Direkt zum Inhaltsbereich

Schulter schnell und schmerzarm eingerenkt

Eine neue Repositionstechnik bei vorderer Schulterluxation, die ohne Analgetika, Sedativa oder Assistenten auskommt, haben griechische Orthopäden vorgestellt - samt prospektivem Vergleich mit klassischen Methoden.

Dr. Thomas MeißnerVon Dr. Thomas Meißner Veröffentlicht:
Eine Luxation tut weh, die Reposition gelingt schmerzarm.

Eine Luxation tut weh, die Reposition gelingt schmerzarm.

© Kaulitzki / Fotolia.com

NEU-ISENBURG. Ein neues Verfahren zur Reposition bei Schulterluxation ist offenbar schneller und weniger schmerzhaft als die klassischen Methoden nach Hippokrates und nach Kocher. Und so geht's: Der Arzt zieht den Patienten leicht an der Hand des Arms und abduziert langsam (Orthopädie & Rheuma 2010; 6: 30). Der Unterarm befindet sich dabei in neutraler Rotationsstellung.

Um die Muskulatur zu entspannen, werden während dieser allmählichen Abduktion unter permanent leichtem Zug gleichzeitig kurze (zwei- bis dreimal pro Sekunde) und niedrigamplitudige (etwa 5 cm nach oben oder unten) vertikal oszillierende Bewegungen gemacht, schlägt Dr. Fares E. Sayegh vom Papageorgiou General Hospital in Thessaloniki vor (J Bone Joint Surg 2009; 91: 2775).

Sind 90 Grad Abduktion erreicht, rotiert der Arzt den Arm des Patienten vorsichtig nach außen, wobei er die Abduktion und die Oszillationen fortsetzt. Bei etwa 120 Grad kommt es in der Regel zu einer Reposition. Danach wird der Arm nach innen rotiert und auf dem Brustkorb platziert.

Ob dieses als FARES (Fast, Reliable and Safe) bezeichnete Verfahren tatsächlich neu ist, bezweifeln einige Kommentatoren, da es nur in Details von früher publizierten Methoden abweicht. Interessant ist dennoch der prospektive Vergleich mit klassischen Repositionsmethoden bei 154 Patienten mit vorderer Schulterluxation. Niemand hatte ein Schmerzmittel erhalten.

Den Assistenzärzten im ersten und zweiten Ausbildungsjahr gelang die Reposition mit FARES bei knapp 89 Prozent der Patienten und damit signifikant häufiger als mit den Manövern nach Hippokrates (73 Prozent) und nach Kocher (68 Prozent). Außerdem befand sich der Humeruskopf mit durchschnittlich zweieinhalb Minuten deutlich schneller wieder am richtigen Ort.

Die Schmerzen bezifferten die FARES-Patienten auf der zehnstufigen visuellen Analogskala mit durchschnittlich 1,6, mit den klassischen Methoden dagegen mit 4,8 bis 5,4 - auch dies ein signifikanter Unterschied. Komplikationen traten in keiner der drei Gruppen auf.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Fußball-Weltmeisterschaft

WM-Kolumne: Spitzensport schützt – und hinterlässt Spuren

Fußball-Weltmeisterschaft

WM-Kolumne: Wie das Hotel die Leistungsfähigkeit im Spiel beeinflusst

Das könnte Sie auch interessieren
50 Jahre Jung-Preis

© Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung

50 Jahre Jung-Preis

Freiheit als Voraussetzung für medizinischen Fortschritt

Anzeige | Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Signalkaskade der kardiovaskulären Inflammation

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [9]

Sekundärprophylaxe nach Herzinfarkt

Therapie der kardiovaskulären Inflammation senkt das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: APONTIS PHARMA Deutschland GmbH & Co. KG

T2D-Therapie jetzt auch mit Semaglutid 2 mg

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Novo Nordisk Pharma Gmbh, Mainz
Abb. 1: Empagliflozin reduzierte auch bei niedriger Ausgangs-eGFR die Progression der chronischen Nierenkrankheit (Test für Heterogenität/Trend: a) 12=0,06, p=0.81; b) 12=6,31, p=0,012)

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [6]

Chronische Nierenkrankheit

SGLT2-Inhibition: Nephroprotektiv auch bei stark erniedrigter eGFR

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Boehringer Ingelheim Pharma GmbH & Ko KG, Ingelheim am Rhein
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Fußball-Weltmeisterschaft

WM-Kolumne: Spitzensport schützt – und hinterlässt Spuren

„ÄrzteTag“-Podcast

Wie kommuniziert man Zahlen und Risiken verständlich, Dr. Lühnen?

Lesetipps
Einzelne Bilder von Lebensmitteln die reich an Histamin sind.

© PhotoSG / stock.adobe.com

Mythos mit Nebenwirkungen

Verdacht auf Histaminintoleranz: Wie Sie jetzt vorgehen

Schatten eines übergewichtigen Menschen an einer Wand.

© Luluraschi / stock.adobe.com

Fettleibigkeit beginnt im Gehirn

Adipositas: Wechselspiel zwischen Genetik, Hirn und Mikrobiom