Welt-Psoriasistag

Schuppenflechte geht unter die Haut

Die Hautkrankheit Psoriasis ist eine Gefahr auch für andere Organe. Dieses Wissen scheint selbst unter Dermatologen noch nicht allzu weit verbreitet zu sein, kritisierten Experten am Welt-Psoriasistag.

Anno FrickeVon Anno Fricke Veröffentlicht:
Psoriasis: Nur auf den ersten Blick eine reine Hautkrankheit.

Psoriasis: Nur auf den ersten Blick eine reine Hautkrankheit.

© Farina3000 / fotolia.com

BERLIN. In Deutschland beginnt die Fachwelt zu verstehen, dass Psoriasispatienten anfälliger für eine Reihe von Erkrankungen sind als ihre nicht unter Schuppenflechte leidenden Altersgenossen.

"Psoriasis betrifft mehr Organe als die Haut", warnte der Versorgungsforscher Professor Matthias Augustin bei einer Pressekonferenz. So erkrankten Menschen mit Schuppenflechte doppelt so häufig an Diabetes mellitus.

Ein Fünftel der Psoriasis-Patienten entwickele in ihrem Leben eine Arthritis, ergänzte die Hautärztin Dr. Margrit Simon aus Berlin. Das Risiko für Psoriasis-Patienten, an Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa zu erkranken, liege um ein Siebenfaches höher als das gleichaltriger Menschen ohne Schuppenflechte.

Diese Zusammenhänge scheinen sogar unter den Dermatologen selbst noch nicht allzu weit verbreitet zu sein. Die S3-Leitlinie Psoriasis vulgaris sei noch zu wenig bekannt, beklagten die Fachleute.

Dabei ließe sich anhand dieser Leitlinie der Behandlungspfad auch für andere Disziplinen visualisieren, sagte der Dr. Ralph von Kiedrowski, Landesvorsitzender des Berufsverbandes der Dermatologen in Rheinland-Pfalz.

Eine Vernetzung der auf Psoriasis spezialisierten Hautärzte mit Haus- und Kinderärzten sowie Internisten und Gastroenterologen könnte den gesetzlichen Krankenkassen und damit den Versicherten Geld sparen.

Unterschiedliche Versorgung in Europa

Auf 50 bis 80 Millionen Euro schätzt Augustin das Potenzial für die ersten zwei Jahre nach dem Start von IV-Projekten. Auf längere Sicht ließen sich deutlich mehr Einsparungen realisieren.

Nur: Derzeit gibt es keine Verträge für die Versorgung von Psoriasis. Das könnte sich ändern. Augustin berichtete, dass in sieben Regionen Kassen, Kassenärztliche Vereinigungen und Ärztenetze über Integrierte Versorgungsverträge verhandelten.

Haupthindernis sei die Vorgabe des Bundesversicherungsamtes, dass sich IV-Verträge bereits binnen eines Jahres amortisieren müssten.

Derzeit gäben die Kassen rund 1,2 Milliarden Euro im Jahr für die Versorgung der gesetzlich Versicherten Psoriasispatienten aus. Die Behandlung einer schweren Psoriasis koste in Deutschland etwa 8000 Euro im Jahr. Begleiterkrankungen verteuerten sie um etwa 2500 Euro.

Um das Niveau der Versorgung anzuheben hat der Deutsche Psoriasis Bund Versorgungsziele formuliert, die bis 2015 erreicht werden sollen. Die Gesundheitspolitik möge sicherstellen, dass die Schuppenflechte und ihre Begleiterkrankungen rechtzeitig erkannt werden und dass die Patienten Zugang zu einer sachgerechten Versorgung bekommen.

Weltweit leiden mehr als 125 Millionen Menschen an Psoriasis, der Schuppenflechte. Ihre Versorgung ist regional unterschiedlich weit entwickelt. "Die Situation ist nicht zufriedenstellend", sagte der Präsident der europäischen Dachorganisation der Psoriasis-Verbände, Ottfrid Hillmann, anlässlich des Welt-Psoriasistages am Montag in Berlin.

In Island, so sagen Fachleute, sei sie vorbildlich. In Griechenland so gut wie nicht vorhanden.

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