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Interview

Teva jetzt mit Onkologie

Der Name Teva wird bislang in erster Linie mit Generika assoziiert. Mittlerweile setzt das Unternehmen verstärkt auf Präparate aus der eigenen Forschung, vor allem auch in der Onkologie. So wurde vor sechs Monaten ein eigener Geschäftsbereich Onkologie gegründet, erläutert Dr. Udo Müller, Global Medical Director Oncology von Teva.

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Krebszelle: In der Behandlung von Krebserkrankungen wird die individualisierte "targeted therapy" immer wichtiger.

Krebszelle: In der Behandlung von Krebserkrankungen wird die individualisierte "targeted therapy" immer wichtiger.

© Michael Taylor/shutterstock.com

Ärzte Zeitung: Herr Dr. Müller, welche Schwerpunkte setzt Teva in der onkologischen Pipeline?

Dr. Udo Müller: Seit einigen Jahren engagiert sich Teva sehr stark in der Onkologie, wie auch der Zukauf des Unternehmens Cephalon unterstreicht. Ein eigener Geschäftsbereich Onkologie wurde offiziell vor einem halben Jahr gegründet.

Sein Schwerpunkt liegt in den USA, da Cephalon hier sehr aktiv ist. Aber auch in Europa ist Teva mittlerweile stark in der Onkologie engagiert. Bereits in den vergangenen Jahren hat Teva verschiedene Zytostatika als Generika vermarktet.

Durch die Übernahme von Cephalon ergänzt Myocet®, ein liposomales Doxorubicin in der Therapie des metastasierten Mammakarzinoms, das onkologische Portfolio. Anthracycline gehören bei der metastasierten Erkrankung zu den wichtigsten und wirksamsten Substanzen.

Ihr Problem ist jedoch ihre Kardiotoxizität, die dazu zwingt, bestimmte kumulative Maximaldosen nicht zu überschreiten. Für liposomales Doxorubicin, eben das Myocet® konnte im Vergleich zu freiem Doxorubicin eine geringere Kardiotoxizität belegt werden.

Deshalb sind die Möglichkeiten mit diesem Produkt im metastasierten Stadium weniger limitiert.

Im neuen Geschäftsbereich Onkologie sollen nun innovative Substanzen durch eigene Forschung entwickelt und auf den Markt gebracht werden. Wir konzentrieren uns einmal auf chemische Substanzen für die immer wichtiger werdende individualisierte "targeted therapy", zum anderen auf biologische Präparate.

Bei letzteren handelt es sich sowohl um Biosimilars, die nach Ablauf der Patentzeit bewährter Präparate entwickelt werden, als auch um Eigenentwicklungen biologischer Präparate bzw. um verbesserte Modifikationen bereits vorhandener Biologika.

Wir möchten anwenderfreundlichere Darreichungsformen für die Arzneimitteltherapie zur Verfügung stellen.

Ärzte Zeitung: In welchen Bereichen werden Biologika entwickelt: in erster Linie für die Supportivtherapie oder auch für die eigentliche antitumorale Therapie?

Müller: In beiden Bereichen. Wir haben mit Biologika für die Supportivtherapie begonnen, entwickelt werden aber auch Produkte für die antitumorale Therapie. So ist derzeit u.a. ein gegen CD20 gerichteter Antikörper, ein Biosimilar zu Rituximab in der klinischen Entwicklung.

Grundsätzlich wird sich der Schwerpunkt immer mehr in Richtung aktive Behandlung von Krebserkrankungen verlagern. Wir sehen die Entwicklung supportiver Substanzen aber weiterhin als wichtig an.

Hier sind mit Ratiograstim®, TevaGrastim® und Eporatio® bereits drei Präparate zugelassen. Die klinische Entwicklung von Lipegfilgrastim, einem lang wirksamen rekombinanten G-CSF, ist erfolgreich abgeschlossen.

Dr. Udo Müller

Aktuelle Position: Global Medical Director bei Teva Pharmaceuticals.

Karriere: Vor Beginn seiner Tätigkeit in der pharmazeutischen Industrie im Jahre 1991 arbeitete der Onkologe im Comprehensive Cancer Center (CCCC) in Berlin. Seine Schwerpunkte: die medizinische Versorgung von Krebspatienten und die klinische Krebsforschung.

Ärzte Zeitung: Worum handelt es sich bei den von Ihnen eingangs genannten chemischen Substanzen für die Krebstherapie?

Müller: Hier setzen wir sowohl auf klassische Zytostatika als auch auf "small molecules", wobei der Schwerpunkt auf letzteren liegt. Teva hat mehrere Kooperationen mit verschiedenen Biotech-Unternehmen initiiert, um Neuentwicklungen auf diesem Gebiet voranzutreiben.

Dabei fokussieren wir uns in erster Linie auf die Hämatoonkologie. In den USA ist der Food and Drug Administration (FDA) bereits das Zulassungsdossier für Omacetaxin vorgelegt worden.

Es handelt sich um den ersten Wirkstoff aus der Substanzklasse der Cephalotaxine. Er hemmt die Proteinsynthese und hat eine hohe Aktivität bei Patienten mit chronischer myeloischer Leukämie (CML) gezeigt, die auf Tyrosinkinase-Inhibitoren nicht mehr ansprechen.

Nach Zulassung wird damit für rezidivierte und refraktäre CML-Patienten eine Therapiealternative zur Verfügung stehen.

Ärzte Zeitung: Wann rechnet Teva damit, neue onkologische Präparate aus der eigenen Pipeline einzuführen?

Müller: Als erstes werden wir sicherlich Biologika einführen. Am weitesten fortgeschritten in der klinischen Entwicklung ist das schon erwähnte Lipegfilgrastim. Hier liegen bereits zwei abgeschlossene Phase-III-Studien vor.

Bei der Produktion dieses Produkts setzen wir auf die neue Biotechnologie der GlykoPEGylierung®. Dabei wird enzymatisch in zwei Reaktionsschritten zunächst eine Zuckerbrücke an die Aminosäure Threonin in Position 134 des Filgrastim-Moleküls angehängt, an die dann gezielt der Polyethylenglykol-(PEG) Schwanz angehängt werden kann.

In der Phase-III-Studie bei Brustkrebspatientinnen unter myelosuppressiver Chemotherapie war Lipegfilgrastim beim primären Endpunkt "Dauer der schweren Neutropenie" vergleichbar wirksam wie klassisch pegyliertes Filgrastim.

Unser Präparat zeigte einen Trend zu einer rascheren Erholung der Neutrophilenzahl als mit dem Kontrollpräparat.

Das Interview führte Katharina Arnheim.

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