Spurensuche im Fall Benaissa: War es wirklich ihr HI-Virus?

Ein medizinisches Gutachten soll am Mittwoch Aufschluss darüber geben, ob das HI-Virus, mit dem einer der Sexualpartner der Sängerin Nadja Benaissa infiziert ist, tatsächlich von der jungen Frau stammt.

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Sängerin Nadja Benaissa und ihr Rechtsanwalt Oliver Wallasch.

Sängerin Nadja Benaissa und ihr Rechtsanwalt Oliver Wallasch.

© dpa

DARMSTADT (gvg). Nadja Benaissa, Sängerin der Girl-Group "No Angels", steht vor Gericht, weil sie ungeschützten Sex hatte, ohne den Partner über ihre HIV-Infektion zu informieren. Kurz vor Abschluss des Verfahrens wird am Mittwoch das medizinische Gutachten vorgelegt.

In dem Prozess geht es um ungeschützte Intimkontakte mit insgesamt vier Partnern in den Jahren 2000 bis 2004. Einer von ihnen behauptet, sich dadurch im Jahr 2000 mit HIV infiziert zu haben. Hier lautet die Anklage auf gefährliche Körperverletzung. Bis zu 20 derartige Verfahren gibt es nach Angaben der Deutschen AIDS-Hilfe jährlich.

Die Sängerin hat die ungeschützten Kontakte im Prinzip gestanden. Das heißt freilich nicht zwangsläufig, dass das Virus beim Kläger auch tatsächlich von Benaissa stammt. Das für heute erwartete Gutachten wird sich mit der Frage beschäftigen, wie wahrscheinlich es ist, dass sie auch wirklich die Überträgerin war.

Professor Jürgen Rockstroh, HIV-Experte von der Uni Bonn, wies im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung" auf die Schwierigkeiten hin, mit denen derartige Gutachten behaftet sind: "Wenn heute eine HIV-Infektion stattfindet, dann kann ich kurz danach anhand der molekularvirologischen Untersuchungen mit sehr großer Wahrscheinlichkeit sagen, wer der Überträger war", so Rockstroh.

Schwieriger wird es, wenn die Infektion - wie bei Nadja Benaissa - länger zurückliegt. Denn die HIViren verändern sich beim Infizierten und dem vermeintlichen Überträger unabhängig voneinander. Irgendwann sind sie so verschieden, dass eine Zuordnung unmöglich wird.

Doch die Mutationsdynamik der Viren sei von Infiziertem zu Infiziertem unterschiedlich, betonte Rockstroh. Bei einigen wenigen Infizierten verändere sich das Virus nur sehr langsam. Es ist demnach zumindest im Prinzip denkbar, dass eine Zuordnung von HIV-Überträger zu Empfänger auch nach zehn Jahren noch mit angemessen hoher Wahrscheinlichkeit gelingt.

Die deutsche HIV-Therapeuten-Szene hält sich jedenfalls mit Prognosen zum Ergebnis des Gutachtens zurück: "Ich würde das gerne erst kommentieren, wenn ich es gelesen habe", sagte der Sprecher des Kompetenznetzes HIV/AIDS, Professor Norbert Brockmeyer von der Ruhr-Universität Bochum.

Lesen Sie dazu auch: Gutachter: Benaissa hat Sex-Partner angesteckt

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