Standpunkt

Stenten, um nicht zu stenten?

Die Ergebnisse der FAME-II-Studie werden als bahnbrechend gefeiert. Doch diese Einschätzung dürfte nicht bei allen Experten auf Zustimmung stoßen, meint Peter Overbeck. Denn ein gefeiertes Studienergebnis scheint unlogisch.

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Peter Overbeck ist stellv. Ressortleiter im Ressort Medizin. Schreiben Sie ihm: peter.overbeck@ springer.com

Ist die FAME-II-Studie wirklich die "bahnbrechende" Studie, als die sie in einer Pressemitteilung anlässlich ihrer Präsentation gefeiert wird?

Hat sie wirklich den "wahren Wert" der perkutanen Koronarintervention (PCI) bei stabiler KHK offenbart, indem sie einen "überwältigenden" Unterschied im primären Studienendpunkt aufgezeigt hat?

Nicht bei allen Experten dürfte diese vollmundig bekundete Einschätzung auf Zustimmung stoßen. Unbestritten ist, dass Koronarangioplastie und Stent-Implantation Symptome, Belastbarkeit und Lebensqualität von KHK-Patienten verbessern können.

Faktum ist aber ebenso: Auch FAME-II liefert nicht den Beweis, dass die PCI bei stabiler KHK Todesfälle und Herzinfarkte verhindert.

Die Patientenrekrutierung ist wegen eines Unterschieds im "weichsten" der drei primären kombinierten Studienendpunkte vorzeitig gestoppt worden. Viele Experten sind darüber enttäuscht, wenn nicht gar erzürnt. Denn damit sehen sie die Chance vertan, mehr über den möglichen Effekt der PCI auf "harte Endpunkte" in Erfahrung zu bringen.

Was an Nutzen bleibt, ist eine Reduktion ungeplanter Klinikeinweisungen wegen "dringlicher" Revaskularisationen. Doch wie dringlich waren diese Einweisungen? Das ist die entscheidende Frage. Ging es dabei um Leben und Tod der Patienten oder zumindest um die Verhinderung eines Herzinfarkts? Anscheinend nicht.

Zu bedenken ist: In der Gruppe mit alleiniger Medikation war Ärzten und Patienten bewusst, dass Koronarstenosen bestanden, die nicht per PCI angegangen wurden. Möglicherweise haben deswegen bestehende Sorgen als Triebkraft für die in dieser Gruppe beobachtete Zunahme von Klinikeinweisungen zur Revaskularisation gewirkt.

Prävention dient, simpel gesagt, dazu, Schlimmeres zu verhüten. Wenn aber das zu Verhindernde weitgehend dem gleicht, womit es verhindert wird, macht die Rechnung keinen Sinn. Sie lautet dann nämlich: Ich implantiere Stents, um Stent-Implantationen zu verhindern. Das klingt nicht gerade logisch.

Lesen Sie dazu auch: Nützt Kathetertherapie bei stabiler KHK?

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