Mausmodell

Signalstoff CCL17 beeinflusst Funktion des Gehirns

Veröffentlicht:

BONN. Der Signalstoff CCL17 beeinflusst nicht nur das Immunsystem, sondern auch die Signalübertragung im Gehirn. Möglicherweise gibt es sogar eine molekulare Verbindung zum Autismus. Das hat die Arbeitsgruppe um Professor Irmgard Förster vom LIMES-Institut der Universität Bonn jetzt herausgefunden (GLIA 2018; online 12. September).

Welche Zellen im Gehirn produzieren CCL17? Um dies zu klären, koppelten die Forscher im Mausmodell durch eine genetische Veränderung die Freisetzung von CCL17 mit der Produktion eines fluoreszierenden Farbstoffs, der alle Zellen aufleuchten lies, die das Chemokin herstellten.

Zudem kurbelten sie die CCL17-Produktion an, indem sie dem Immunsystem mit einer Substanz aus Bakterienhüllen einen Infekt vortäuschten, teilt die Uni Bonn mit. Unter dem Mikroskop waren dann die Produktionsstätten des Chemokins im Gehirn gut erkennbar. Das CCL17 werde hauptsächlich in den Nervenzellen des Hippocampus gebildet.

Die einem Seepferdchen ähnliche Struktur liegt gleich doppelt – rechts und links im Gehirn – vor und erfüllt bei Aufgaben wie Orientierung und Gedächtnisbildung eine wichtige Funktion.

Als nächsten Schritt blockierten die Wissenschaftler das Gen für die CCL17-Produktion und beobachteten die Wirkung. Ohne das wichtige Chemokin waren in diesen "Knockout"-Mäusen die Mikrogliazellen deutlich kleiner und lagen nur in der halben Anzahl wie bei unbehandelten Tieren vor. Mikrogliazellen sind schon seit langer Zeit als Immunzellen des Gehirns bekannt und sorgen dort als "Gesundheitswächter" für die Entsorgung von Zelltrümmern und Infektionserregern.

Inzwischen hat sich aber erwiesen, dass diese "Fresszellen" die Nervenzellen auch unabhängig davon bei ihrer Arbeit unterstützen. Um die Wirkung von CCL17 auf die Funktion von Nervenzellen zu untersuchen, überprüften Wissenschaftler im Labor des Instituts für Zelluläre Neurowissenschaften am Uniklinikum Bonn bei Professor Christian Henneberger die Signalübertragung im Gehirn der Tiere. Die Experimente deuten auf eine Dämpfung der Signalübertragung durch CCL17 im Gehirn hin.

Da Autismus beim Menschen ebenfalls mit erhöhten Spiegeln von CCL17 im Blut einhergeht, könnte CCL17 auch bei dieser Entwicklungsstörung eine Rolle spielen – zum Beispiel durch einen Infekt oder eine allergische Reaktion im frühen Kindesalter als Auslöser. (eb)

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren
Was die MS-Behandlung auszeichnet

© Suphansa Subruayying | iStock

Lebensqualität

Was die MS-Behandlung auszeichnet

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Unsichtbare MS-Symptome im Fokus

© AscentXmedia | iStock

Lebensqualität

Unsichtbare MS-Symptome im Fokus

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Kommentare
* Hinweis zu unseren Content-Partnern
Dieser Content Hub enthält Informationen des Unternehmens über eigene Produkte und Leistungen. Die Inhalte werden verantwortlich von den Unternehmen eingestellt und geben deren Meinung über die Eigenschaften der erläuterten Produkte und Services wieder. Für den Inhalt übernehmen die jeweiligen Unternehmen die vollständige Verantwortung.
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Wirksamkeit in der klinischen Praxis von Brivaracetam über 12 Monate (alle Formen fokaler Anfälle)d

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [3]

Zusatzbehandlung fokaler Epilepsien

Effektivere Anfallskontrolle in der Kombinationstherapie

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: UCB Pharma GmbH, Monheim
Abb. 1: Rückgang der generalisierten tonisch-klonischen Anfälle unter Cannabidiol + Clobazam

© Springer Medizin Verlag , modifiziert nach [1]

Real-World-Daten aus Deutschland zum Lennox-Gastaut- und Dravet-Syndrom

Cannabidiol in der klinischen Praxis: vergleichbare Wirksamkeit bei Kindern und Erwachsenen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Jazz Pharmaceuticals Germany GmbH, München
7-Jahres-Daten belegen günstiges Nutzen-Risiko-Profil von Ofatumumab

© Vink Fan / stock.adobe.com

Aktive schubförmige Multiple Sklerose

7-Jahres-Daten belegen günstiges Nutzen-Risiko-Profil von Ofatumumab

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Novartis Pharma GmbH, Nürnberg
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Lesetipps
Eine Frau streckt ihre Zunge heraus, man sieht ihre Zähne oben.

© vladimirfloyd / stock.adobe.com

Halitosis

Was hinter Mundgeruch stecken kann