Kommentar des Experten

Schutz vor Typ-1-Diabetes ist das Ziel von Präventionsforschern

Lässt sich einem Typ-1- Diabetes eines Tages vorbeugen? Forschungsansätze dazu wurden bei einem Symposium in München vorgestellt.

Von Prof. Hellmut Mehnert Veröffentlicht: 01.02.2011, 05:00 Uhr

Professor Hellmut Mehnert

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Fünf bis zehn Prozent der acht Millionen Zuckerkranken in Deutschland haben Typ-1-Diabetes. Die Zahl der Betroffenen wächst, besonders bei den Kleinkindern. Möglicherweise hat die Vererbung zugenommen, wobei die für den Typ-1-Diabetes entdeckten Gene ähnlich zahlreich sind wie die für den Typ-2-Diabetes ermittelten Gene.

In der Zwillingsforschung wurde belegt, dass der Typ-1-Diabetes eine stärkere hereditäre Penetranz aufweist als früher angenommen. Beim Typ-1-Diabetes spielen - nicht jedoch beim Typ-2-Diabetes - die HLA-Antigene eine entscheidende Rolle für die Vererbung.

Allerdings gibt es auch protektive HLA-Gene, wie Professor Anette-Gabriele Ziegler von der TU München bei dem Symposium der Forschergruppe Diabetes betont hat. Das Risiko für Typ-1-Diabetes hängt von der Zahl der gebildeten Antikörper dieser Autoimmunerkrankung ab (IAA, GADA, IA2A, ZnT8A [Zinktransporter]).

Suche nach Umweltfaktoren als Auslöser von Diabetes

In der großen TEDDY-Studie mit mehr als 8000 Kindern wird nach Umweltfaktoren gefahndet, die als Trigger die Erkrankung auslösen könnten. Dabei wird auch geprüft, warum sich der Typ-1-Diabetes heute schneller als früher zu seinem Vollbild entwickelt.

Interessant ist, dass eine Sectio caesarea einen Typ-1Diabetes begünstigen kann. Möglicherweise ist hierfür ein besonderes Gen verantwortlich. Weitere auslösende Faktoren könnten Vitamin-D-Mangel und zu frühe Gluten-haltige Beikost im Säuglingsalter sein.

Als mögliche Prinzipien zur Prävention von Typ-1-Diabetes werden die Suppression der T-Zell-Expression und die Stimulation regulativer Zellen diskutiert, wie Dr. Peter Achenbach vom Institut für Diabetesforschung in München berichtet hat.

Eine Modulation der Antigen-Präsentation könnte hierzu führen, also zum Beispiel eine immunregulative Toleranzinduktion (Toleranz gegenüber Antigenen) und eine Förderung der Beta-Zell-Regeneration.

Studien zur Impfung mit Insulin wurden gestartet

Bei der Prävention unterscheidet man drei Stadien: Primärprävention soll die Entstehung von Autoimmunität verhindern. Bei der Sekundärprävention richtet sich dieses Ziel auf die Progression der schon vorhandenen Autoimmunität, und bei der Tertiärprävention geht es um die Erhaltung der Beta-Zell-Restfunktion, die zwar bald erlischt, aber vor allem zu Erkrankungsbeginn eindeutig vorhanden ist.

Im Tiermodell (am Menschen noch nicht bestätigt!), war eine GLP1-basierte Therapie, insbesondere mit GLP1-Analoga, Beta-Zell-protektiv. Verschiedene Medikamente, so Rituximab, könnten bei der Primärprävention zu vermehrtem C-Peptid, also zu einer verbesserten endogenen Insulinproduktion führen.

Dies würde aber vor allem für Patienten gelten, die gerade neu einen Typ-1-Diabetes entwickelt haben. Bei der Sekundärprävention wird die Impfung mit oralen Insulingaben diskutiert, wobei die frühzeitige Antigenpräsentation zu einer verminderten Progression des Typ-1Diabetes, vor allem bei Kleinkindern führen soll. Ergebnisse solcher zur Zeit laufenden Studien werden mit Spannung erwartet.

Die zunehmende Häufigkeit des Typ-1-Diabetes bedingt, dass Betroffene auch außerhalb von Diabetes-Zentren behandelt werden. Die intensivierte Insulintherapie - eventuell schon in frühem Alter mit Insulinpumpen - ist die Therapie der Wahl bei Typ-1-Diabetes.

Eine kaloriengerechte Ernährungstherapie soll zudem verhindern, dass die Patienten übergewichtig werden. Fettsüchtige Typ-1-Diabetiker haben nämlich eine besonders schlechte Prognose.

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