Pinkeln statt Piksen

Taugt die Urinprobe zur Krebsdiagnostik?

Eine Spritze fürchten viele Patienten, doch die Blutabnahme muss für die Tumorfrüherkennung sein. Simple Urinproben könnten Alternativen sein. Doch es gibt Unterschiede zwischen den Geschlechtern.

Von Alexander JoppichAlexander Joppich Veröffentlicht:
Das CAU-Forschungsteam möchte zur Krebsdiagnose künftig Urin statt Blut verwenden.

Das CAU-Forschungsteam möchte zur Krebsdiagnose künftig Urin statt Blut verwenden.

© Christian Urban, Uni Kiel

KIEL. Forscher der Christian-Albrechts-Universität in Kiel wollen Urintests zur Krebsdiagnostik einsetzen: Sie arbeiten daran, aus Urin genug zellfreie DNA (cell-free DNA, cfDNA) zu extrahieren, um Krebs zu identifizieren. Erste Ergebnisse haben die Kieler, gemeinsam mit litauischen Kollegen, im Fachmagazin "BioTechniques" veröffentlicht (10.2144/btn-2018-0003).

Zellfreie DNA entsteht, wenn Zellen absterben oder bei der genetischen Segregation. Auch Tumoren bilden jene DNA-Bruchstücke außerhalb von Körperzellen, wenn Krebszellen absterben. Die Gen-Teile strömen dann in verschiedenen Körperflüssigkeiten wie Blut oder Urin.

Mehrfache Menge nötig

Das Problem: Im Blutplasma ist deutlich mehr zellfreie DNA vorhanden als im Urin. Den Forschern ist es nun gelungen, aus 60 Millilitern Urin – etwa einem halben Urinbecher – so viel zellfreie DNA zu sammeln wie bei einer 10 ml- Blutprobe. Sie testeten zwei auf dem Markt verfügbare cfDNA-Kits in einer kleinen Studie an acht gesunden Probanden (50% Frauen).

Die Ausbeute an cfDNA war bei Frauen höher als bei Männern, stellten die Wissenschaftler fest. Auch sei die cfDNA-Menge individuell sehr verschieden. Darüber hinaus erhielten sie mittels des PerkinElmer-Testkits mehr zellfreie DNA als mit dem Testverfahren von Norgen Biotek, schreiben die Autoren in der Studie.

Zwei Kits im Vergleich

Die Kieler schließen daraus, dass das PerkinElmer-Kit effizienter im Sammeln von kurzen DNA-Abschnitten ist. Der Preis des erfolgreicheren Kits war laut den Forschern auch deutlich niedriger, der Test benötigte nur die Hälfte der Analysezeit und weniger zu testenden Urin.

Bei den Urintests schielen die Forscher auf eine einfachere Anwendbarkeit im Vergleich zu Bluttests: Statt eines unangenehmen Piks müsse der Patient nur eine Urinprobe abgeben. Auch ist für die Probe kein medizinisches Personal notwendig, was den Test günstiger macht. Zudem ist die Analyse wohl auch schneller.

Vergleich steht aus

In einem nächsten Schritt wollen die Forscher nun testen, ob die Krebsdiagnostik durch Urinproben genauso effektiv funktioniert wie die durch Blutproben. "Dazu werden wir anhand der vorliegenden Proben der Studienteilnehmer die genetischen Spuren eines Tumors im Blutplasma und Urin vergleichen und schauen, ob auf beiden Wegen ein Nachweis der Erkrankung möglich ist", sagt Michael Forster von der Kieler Universität in einer Mitteilung. Ein marktreifer klinischer Test liege allerdings noch in ferner Zukunft.

Mehr zum Thema

„Vision Zero“

Die Offensive gegen den König aller Krankheiten

Kooperation | In Kooperation mit: medizinischen Fachgesellschaften und in der Onkologie aktiven Pharmaunternehmen

Berufskrankheiten

Uran-Abbau: Krebs durch Radon im Blick

Innovationen

Grünes Licht für neue Orphan Drugs

Das könnte Sie auch interessieren
Management tumorassoziierter VTE

CME-Fortbildung

Management tumorassoziierter VTE

Anzeige | Leo Pharma GmbH
CAT bei „3G“-Tumoren richtig managen

Empfehlungen

CAT bei „3G“-Tumoren richtig managen

Anzeige | Leo Pharma GmbH
Die Ära der Immunonkologie: bessere Chancen für Krebspatienten

Immunonkologie mit dem Schwerpunkt Biomarker

Die Ära der Immunonkologie: bessere Chancen für Krebspatienten

Anzeige | Bristol-Myers Squibb GmbH & Co. KGaA
Prädiktion in der Immunonkologie mit Biomarkern

Immunonkologie mit dem Schwerpunkt Biomarker

Prädiktion in der Immunonkologie mit Biomarkern

Anzeige | Bristol-Myers Squibb GmbH & Co. KGaA
OH-Ton – Trifft den Ton in der Onkologie & Hämatologie

CAR-T-Zelltherapie

OH-Ton – Trifft den Ton in der Onkologie & Hämatologie

Anzeige | Bristol-Myers Squibb GmbH & Co. KGaA
Kommentare

Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Nachmittags: das schnelle Telegramm. Am Morgen: Ihr individuell zusammengestellter Themenmix.

Newsletter bestellen »

Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte, Medizinstudenten, MFA und weitere Personengruppen viele Vorteile.

Die Anmeldung ist mit wenigen Klicks erledigt.

Jetzt anmelden / registrieren »

Top-Meldungen
Eine Dame, die auf einen Bildschirm schaut und vor sich ein Smartphone in einer Halterung hat, wischt sich eine Träne von der Wange. Online-Therapie: Als Add-on-Therapie und zur Überbrückung der Wartezeit auf einen Therapieplatz hat sie ihren Stellenwert.

Deutscher Kongress für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie

Angststörungen: Online-Therapie in Leitlinie aufgenommen

Personen unterschiedlichen Geschlechts und verschiedenen Alters bei der Gymnastik mit Gymnastikbällen.  Prävention sollte künftig eine stärkere Rolle spielen, fordern Bürger und Gesundheitsexperten. Aus dem „Krankheitssystem“ solle ein „echtes Gesundheitssystem“ werden.

Robert Bosch Stiftung will Neustart

„Echtes Gesundheitssystem“ statt „Krankensystem“