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Telemedizin bietet Chancen für COPD-Kranke

Telemedizinische Betreuung könnte dazu beitragen, bei Patienten mit chronisch-obstruktiver Lungenkrankheit Klinikeinweisungen aufgrund akuter Exazerbationen zu verhindern. Erste Projekte hierzu sind bereits am Start.

Philipp Grätzel von GrätzVon Philipp Grätzel von Grätz Veröffentlicht:
Auch invasive und nicht-invasive Heimbeatmung von COPD-Patienten lässt sich telemedizinisch überwachen.

Auch invasive und nicht-invasive Heimbeatmung von COPD-Patienten lässt sich telemedizinisch überwachen.

© Sommer / imago

DRESDEN. Patienten mit chronisch-obstruktiver Lungenerkrankung könnten eine interessante neue Zielgruppe für die telemedizinische Heimbetreuung sein. In zwei Versorgungsprojekten soll das Thema jetzt systematisch angegangen werden.

Klinikeinweisungen aufgrund akuter Exazerbationen sind bei COPD-Patienten nicht selten. Häufig könnten die Einweisungen vermieden werden, wenn es gelänge, Verschlechterungen der klinischen Befunde rechtzeitig zu erkennen.

Hier setzt die telemedizinische Betreuung von COPD-Patienten an. Sie liefert zudem eine mögliche Antwort auf die zunehmend dünner werdende Facharztversorgung in einigen Regionen Deutschlands.

Projekt zu Heimbeatmung hat begonnen

In der Metropolregion Nürnberg läuft seit Kurzem ein auf vier Jahre angelegtes, vom Bundesforschungsministerium gefördertes Projekt, bei dem eine generische Infrastruktur für telemedizinische Leistungen aufgebaut werden soll - nicht nur, aber auch in der Pneumologie. Konkret geht es dabei um COPD-Patienten mit nicht-invasiver und auch invasiver Heimbeatmung.

"Im Bereich der invasiven Heimbeatmung streben wir eine Art telemedizinisches Zentrum an, das es einem Intensivpfleger ermöglicht, mehrere Patienten zuhause zu betreuen", sagte Dr. Stefan Baron von der Missionsärztlichen Klinik Würzburg beim 52. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) in Dresden.

Bei Patienten mit nichtinvasiver Heimbeatmung soll dagegen ein eher klassisches Telemedizinszenario umgesetzt werden, bei dem der Patient Vitalparameter selbst überträgt. In einem breiten, explorativen Ansatz wird dabei ein breites Spektrum an Parametern erfasst, unter anderem Daten des Beatmungsgeräts, Spirometrie, Körpergewicht, Blutgase und Aktivität des Patienten.

Das Projekt in Franken befindet sich noch ganz am Anfang. Eine Pilotinstallation startet in diesem Jahr.

Etwas weiter ist man an der Charité Berlin, wo derzeit die Patientenrekrutierung für eine monozentrische, randomisiert-kontrollierte Studie zur COPD-Telemedizin bei 220 Patienten in den GOLD-Stadien II bis IV läuft. Primärer Endpunkt sind Hospitalisierungen aufgrund von Exazerbationen der COPD.

Sekundär werden unter anderen Lebensqualität, Kosteneffektivität und Aktivität evaluiert. "Von technischer Seite übertragen wir täglich Lungenfunktionsparameter sowie einmal pro Woche einen Sechs-Minuten-Gehtest", betonte Nora Döhnert von der Charité. Der Patient übermittelt außerdem eine mittels Standardassessment erfasste Selbsteinschätzung.

In Berliner Studie werden Klimadaten erhoben

Ein ziemliches Alleinstellungsmerkmal des Berliner Projekts dürfte die Integration von Klimadaten sein, die in einigen Patientenwohnungen exemplarisch erfasst werden. Von diesem Teil der Studie erhofft man sich Erkenntnisse darüber, wie COPDPatienten bei Extremwetterlagen optimal betreut werden können. Denn gerade in Perioden starke Hitze und Kälte schnellt die Hospitalisierungsrate bei COPD-Patienten überproportional in die Höhe.

Ein Zielparameter für die COPD-Telemedizin in Berlin ist der aus BMI, Spirometrie, Dyspnoe-Symptomatik und Aktivität zusammengesetzte BODE-Index. "Das ist ein gut evaluierter Prädiktor für Mortalität und klinisches Outcome bei COPD", so Döhnert.

Die Wahl der Zielparameter sei für die Telemedizin das A und O, wie Professor Michael Pfeifer vom Klinikum Donaustauf betonte: "Wir müssen als Mediziner klar definieren, was wir mit all den erfassten Werten anfangen wollen, sonst haben solche Projekte keinen Erfolg."

Lernfähige Algorithmen sind notwendig

Professor Friedrich Köhler, der sich an der Charité Berlin um die kardiologische Telemedizin kümmert, warnte vor Versuchen einer Automatisierung der Medizin. Erfahrungen aus der Kardiologie zeigten, dass die Definition fester Grenzwerte für Vitalparameter wenig zielführend sei. "Was wir brauchen, sind lernfähige Algorithmen, die ein individuelles Patientenmanagement erlauben. Und um das zu erreichen, müssen viel Kraft und Geld in die Technik des telemedizinischen Zentrums gesteckt werden", so Köhler.

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