Schmerzarm stechen - viele machen es falsch

Die Blutzucker-Selbstmessung stellt viele Diabetiker vor Probleme. Folge können unzuverlässige Messwerte sein oder es werden notwendige Messungen ausgelassen. Eine Umfrage unter Diabetikern in Deutschland hat auf Wissens- und Handlungsdefizite hingewiesen.

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Die Ergebnisse des Blutzucker-Selbstmanagement-Reports 2006 unter fast 1000 Diabetikern in Deutschland überraschten selbst Experten, und zwar negativ. Ein Drittel der Befragten hatte noch nie an einer Diabetes-Schulung teilgenommen, so Professor Theodor Koschinsky aus Düsseldorf (Diabetes, Stoffwechsel und Herz 3, 2007, 185). Ein Drittel der Teilnehmer wählte die besonders schmerzempfindliche Mitte der Fingerkuppe zur Messung, statt den weniger schmerzhaften Seitenbereich der Fingerspitze.

Dass die Blutgewinnung mit modernen Stechhilfen viel sanfter möglich ist als früher, wissen nach Koschinskys Angaben viele nicht. Zudem werde oft geglaubt, dass das Stechen in die Hornhaut, die sich an immer wieder benutzten Stellen gebildet hat, weniger schmerzhaft sei. Nur 47 Prozent der Befragten achten vor der Blutgewinnung darauf, dass die Finger gut durchblutet sind.

Lanzetten im Mittel achtmal verwendet.

Die Lanzetten zur Blutgewinnung werden durchschnittlich achtmal verwendet, so ein weiteres Ergebnis der Befragung. Irrtümlich wird angenommen, sie stumpfen bei mehrfacher Verwendung nicht ab. Prinzipiell soll jede Lanzette nur einmal benutzt werden. Fast acht von zehn Befragten meinen, dass die Blutgewinnung um so weniger weh tut, je dünner die Lanzette ist. Dabei seien der Schliff und das Vermeiden seitlicher Nachschwingungen während des Stichs wichtige Aspekte, wenn es um sanfte Blutgewinnung gehe, sagt Koschinsky. Moderne Stechhilfen vermeiden seitliche Schwingungen. Auch die Einstichtiefe hat Einfluss auf das Schmerzempfinden, was fast die Hälfte der Befragten nicht wussten. Grundsätzlich gilt es, bei der Einstichtiefe einen Kompromiss zwischen ausreichender Blutmenge und weitgehender Schmerzvermeidung zu finden. Das muss jeder selbst ausprobieren.

Auch der unbedachte Umgang mit Teststreifen überraschte. Es sollte in Schulungen verstärkt darauf hingewiesen werden, dass Teststreifendosen zügig wieder verschlossen werden müssen, fordert der Düsseldorfer Diabetologe. Nur so sind die Glukosesensoren so wenig wie möglich Einflüssen wie Luftfeuchtigkeit und Temperaturschwankungen ausgesetzt. Schließlich wurden sehr oft die Messergebnisse gar nicht dokumentiert oder dafür benutzt, gemeinsam mit dem Behandlungsteam Änderungen herbeizuführen. Fazit der Studienautoren: Es gilt eine Menge Wissenslücken zu schließen. (ner)

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