Angststörungen

Schmerzen und Schlafstörungen - Symptome von Angst

Hinter somatischen Beschwerden versteckt sich oft eine generalisierte Angststörung.

Von Werner Stingl Veröffentlicht: 16.04.2010, 05:00 Uhr

MÜNCHEN (wst). Patienten, die immer wieder mit körperlichen Beschwerden in die Praxis kommen und denen nichts so richtig zu helfen scheint, könnten an einer generalisierten Angststörung erkrankt sein. Eine Abklärung ist deshalb ratsam.

Die Lebenszeitprävalenz der stark zur Chronifizierung neigenden generalisierten Angststörung (GAD) wird in der neueren wissenschaftlichen Literatur mit zwei bis drei Prozent für Männer und mit sechs bis sieben Prozent für Frauen angegeben, berichtete Professor Hans-Ulrich Wittchen beim 18. Europäischen Psychiatriekongress in München. Jenseits des 40. Lebensjahres ist die Rate höher als bei Jüngeren.

Patienten mit GAD suchen im Vergleich zu Personen der Allgemeinbevölkerung überdurchschnittlich oft die Praxen niedergelassener Ärzte auf, doch artikulieren die wenigsten ihre Ängste, sagte Wittchen auf der vom Unternehmen Pfizer unterstützten Veranstaltung. In einer Studie mit über 17 000 Teilnehmern gab die Mehrheit der GAD-Patienten somatische Beschwerden an, vor allem Schmerzen oder Schlafstörungen. Angst stellten nur gut fünf Prozent in den Vordergrund. Wer hier nicht nach Anzeichen pathologischer Ängste, Befürchtungen oder Sorgen fragt, verkenne leicht die richtige Diagnose, so Wittchen.

Weitreichende Gemeinsamkeiten zwischen Depression und GAD hätten zu Überlegungen geführt, im neu überarbeiteten und voraussichtlich 2013 veröffentlichten psychiatrischen Handbuch DSM V die GAD als Sonderform der Depression zu definieren, erläuterte Wittchen, der selbst zur DSM V-Arbeitsgruppe gehört. Davon sei man aber wieder abgekommen, so dass die GAD wohl auch in der künftigen DSM-Version als eigenständige Angststörung aufgelistet wird. Als wichtiges Unterscheidungskriterium gilt übrigens, dass GAD-Patienten im Gegensatz zu Patienten mit Depressionen auf positive Stimuli noch zu deutlich positiven Reaktionen - wenn oft auch nur kurzfristig - imstande sind, ergänzte Professor Carlo Altamura aus Mailand.

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