infektionen.

Entsprechend des aktuellsten HbA1c-Wertes wurden die Diabetes-Patienten in drei Gruppen zugeordnet (gute glykämische Kontrolle: HbA1c unter 7 Prozent; mittelmäßig gute Kontrolle: HbA1c 7 bis 8,5 Prozen; schlechte Kontrolle: HbA1c über 8,5 Prozent).

Ergebnis: Die Diabetiker hatten im Vergleich zu den Nicht-Diabetikern vor allem vermehrt bakterielle und Pilzinfektionen: Mit Ausnahme der Herpes-simplex-Infektionen traten in der Regressionsanalyse alle untersuchten Infektionskrankheiten bei Typ-2-Diabetikern häufiger auf als bei Nicht-Diabetikern (altersstandardisierte Gesamtinfektionsrate: 502,0 vs. 267,3 pro 1000 Personenjahre).

Am deutlichsten war der Zusammenhang bei Genital- und perinealen Infektionen erkennbar (40,8 vs. 18,6/1000 PJ), gefolgt von Haut- und Weichteilinfektionen und Harnwegsinfekten.

HbA1c: Je höher, desto öfter Infekte

Analysiert wurde bei den Diabetikern zudem die Infektionshäufigkeit in Abhängigkeit von der Stoffwechselkontrolle: In der Gruppe mit schlechter glykämischer Kontrolle ergaben sich im Vergleich zu guter Kontrolle signifikant häufiger Bronchitiden, Pneumonien, Haut- und Weichteilinfektionen, Harnwegsinfekte sowie Genital- und perineale Infektionen (mittelmäßige oder schlechte Kontrolle gegenüber guter glykämischer Kontrolle: adjustierte Odds Ratio für alle Infektionen 1,11 bzw. 1,35).

Keinen Einfluss hoher HbA1c-Level konnten Hine und Kollegen auf Infektionen der oberen Atemwege, grippeähnliche Erkrankungen, Darminfektionen sowie Infektionen durch Herpes simplex feststellen.

Infektrisiko durch Gefäßschäden?

Verantwortlich für die erhöhten Infektionsraten könnte den Studienautoren zufolge zum Beispiel eine schlechtere Durchblutung von Geweben aufgrund von Gefäßschäden sein. Außerdem wurde bei Patienten mit Hyperglykämie eine Hemmung der Immunantwort beobachtet.

Möglicherweise siedeln sich infolge einer höheren Glukosekonzentration in den oberen Gewebsschichten leichter Bakterien oder Pilze an, so vermuten Hine und Kollegen.

Dass umgekehrt auch eine Infektion eine schlechtere glykämische Kontrolle bewirken kann, sei zu diesem Zeitpunkt nicht auszuschließen. Hierzu müsse erst gezeigt werden, dass mit einer strengeren Stoffwechseleinstellung die Infektionsrate sinkt. (Mitarbeit: eis)

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Prävalenz-Vergleich der Kreise

Auffällig hoher Anteil an multimorbiden Menschen in Ostdeutschland

Diabetes mellitus

Zusatznutzten für Teplizumab nicht quantifizierbar

Das könnte Sie auch interessieren
Jugendliche die schon früh, ohne Eltern in die Sprechstunde kommen, werden selbstständiger.

© Racle Fotodesign / stock.adobe.com

Typ-1-Diabetes bei Kindern und Jugendlichen

Wie gelingt der Übergang vom Pädiater in die Erwachsenenmedizin?

Frauen erhalten eine andere und meist schlechtere Behandlung als Männer. Sie sind häufiger vom Medical Gaslighting betroffen, insbesondere in der Kardiologie.

© NPS Studio / stock.adobe.com

Hormone, Schwangerschaft, Wechseljahre

Warum ein Diabetes Frauen anders trifft als Männer

Vitamin-B12-Mangel frühzeitig behandeln!

© Aleksandr | colourbox.de

Fatal verkannt

Vitamin-B12-Mangel frühzeitig behandeln!

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
Aktuelle Empfehlungen für die Praxis

© polkadot - stock.adobe.com

Vitamin-B12-Mangel

Aktuelle Empfehlungen für die Praxis

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
B12-Mangel durch PPI & Metformin

© Pixel-Shot - stock.adobe.com

Achtung Vitamin-Falle

B12-Mangel durch PPI & Metformin

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Die kardiorenalmetabolische Organachse: ganzheitliche Versorgung durch interdisziplinäre Zusammenarbeit (Quelle: Michalopoulou E et al., J Clin Med 2025, 14:428)

© Springer Medizin Verlag

Biomarker gegen Diabetes-Folgen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Roche Diagnostics Deutschland GmbH, Mannheim
Porträt: xxx

© Porträt: Alexander Sahi

„ÄrzteTag extra“-Podcast

Testosteronmangel: Worauf es in der Hausarztpraxis ankommt

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Besins Healthcare Germany GmbH, Berlin

T2D-Therapie jetzt auch mit Semaglutid 2 mg

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Novo Nordisk Pharma Gmbh, Mainz
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Lesetipps
Schild, das den Weg zum nächsten WC anzeigt.

© fritz / Fotolia

Nicht jede Diarrhoe geht von allein

Akuter Durchfall: Wann mehr als Teefasten nötig ist