Strategie mit "Rezept auf Vorrat" reduziert Antibiotika-Verbrauch

BERLIN (gvg). Ärzte greifen bei unkomplizierten Infektionen weiterhin zu rasch zu einem Antibiotikum, oder sie lassen sich von ihren Patienten dazu drängen. Infektionsmediziner empfehlen, es bei kooperativen Patienten mit einem Rezept zu versuchen, das nicht sofort eingelöst wird.

Veröffentlicht:

Im ambulanten Bereich sei in Deutschland mittlerweile von einer Rate von acht bis zehn Prozent Penicillin-resistenten Pneumokokken auszugehen, sagte Professor Hartmut Lode vom Helios Klinikum Emil von Behring.

Aus Anlaß der Vorstellung der Argus-Stiftung, die den verantwortungsbewußten Umgang mit Antibiotika durch Kampagnen, Preise und Fortbildungsaktivitäten fördern will, warnte der Berliner Antibiotika-Experte seine Kollegen erneut vor dem zu raschen Griff zum Antibiotikum.

So werde ein geschätztes Fünftel der Breitband-Antibiotika bei primär viralen Infektionen verschrieben, so Lode in Berlin. Gerade Pädiatern falle der Griff zum Antibiotikum oft zu leicht, wie der Kinderarzt Professor Stefan Zielen aus Frankfurt am Main sagte. Nicht nur der Pseudokrupp und die akute Bronchitis, auch die Nasennebenhöhlenentzündung seien in den meisten Fällen viral, und es müsse nicht antibiotisch therapiert werden.

Nur bei schwerer Symptomatik, bei Empyementwicklung oder bei einem Druckgefühl als Hinweis für ein Empyem plädiert Zielen für die Anwendung eines Antibiotikums. Häufig fühlen sich Ärzte im Alltag vom Patienten oder - bei Kindern - von den Eltern dazu gedrängt, ein Antibiotikum zu verordnen, auch wenn sie nicht davon überzeugt sind, daß es nötig ist.

In einer solchen Situation empfehlen Lode und Zielen bei kooperativen Patienten, die sich und ihren Körper einschätzen können, aber auch bei chronisch kranken Patienten, die häufig Infektionen bekommen, die Strategie eines Antibiotikarezepts auf Vorrat.

Der Arzt stellt dabei ein Rezept für ein Antibiotikum aus und gibt es dem Patienten mit. Gleichzeitig sagt er ihm aber, er solle es erst nehmen, wenn die Beschwerden schlimmer werden oder zumindest innerhalb von einigen Tagen nicht besser.

Untersuchungen hätten ergeben, daß sich die Heilungsrate bei ambulanten Infektionen durch dieses Vorgehen nicht verändere, obwohl etwa 40 Prozent dieser Rezepte von den Patienten nicht eingelöst würden, so Lode. Der Antibiotikaverbrauch wird dadurch in jedem Fall reduziert. Die Gefahr einer Resistenzentwicklung sinkt.

Weitere Informationen im Internet unter: http://www.argus-stiftung.de, Broschüren, Praxisposter und anderes Informationsmaterial zu einer Patienten-Aufklärungskampagne der Stiftung zum verantwortungsbewußten Umgang mit Antibiotika gibt es beim Außendienst des Unternehmens Pfizer, das die Kampagne unterstützt.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren
Welche Rolle spielt Zink?

© Tondone | AdobeStock

Immunsystem unterstützen:

Welche Rolle spielt Zink?

Anzeige | Wörwag Pharma GmbH & Co. KG
Impf- und Zinkstatus im Blick

© Wörwag Pharma | KI-generiert

Bei Risikogruppen:

Impf- und Zinkstatus im Blick

Anzeige | Wörwag Pharma GmbH & Co. KG
Wann die Zinkversorgung knapp werden könnte

© artemidovna | AdobeStock

Ernährungsfallen:

Wann die Zinkversorgung knapp werden könnte

Anzeige | Wörwag Pharma GmbH & Co. KG
Praxisfall im Podcast: Atemwegsinfekt

© Bionorica SE

Phytoneering-Akademie

Praxisfall im Podcast: Atemwegsinfekt

Anzeige | Bionorica SE
Antibiotika – Fluch und Segen

© Bionorica SE

Podcast

Antibiotika – Fluch und Segen

Anzeige | Bionorica SE
Brauchen wir noch Antibiotika?

© deepblue4you | iStock

Content Hub

Brauchen wir noch Antibiotika?

Anzeige | Bionorica SE
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Potenzielle Schäden durch eine Influenza-Infektion an verschiedenen Organsystemen

© Springer Medizin Verlag

Impfen und Herzgesundheit

Mehr als nur Grippeschutz: Warum die Influenza-Impfung bei Menschen mit kardiovaskulären Erkrankungen so wichtig ist

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Sanofi-Aventis Deutschland GmbH, Frankfurt a. M.
Abb. 1: Mittlere Veränderung des DAS28-CRP bis Woche 52 gegenüber Ausgangswert (primärer Wirksamkeitsendpunkt)

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [2]

Anti-TNF-Therapie

Erstes Golimumab-Biosimilar erweitert Therapiespielräume bei RA, PsA, axSpA und pJIA

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Advanz Pharma GmbH, München
Zielgerichtete Interleukin-23p19-Inhibition

© Oleh / stock.adobe.com

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen

Zielgerichtete Interleukin-23p19-Inhibition

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Lilly Deutschland GmbH, Bad Homburg v.d.H.
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Porträt

Wie eine Gynäkologin ihre Krebserkrankung in einem Comic verarbeitet

Herzinfarkt-Prävention

Diabetes: Grippeimpfung schützt das Herz!

Lesetipps
Maske

© Porträt: BVKJ | Spritze: Fiedels / stock.adobe.com

Sie fragen – Experten antworten

Mutter mit MS: Kind gegen MMR impfen?

Ein Mann zieht an einem riesigen Virus.

© freshidea / stock.adobe.com

Off-Label-Use möglich

Long-COVID-Therapie: So schätzt Hausarzt Maibaum den G-BA-Beschluss ein