Ebola-Epidemie

So wurde Ebola in Nigeria gestoppt

Am 20. Oktober 2014 hat die Weltgesundheitsorganisation WHO das afrikanische Land Nigeria offiziell für Ebola-frei erklärt. Was in der Flut der Seuchenmeldungen beinahe unterging, ist einer effektiven Krisenintervention zu verdanken.

Von Angela Speth Veröffentlicht:
Ein effektives Krisenmanagement hat dazu beigetragen, die Ebola-Epidemie in Nigeria rasch einzudämmen.

Ein effektives Krisenmanagement hat dazu beigetragen, die Ebola-Epidemie in Nigeria rasch einzudämmen.

© dpa

WIEN. Die 21-Millionen-Metropole Lagos mit ihren Slums scheint wie geschaffen als Nährboden für die Ausbreitung von Seuchen wie Ebola. Als im Sommer ein Fluggast mit Ebola-Verdacht einreiste, herrschte daher Alarmstufe rot.

Wie es mit vereinten Kräften gelang, einen größeren Ausbruch zu verhindern, schilderte Professor Oyewale Tomori, Präsident der Nigerian Academy of Science, auf einer Internationalen Konferenz in Wien, Titel: "Übertragung, Prävention und Dokumentation neu auftretender Infektionskrankheiten".

Am 20. Juli landet ein Ebola-Patient in Nigerias Hauptstadt

Auf den Tag genau drei Monate vor der Erfolgsmeldung, am 20 Juli 2014, war ein akut erkrankter Patient auf dem internationalen Flughafen von Nigerias Hauptstadt Lagos gelandet.

Am 17. Juli hatte er sich noch mit Fieber und typischen Symptomen in einer Klinik für Ebola-Verdachtsfälle in Liberias Hauptstadt Monrovia aufgehalten, sie aber entgegen ärztlichem Rat verlassen und war über Ghana und Togo nach Lagos geflogen.

Mit akutem Fieber, Durchfall und Erbrechen wurde er dort in ein Privatkrankenhaus aufgenommen und zunächst auf Malaria behandelt. Als diese Behandlung fehlschlug, kam durch eine Reiseanamnese der Ebola-Verdacht auf. Er wurde isoliert, Blutproben wurden an die Uniklinik geschickt, wo sich die Diagnose Ebola bestätigte.

Bei Recherchen stellt sich heraus, dass dieser Index-Patient mit 72 Personen am Flughafen und im Krankenhaus in Kontakt gekommen war. Nach Rücksprache mit dem Nigerianischen Zentrum für Krankheitsbekämpfung (Nigeria Center for Disease Control, NCDC) rief das Bundesministerium für Gesundheit einen Ebola-Notfall aus.

Staat reagiert schnell

Die Metropole Lagos ist eine Drehscheibe für Wirtschaft, Industrie und und Reiseverkehr und damit ein Umfeld, in dem sich übertragbare Krankheiten sehr leicht ausbreiten können. Daher war ein rasches Eingreifen unter Einbindung aller verfügbaren öffentlichen Gesundheitsressourcen höchste Priorität. "Der Fall stellte für Nigeria eine enorme Bedrohung dar", so Tomori.

Bereits am 23. Juli installierte das nigerianische Bundesministerium für Gesundheit gemeinsam mit der Regierung des Bundesstaates Lagos und internationalen Partnern ein Ebola-Kriseninterventionszentrum als Vorläufer des aktuell bestehenden Katastrophenschutzzentrums (Emergency Operations Center, EOC).

Der Index-Patient starb am 25. Juli. In Folge traten 20 weitere Ebola-Infektionen in Nigeria auf. Alle konnten zum Indexpatienten zurückgeführt werden. Knapp 900 identifizierte Kontaktpersonen standen in diesem Zeitraum unter Beobachtung.

Acht Patienten starben - sieben mit bestätigter, einer mit wahrscheinlicher Ebola-Erkrankung. Am 20. Oktober erklärte die WHO Nigerai offiziell für Ebola-frei.

Die rasche Bekämpfung des Ausbruchs ist in hohem Maß dem frühzeitig eingerichteten EOC zu verdanken, das mit einem Incident Management Sytem IMS die Koordination der Maßnahmen sowie konsolidierte Entscheidungen ermöglichte.

