Schutz vor Genitalinfektionen - das könnte HIV-Therapie bewirken

FRANKFURT / MAIN (gvg). Wie wirkt sich eine Therapie gegen HIV auf die Inzidenz anderer sexuell übertragbarer Infektionen (STI) aus? Daten aus der KABaSTI-Studie haben Hinweise darauf gebracht, dass therapierte HIV-Infizierte weniger gefährdet für STI sein könnten als nicht therapierte.

Veröffentlicht:

Die KABaSTI-Studie, eine Befragung, liefert Daten zur Inzidenz und Prävalenz von STI bei Männern, die Sex mit Männern (MSM) haben. Besondere Risikofaktoren waren erwartungsgemäß die Zahl der Geschlechtspartner und die Häufigkeit ungeschützten Analverkehrs.

So war eine neu aufgetretene STI im Jahr vor der Befragung bei jenen Befragten, die häufiger als fünf mal ungeschützten Analverkehr hatten, sieben Mal wahrscheinlicher als bei jenen, die nicht auf diese Quote kamen. Und jene Männer, die über mehr als zehn Geschlechtspartner berichteten, hatten ein fünffach erhöhtes Risiko für eine STI.

"Überraschend war für uns der negative Zusammenhang zwischen STI-Inzidenz und antiretroviraler Therapie bei HIV-positiven MSM", sagte KABaSTI-Studienleiter Axel Schmidt vom Wissenschaftszentrum Berlin. Bisher sei häufig die Ansicht vertreten worden, die antiretrovirale Therapie begünstige das Auftreten von STI, weil sie ein trügerisches Sicherheitsgefühl vermittle, so Schmidt beim 3. Deutsch-Österreichischen Aids-Kongress.

Das kann KABaSTI nicht belegen. Im Gegenteil: "Bei jeder einzelnen bakteriellen STI war die Inzidenzrate bei HIV-positiven ohne antiretrovirale Therapie höher als bei jenen mit antiretroviraler Therapie", sagte Schmidt. Dieser Zusammenhang hielt auch dann, wenn die beiden wichtigsten Störgrößen, nämlich die Zahl der Partner und die Häufigkeit ungeschützten Analverkehrs, statistisch berücksichtigt wurden.

Wie das zu interpretieren ist, kann Schmidt allerdings nicht genau beantworten. Den Aids-Forschern gab er die Frage mit auf den Weg, ob es möglich sei, dass antiretrovirale Medikamente vielleicht auch einen hemmenden Effekt auf bakterielle Infektionen haben könnten.

Weitere Infos zum Aids-Kongress unter www.doeak2007.com



STICHWORT

KABaSTI-Studie

In der KABaSTI-Studie (Knowledge, attitudes and behavior as to sexually transmitted infections) wurde die Häufigkeit von STI bei Männern, die Sex mit Männern (MSM) haben, untersucht. 6833 Männer füllten einen Fragebogen aus. Sie wurden vor allem über das Internet für die Studie gewonnen. Die Langzeitprävalenz von Gonorrhoe lag bei 16 Prozent, die von Syphilis bei 11 Prozent. Werden die Nutzer von Internet-Portalen herausgerechnet, in denen ungeschützter Analverkehr propagiert wird, liegen die Prävalenzen bei 13 oder 9 Prozent, was für repräsentativ bei MSM erachtet wird. Die Inzidenz bakterieller STI im Jahr vor der Befragung betrug zehn Prozent. Gut zwei Drittel davon waren Gonokokken-Infektionen. Die SyphilisInzidenz lag bei vier Prozent. (gvg)

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Bessere Prävention durch gezielte Infos

Mehr zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren
DMykG 2025: So dringt Bifonazol effektiv in die Nagelplatte ein

© Matt LaVigne | iStock

Neue in-vitro-Daten

DMykG 2025: So dringt Bifonazol effektiv in die Nagelplatte ein

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Bifonazol: Antimykotikum mit antientzündlicher Wirkung

© Irina Esau | Getty Images/iStockphoto

Fokus: Integrität der Haut

Bifonazol: Antimykotikum mit antientzündlicher Wirkung

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Die Bedeutung von Bifonazol in der Therapie der Tinea capitis

© Prof. Dr. med. Hans-Jürgen Tietz

Pilzinfektion Kopfhaut

Die Bedeutung von Bifonazol in der Therapie der Tinea capitis

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Für Menschen ab 60 Jahren sind die Impfungen gegen Influenza, Corona, Pneumokokken und Herpes zoster (beide nicht im Bild) Standard-Impfungen. Für Menschen ab 75 Jahren kommt die RSV-Impfung hinzu.

© angellodeco / stock.adobe.com

Respiratorisches Synzytial Virus

STIKO: Alle Menschen ab 75 gegen RSV impfen!

Blickdiagnose: klinisches Bild mit typischen Effloreszenzen bei Herpes zoster.

© Mumemories / Getty Images / iStock

Zoster-Impfung

Schutz vor Herpes zoster und Rezidiven

Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Potenzielle Schäden durch eine Influenza-Infektion an verschiedenen Organsystemen

© Springer Medizin Verlag

Impfen und Herzgesundheit

Mehr als nur Grippeschutz: Warum die Influenza-Impfung bei Menschen mit kardiovaskulären Erkrankungen so wichtig ist

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Sanofi-Aventis Deutschland GmbH, Frankfurt a. M.
Abb. 1: Mittlere Veränderung des DAS28-CRP bis Woche 52 gegenüber Ausgangswert (primärer Wirksamkeitsendpunkt)

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [2]

Anti-TNF-Therapie

Erstes Golimumab-Biosimilar erweitert Therapiespielräume bei RA, PsA, axSpA und pJIA

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Advanz Pharma GmbH, München
Zielgerichtete Interleukin-23p19-Inhibition

© Oleh / stock.adobe.com

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen

Zielgerichtete Interleukin-23p19-Inhibition

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Lilly Deutschland GmbH, Bad Homburg v.d.H.
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Off-Label-Use möglich

Long-COVID-Therapie: So schätzt Hausarzt Maibaum den G-BA-Beschluss ein

Lesetipps
Ei Spiegelei in einer Pfanne

© Kevsan / stock.adobe.com

Gastbeitrag

Sind Eier wirklich so gefährlich für Herz und Gefäße?