Sucht im Alter - die neue stille Epidemie

Die Generation der Babyboomer kommt allmählich ins Alter - eine Herausforderung auch für die Suchtmedizin. Denn gerade in dieser Generation ist der Alkoholkonsum ohnehin erhöht. Experten sprechen längst von einer stille Suchtepidemie.

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Einsam und heimlich: Alkoholismus bei älteren Menschen.

Einsam und heimlich: Alkoholismus bei älteren Menschen.

© Stroheim / imago

MÜNCHEN (sto). Suchtbedingte Störungen bei älteren Menschen werden immer noch viel zu selten wahrgenommen, meint Professor Felix Tretter, Vorstand der Bayerischen Akademie für Sucht- und Gesundheitsfragen (BAS).

Die Sucht älterer Menschen finde meist hinter verschlossenen Türen und im Verborgenen statt, erklärte Tretter beim 11. Suchtforum, das von der Bayerischen Landesärztekammer (BLÄK), der Landesapothekerkammer (BLAK), der Landeskammer der Psychologischen Psychotherapeuten und der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten (PTK Bayern) und der BAS organisiert wurde.

Dabei handele es sich bei der Sucht keinesfalls um ein Problem von Randgruppen, erklärte Tretter.

In Deutschland rauchten mehr als zwei Millionen Ältere, schätzungsweise 400.000 seien von einem Alkoholproblem betroffen und bei über einer Million Menschen weise der Gebrauch psychoaktiver Medikamente zumindest Gewohnheitscharakter auf.

Die Zahl der Betroffenen werde weiter steigen, sagte Tretter. Ein Teil dieser Menschen seien ältere Suchtkranke, ein anderer Teil süchtige Ältere.

Für ältere Suchtkranke, beispielsweise für über 60-jährige Heroinabhängige, seien spezielle Versorgungsstrukturen erforderlich, wie betreutes Wohnen, Wohngemeinschaften oder auch Altenheime, in denen auch die Substitutionsbehandlung erfolgen kann.

Ein Problem im Alter: Vereinsamung

Das Thema Sucht im Alter werde angesichts der demografischen Entwicklung in Zukunft weiter an Bedeutung gewinnen, betonte auch die Vizepräsidentin der Ärztekammer, Dr. Heidemarie Lux.

Das Ausscheiden aus dem Berufsleben, Todesfälle im Bekannten- und Freundeskreis, das eigene Altern oder der Umzug in ein Altersheim seien Veränderungen, die einen Menschen im Alter aus der Bahn werfen können, erläuterte Lux.

Hinzu komme, dass sich der im Durchschnitt höhere Alkoholkonsum in der Generation der Baby-Boomer im Alter fortsetzen werde, berichtete Professor Siegfried Weyerer vom Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim.

Angesichts dieses Kohorteneffektes spreche die Wissenschaft bereits von der Alkoholdemenz als der "stillen Epidemie des 21. Jahrhunderts".

Suchtverhalten im Alter zu diagnostizieren sei schwieriger, weil die Älteren im Alltag weniger auffällig sind, erklärte Weyerer.

Ein Grund hierfür sei die Vereinsamung Älterer, die zudem deutlich weniger professionelle Hilfe in Anspruch nehmen. Andererseits sei Alkohol die wichtigste Ursache für Stürze, mehr noch als Psychopharmaka.

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