Diabetes mellitus

Selbst zu messen heißt, sich selbst zu motivieren

Veröffentlicht: 14.11.2008, 05:00 Uhr

Was für Insulin-behandelte Diabetiker selbstverständlich ist, hilft auch allen anderen Diabetikern: die Selbstmessung der Blutglukose. Schwächen und Defizite im täglichen Lebensstil werden offenbar. Noch wichtiger ist der Motivationsfaktor, wenn sich bei Typ-2-Diabetikern rasch der Effekt von Lebensstil-Änderungen zeigt. Davon ist Professor Stephan Martin vom Westdeutschen Diabetes und Gesundheitszentrum in Düsseldorf überzeugt.

Der Diabetologe hatte zunächst in der epidemiologischen ROSSO-Studie nachgewiesen, dass Typ-2-Diabetiker, die regelmäßig selbst ihren Blutzucker kontrollieren, weniger oft Diabetes-Komplikationen haben als Patienten, die das nicht tun. Und: Sie leben länger. Jetzt liegen die ersten Ergebnisse der ROSSO-Praxisstudie vor. Sie bestätigen, dass regelmäßige Selbstmessung Lebensstil und wichtige Prognoseparameter positiv beeinflusst.

Was die Blutzucker-Selbstmessung in Deutschland angeht, ist die Situation aber nicht ideal. Wie eine aktuelle Umfrage unter fast 1000 Diabetikern belegt hat, hatte ein Drittel noch nie an einer Diabetes-Schulung teilgenommen. Ein Drittel wählt zur Messung die besonders schmerzempfindliche Mitte der Fingerkuppe, statt den weniger schmerzempfindlichen Seitenbereich. Die Lanzetten zur Blutgewinnung werden durchschnittlich achtmal benutzt. Denn viele wissen offenbar nicht, dass die Lanzetten bei mehrfacher Anwendung abstumpfen. Voraussetzung für den Nutzen der Blutzucker-Selbstmessung ist eine Schulung. Zum Erfolg gehört auch der richtige Umgang mit den Messstreifen. Denn das sind empfindliche Hightech-Produkte.

Die Blutzucker-Selbstmessung ist auch für Typ-2-Diabetiker, die kein Insulin spritzen, eine Kassenleistung. Aber obwohl die Messstreifen Hilfsmittel sind, werden sie den Arzneimitteln zugeordnet. Deshalb fallen sie unter die Arzneimittelrichtlinien. Regional gibt es unterschiedliche Auffassungen darüber, ob und wie viele Teststreifen für Typ-2-Diabetiker ohne Insulintherapie wirtschaftlich sind. Vor diesem Hintergrund hat der Bundesausschuss das IQWiG mit einer Evaluation der Urin- und Blutzucker-Selbstmessung beauftragt. Der Berichtsplan dazu wurde kürzlich veröffentlicht. (Rö)

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