Strahlen gegen Streckhemmung der Finger

Eine Radiatio kann einen Morbus Dupuytren stabilisieren, ja sogar bessern.

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Bei M. Dupuytren bilden sich Bindegewebsstränge, die einzelne Sehnen ummanteln.

Bei M. Dupuytren bilden sich Bindegewebsstränge, die einzelne Sehnen ummanteln.

© Science Photo Library / Agentur Focus

BERLIN (eb). In Deutschland haben etwa 1,9 Millionen Menschen einen Morbus Dupuytren. Bislang besteht die Behandlung in einer Operation, die jedoch erst im fortgeschrittenen Stadium sinnvoll ist. Eine Alternative ist eine Strahlentherapie. Sie kann die Erkrankung häufig in einem frühen Stadium stoppen und hat sich als langfristig sicher erwiesen. Darauf weist die Deutsche Gesellschaft für Radioonkologie (DEGRO) aus Anlass einer aktuellen Studie hin.

Am Anfang des M. Dupuytren stehen bekanntlich knotige Veränderungen in der Handinnenfläche. Später bilden sich feste Bindegewebsstränge, die einzelne Sehnen ummanteln. Die Streckung der Finger wird so immer mehr eingeschränkt. Durch eine Operation können die Finger ihre Beweglichkeit zwar zurückerlangen, die Krankheit wird jedoch nicht geheilt. Wie bei jeder Operation bleiben zudem Narben zurück, die die Beweglichkeit der Hand behindern können. Viele Handchirurgen raten deshalb erst in einem späten Stadium zur Operation, erläutert DEGRO-Präsidentin Professor Rita Engenhart-Cabillic, Direktorin der Abteilung für Strahlentherapie am Universitätsklinikum Gießen und Marburg.

Bereits im frühen Stadium kann eine Strahlentherapie die Fibroblasten stoppen, die zur Bildung von Knoten und Strängen führen. Bei den meisten Patienten kommt es nach der Bestrahlung zu einem Stillstand, nicht selten sogar zu einer Besserung, erklärt Engenhart-Cabillic und verweist auf eine aktuelle Studie an der Universitätsklinik Erlangen. Dort wurden seit 1982 insgesamt 208 Hände von 135 Dupuytren-Patienten therapiert. Bei fast 87 Prozent der Patienten stabilisierte oder besserte sich die Krankheit. Dabei waren die Ergebnisse umso besser, je früher die Bestrahlung erfolgte (Strahlentherapie und Onkologie 2010; 186: 82).

Das Ärzteteam aus Erlangen belegte zudem, dass die Strahlentherapie auch langfristig sicher ist. Anhaltspunkte für schwere Spätschäden bis hin zum Hautkrebs ergab die Studie nicht. Unter den Patienten sei es nach einer mittleren Beobachtungszeit von 13 Jahren nie zu Narbenkrebs gekommen, sagte Engenhart-Cabillic. Nur bei zwei Prozent der Patienten kam es zu einer Strahlendermatitis, die jedoch nach spätestens einem Jahr abgeklungen war. Leichte Veränderungen der Haut und des Unterhautfettgewebes beobachteten die Ärzte bei einem Drittel der Hände. Bei 23 Prozent kam es zu einer vermehrten Hauttrockenheit, bei sieben Prozent zu einer Hautatrophie.

Eine spontane Heilung kommt nur selten vor

Diese leichten unerwünschten Wirkungen müssen jedoch vor dem Hintergrund einer Erkrankung gesehen werden, die unbehandelt die Funktion der Hand weitgehend einschränken kann, sagt Engenhart-Cabillic.

Dabei schließt eine Strahlentherapie eine spätere Operation nicht aus. Störungen der Wundheilung traten bei den in Erlangen behandelten Patienten nur selten auf. Am besten sind die Ergebnisse in den ersten beiden Jahren nach der Diagnose, wenn die Einschränkung der Fingerstreckung noch nicht ausgeprägt ist. Da es beim M. Dupuytren selten auch zu einer Selbstheilung kommt, sollte die Radiotherapie dann angewendet werden, wenn die Erkrankung fortschreitet.

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