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Therapie mit Bevacizumab wird bei 15 Tumorarten geprüft

BERLIN (ner/ple). Manchmal dauert es Jahrzehnte von der Idee eines neuen Arzneimittels - etwa gegen Krebs - bis zu einer verfügbaren Therapie. Forschende Unternehmen müssen dafür viel investieren und erhebliche finanzielle Risiken eingehen. Ein Beispiel dafür ist die An-giogenese-Hemmung bei Malignomen, etwa mit Bevacizumab.

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Die Angiogenese ist essenziell fürs Tumorwachstum - eine Hypothese, die 1971 erstmals aufgestellt worden ist. Bereits ab einer geringen Größe benötigt der Tumor zusätzlich Sauerstoff und Nährstoffe. Botenstoffe der Krebszellen regen deshalb das Wachstum von Blutgefäßen an, die in den Tumor hinein wachsen, erläuterte Dr. Peter Wenner von Roche Pharma beim 2. Berliner Roche-Forum. 1989 klonierten Wissenschaftler erstmals den vaskulären endothelialen Wachstumsfaktor (VEGF). Vier Jahre später stellte Dr. Napoleon Ferrara aus San Francisco den Antikörper Anti-VEGF vor.

Mit Bevacizumab (Avastin®) steht heute ein monoklonaler VEGF-Antikörper als innovatives Krebsmedikament zur Verfügung. Der humanisierte monoklonale Antikörper bindet an VEGF. Er ist jetzt mit dem von der "Ärzte Zeitung" gestifteten Galenus-von-Pergamon-Preis, dem nationalen Prix Galien, ausgezeichnet worden. Der Antikörper verhindert, dass VEGF an Endothelzellen andockt. Tumoren benötigen aber zum Wachstum und zur Metastasierung die Angiogenese, die durch VEGF stimuliert wird.

Anfang 2005 wurde Bevacizumab zur Erst-Linien-Therapie bei metastasiertem Kolon- oder Rektumkarzinom zugelassen. Der Antikörper bereichert auch die Therapie bei Frauen mit Brustkrebs.

In der Zulassungsstudie zu Brustkrebs etwa wurde mit dem Antikörper das Fortschreiten der Erkrankung für 13,3 Monate aufgehalten. Mit Placebo schritt die Erkrankung dagegen schon nach 6,7 Monaten fort. Beide Studiengruppen erhielten außerdem das Taxan Paclitaxel.

Derzeit läuft ein klinisches Entwicklungsprogramm, in dem die Therapie bei 15 verschiedenen Tumoren geprüft wird, etwa auch bei Lungen-, Nierenzell-, Pankreas-, Prostata- und Ovarialkarzinom sowie bei Melanom und beim Multiplem Myelom. Geplant sind mehr als 130 Studien, teilweise laufen sie bereits. Mehr als 40 000 Patienten weltweit sollen daran teilnehmen. Die Kosten pro Patient liegen zwischen 90 000 und 110 000 Schweizer Franken.

Wenner wies darauf hin, dass es in der Entwicklungsphase des Medikamentes auch Rückschläge gegeben hat. So wurde mit der Substanz in der Drittlinientherapie bei Brustkrebs der primäre klinische Zielparameter nicht erreicht, obwohl ein deutliches Ansprechen zu erkennen war. "Andere Firmen haben in einer solchen Situation ihre Existenz verloren", sagte Wenner. Mit Bevacizumab wurden dagegen mehrere Phase-III-Studien aufgelegt, und es kommt heute tausenden Patienten zugute. Weltweit sind bereits mehr als 200 000 Krebspatienten damit behandelt worden.

Schon weit fortgeschritten ist die Entwicklung beim nicht-kleinzelligen Bronchialkarzinom (NSCLC) und beim Nierenzellkarzinom (NCC). Zur Erst-Linien-Therapie beim NSCLC ist Bevacizumab in den USA bereits zugelassen. Die EU-Zulassung wurde für beide Indikationen beantragt.

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