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Anfassen erlaubt!

Straßenaktion bricht Barrieren für Psoriasis-Patienten

Hautärzte und ihre Patienten sind in München auf die Straße gegangen, um Vorbehalte gegen Psoriasis-Patienten aus dem Weg zu räumen. Passanten durften sie anfassen und staunten nicht schlecht.

Von Jana Kötter Veröffentlicht:
(Keine) Angst vor Berührung: Pantomime-Darsteller zeigen, welche Folgen Psoriasis mit sich bringen kann.

(Keine) Angst vor Berührung: Pantomime-Darsteller zeigen, welche Folgen Psoriasis mit sich bringen kann.

© Edelman.ergo GmbH

MÜNCHEN. Langsam nähern sich die blass geschminkten Männer an, schrecken plötzlich zurück. Sie halten sich die Hände vor das Gesicht, wollen bloß nicht gesehen werden: Die Pantomime-Darsteller in der Münchener Innenstadt zeigen auf eindrückliche Weise, wie unangenehm es Psoriasis-Patienten ist, von allen angesehen zu werden – und wie wichtig gleichzeitig Berührungen für sie sind.

Es ist genau dieses Spannungsfeld von Nähe und Distanz, unter dem viele Betroffene leiden. Und das die Aktion "Bitte berühren" nun mit einer Straßenaktion in den Fokus gerückt hat: Während Künstler verschiedene Berührungs-Situationen darstellen und Passanten involvieren, informieren Hautärzte des Berufsverbands der Deutschen Dermatologen (BVDD) am Rande über die Erkrankung.

Zurückweisung und Ablehnung

Etwa zwei Millionen Deutsche sind von der Psoriasis und ihren sozialen Folgen betroffen. Die chronisch entzündliche Hauterkrankung geht mit schmerzenden, schuppenden und stark juckenden Hautstellen einher.

Christian Micossi weiß, welch Unwohlsein das mit sich bringen kann. Der 44-Jährige beteiligt sich ebenfalls an der Aktion und spricht dabei offen über seine Krankheit: "Die Psoriasis ist bei mir kurz nach der Volljährigkeit ausgebrochen und wurde immer schlimmer. Ich hatte die Psoriasis sogar im Gesicht, was den Alltag, etwa auf der Arbeit, stark einschränkt."

Ekel spielt eine wichtige Rolle

Egal ob im Schwimmbad, beim Einkaufen oder zu Hause mit dem Partner und der Familie: Psoriasis-Betroffene erfahren aufgrund der starken Hautveränderungen oft Zurückweisung und Ablehnung von ihrem sozialen Umfeld. Dabei spielt nicht nur Ekel, sondern auch Unwissenheit eine Rolle: Nach wie vor ist der Mythos, Psoriasis sei eine ansteckende Krankheit, weit verbreitet.

Dass seelische Sorgen kein Einzelfall sind, weiß die BVDD-Dermatologin Dr. Hortensia Pfannenstiel: "Die Krankheit stellt für viele eine enorme Belastung dar: Die betroffenen Hautstellen schmerzen zum Teil so stark, dass Berührungen unangenehm sind. Anderseits sehnen sich die Betroffenen nach unbefangenem Körperkontakt."

Tatsächlich, so Pfannenstiel, hätten viele Betroffene sogar Angst vor einem Händedruck mit Fremden - weil sie fürchteten, dass ihr Gegenüber sich ekelt. Ziel der Straßenaktion, die Ende Juli anlässlich der 25. Fortbildungswoche für praktische Dermatologie und Venerologie stattgefunden hat, ist daher Aufklärung.

Gemeinsam Therapie finden

Betroffenen soll gleichzeitig Mut gemacht werden, sich ihrer Erkrankung zu stellen und mit einem Hautarzt über geeignete Therapien zu sprechen. "Viele Betroffene wissen noch nicht, dass sich heute gemeinsam mit dem Hautarzt selbst in schweren Fällen eine geeignete Therapie finden lässt", so Pfannenstiel.

Auch Christian Micossi ist seit zwei Jahren beschwerdefrei. Nach dem Besuch von sechs Ärzten und zahlreichen Therapien hat er gemeinsam mit seiner Hautärztin eine Therapiemöglichkeit gefunden, die ihm hilft.

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