Bewährte Strukturen. Ein Incident Manager wurde ernannt, dem die Organisationen und Arbeitsteams Bericht erstatten mussten.  Im Gegenzug war dieser für die Bereitstellung nachvollziehbarer und transparenter Ergebnisse an das NCDC sowie das Bundesminsterium für Gesundheit verantwortlich.

Sterblichkeitsrate lag bei 40 Prozent

899 Kontaktpersonen wurden identifiziert, 20 erkrankten, acht starben. Dier Sterblichkeitsrate betrug somit 40 Prozent.

1289 Mitarbeiter in Lagos und Port HarcourtEOC waren beteiligt, den Ausbruch zu stoppen, davon waren mehr als 300 für die Identifizierung und Überwachung von Kontaktpersonen verantwortlich, mehr als 500 für die soziale Mobilisation und Kommunikation, mehr als 300 für Grenzposten, mehr als 100 in der klinischen Versorgung, mehr als 20 als Labormitarbeiter und mehr als 20 im Management.

Keiner aus dem medizinischen Personal, das Patienten betreute, wurde infiziert.

Der nigerianischen Regierung und den WHO-Vertretern vor Ort ist bewusst, dass die Gefahr dennoch nicht gebannt ist, so dass das Überwachungssystem auf hoher Alarmbereitschaft bestehen bleibt.

Das könnte Sie auch interessieren
DMykG 2025: So dringt Bifonazol effektiv in die Nagelplatte ein

© Matt LaVigne | iStock

Neue in-vitro-Daten

DMykG 2025: So dringt Bifonazol effektiv in die Nagelplatte ein

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Bifonazol: Antimykotikum mit antientzündlicher Wirkung

© Irina Esau | Getty Images/iStockphoto

Fokus: Integrität der Haut

Bifonazol: Antimykotikum mit antientzündlicher Wirkung

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Die Bedeutung von Bifonazol in der Therapie der Tinea capitis

© Prof. Dr. med. Hans-Jürgen Tietz

Pilzinfektion Kopfhaut

Die Bedeutung von Bifonazol in der Therapie der Tinea capitis

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Für Menschen ab 60 Jahren sind die Impfungen gegen Influenza, Corona, Pneumokokken und Herpes zoster (beide nicht im Bild) Standard-Impfungen. Für Menschen ab 75 Jahren kommt die RSV-Impfung hinzu.

© angellodeco / stock.adobe.com

Respiratorisches Synzytial Virus

STIKO: Alle Menschen ab 75 gegen RSV impfen!

Blickdiagnose: klinisches Bild mit typischen Effloreszenzen bei Herpes zoster.

© Mumemories / Getty Images / iStock

Zoster-Impfung

Schutz vor Herpes zoster und Rezidiven

Kommentare
* Hinweis zu unseren Content-Partnern
Dieser Content Hub enthält Informationen des Unternehmens über eigene Produkte und Leistungen. Die Inhalte werden verantwortlich von den Unternehmen eingestellt und geben deren Meinung über die Eigenschaften der erläuterten Produkte und Services wieder. Für den Inhalt übernehmen die jeweiligen Unternehmen die vollständige Verantwortung.
Sonderberichte zum Thema
Ein Medikament unter vielen, das wenigen hilft? 2400 Wirkstoff-Kandidaten in der EU haben den Orphan-Drug-Status.

© artisteer / Getty Images / iStock

Wirkstoff-Kandidaten mit Orphan-Drug-Status

Orphan Drugs – Risiken für ein Modell

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Verband forschender Pharma-Unternehmen (vfa)
Ein junges Mädchen wird geimpft – gegen HPV? (Symbolbild mit Fotomodellen)

© milanmarkovic78 / stock.adobe.com

Vision Zero Onkologie

Die Elimination des Zervixkarzinoms

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Vision Zero e.V.
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Keine Modeerscheinung

ADHS im Erwachsenenalter: Das gilt für Diagnostik und Therapie

Lesetipps
Endoskopische Auffälligkeiten bei der Colitis ulcerosa

© Gastrolab / Science Photo Library

Interview

Das ist neu in der S3-Leitlinie Colitis ulcerosa

 Shabnam Fahimi-Weber

© Jochen Tack

Einsatz im Kriegsgebiet

Essener HNO-Ärztin hilft Menschen im Iran via Telemedizin