Direkt zum Inhaltsbereich

Schmerzkranke Patienten müssen lernen, zu vergessen

KÖLN (nsi). Patienten mit mittelschweren bis starken Dauerschmerzen zu behandeln, ist schwierig: Oft nur vorübergehend empfinden sie eine Linderung ihrer Beschwerden als zufriedenstellend und leben in ständiger Furcht, dass der Schmerz wiederkommt. Für die chronisch Schmerzkranken eignen sich Medikamente, die effektiv und gleichmäßig anhaltend wirken.

Veröffentlicht:

"Denn bei solchen Patienten besteht die Gefahr, dass sie aus Angst vor Schmerzspitzen immer wieder zum Medikament greifen und es immer höher dosieren", sagte Professor Walter Zieglgänsberger vom Max-Planck-Institut für Psychiatrie in München.

Schmerzkranke brauchen zunächst ein Erfolgserlebnis

"Wer chronisch schmerzkrank ist, sollte so behandelt werden, daß er die Schmerzerfahrung verlernen kann, sie durch neue, positive Erfahrungen überdecken kann", sagte Zieglgänsberger beim Innovationsforum der Deutschen Gesellschaft für Schmerztherapie in Köln. Anders lasse sich die Erinnerung an den Schmerz nicht auslöschen. Die Patienten müßten zunächst gut medikamentös versorgt werden, um sie auf Basis dieses Erfolgserlebnisses durch Gespräche und Psychotherapie zu mehr körperlicher und sozialer Aktivität motivieren zu können.

Ein optimales Medikament gegen den Dauerschmerz lindere nicht nur effektiv Beschwerden, sondern habe möglichst noch eine leicht antidepressive Wirkung, ohne den Patienten müde zu machen, sagte Ziegl-gänsberger. Solche Substanzmerkmale begünstigten, dass der Patient sich als Person ohne Schmerzen oder mit erträglichen Beschwerden neu erfahren könne.

Agonisten des my-Rezeptors wie Hydromorphon hätten solche für chronisch Schmerzkranke günstigen Eigenschaften und eigneten sich als Behandlungsstrategie vor allem, wenn die Substanzen retardiert freigesetzt würden und lange wirkten, so Zieglgänsberger auf einem Symposium des Unternehmens Janssen-Cilag. Eine gleichzeitig agonistische Wirkung auf Rezeptoren für N-Me-thyl-D-Aspartat (NMDA) begünstige das Vergessen unangenehmer Erfahrungen.

Orales Hydromorphon gibt es jetzt für die Einmaltherapie

Seit Sommer vergangenen Jahres ist das Medikament Jurnista® auf dem Markt: ein orales Hydromorphon, das in die Stufe III des WHO-Schemas für die Schmerztherapie gehört und, einmal täglich eingenommen, ohne Effektivitätsverlust 24 Stunden lang analgetisch wirkt. Die Patienten nehmen das tablettenartige Präparat, und während der Magen-Darmpassage dringt Wasser durch eine semipermeable Membran ins Innere. Ein langsam größer werdender Quellkörper drückt das Hydromorphon auf der gegenüberliegenden Seite nach außen. So entstehen gleichmäßige Plasmaspiegel.



STICHWORT

my-Rezeptoren

Der my-Rezeptor ist einer der drei Subtypen der Opioidrezeptoren. Der Rezeptor hat eine Affinität für Endorphine, Dynorphine, Met-Enkephalin, Leu-Enkephalin und Morphin.

Mehr zum Thema

Genu varum mit medialer Arthrose

Tibiakopfumstellung oder Teilgelenkersatz: Ein Algorithmus weist den Weg

Rotatorenmanschetten-Anomalien

MRT-Befunde wohl nicht mit chronischen Schultersymptomen assoziiert

Das könnte Sie auch interessieren
50 Jahre Jung-Preis

© Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung

50 Jahre Jung-Preis

Freiheit als Voraussetzung für medizinischen Fortschritt

Anzeige | Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung
Kommentare
Sonderberichte zum Thema

T2D-Therapie jetzt auch mit Semaglutid 2 mg

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Novo Nordisk Pharma Gmbh, Mainz
Abb. 1: Empagliflozin reduzierte auch bei niedriger Ausgangs-eGFR die Progression der chronischen Nierenkrankheit (Test für Heterogenität/Trend: a) 12=0,06, p=0.81; b) 12=6,31, p=0,012)

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [6]

Chronische Nierenkrankheit

SGLT2-Inhibition: Nephroprotektiv auch bei stark erniedrigter eGFR

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Boehringer Ingelheim Pharma GmbH & Ko KG, Ingelheim am Rhein
Abb. 2: Sekundärer Endpunkt der BOREAS-Studie: Veränderung der Lungenfunktion unter Dupilumab versus Placebo

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [2]

Typ-2-Inflammation bei COPD

Bessere Lungenfunktion und mehr Lebensqualität durch IL-4/-13-Hemmung

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Sanofi-Aventis Deutschland GmbH, Berlin, und Regeneron GmbH, München
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Sechs Monate längeres Gesamtüberleben

Daraxonrasib beim Pankreaskarzinom: Besser als die Chemotherapie?

Medikalisierung und Desinformation

Wie Social Media elterliche Entscheidungen prägt

Lesetipps
Harnwegsinfekt bei einem Mann

© anut21ng Stock / stock.adobe.com

Leitlinie der Europäischen Gesellschaft für Urologie

Neue Klassifikation von Harnwegsinfektionen räumt mit Missverständnissen auf

Ein Säugling liegt auf dem Rücken auf einem Bett. Die Hände der Mutter streichen sachte über den Bauch des Kindes.

© Aurora Aesthetics / Generated with AI / Stock.adobe.com

Funktionelle gastrointestinale Störungen

Säuglingskoliken: Wie viel Schreien ist normal?