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Darmmikrobiom

Toxin von Clostridien bei MS beteiligt?

Ein Toxin von Clostridien begünstigt womöglich MS: Es öffnet die Blut-Hirn-Schranke und durchlöchert myelin- bildende Zellen.

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BERLIN. Immer mehr Resultate deuten auf einen Einfluss des Darmmikrobioms bei der MS-Entstehung. Einiges spricht inzwischen dafür, dass inaktive autoreaktive T-Zellen von bestimmten Darmkeimen „geweckt“ werden und daraufhin ihren Angriff im zentralen Nervensystem starten. Welche Keime das sein sollen, ist bislang aber noch unklar. Möglicherweise hat die Darmflora auch einen direkten Einfluss auf die MS-Pathogenese.

Beim ECTRIMS in Berlin wurden einige Arbeiten präsentiert, die auf Clostridium perfringens als Faktor bei MS deuten. Der Keim ist als Erreger des Gasbrands gefürchtet, kann aber auch eine Meningitis verursachen. Am häufigsten lösen die Toxine jedoch eine Lebensmittelvergiftung aus – in den USA werden jährlich rund 250.000 Fälle mit Clostridien-Beteiligung gemeldet.

Welche Folgen eine Infektion hat, hängt davon ab, ob und welche Toxine die Bakterien produzieren. Das Epsilontoxin (ETX) des Erregers bindet recht spezifisch an ZNS-Endothelzellen sowie an myelinbildende Oligodendrozyten. Es könnte daher bei der Entstehung von MS-Läsionen von Belang sein.

Ein Team um Dr. Timothy Vartanian, Rockefeller-Universität New York, hat nun untersucht, ob und wie häufig ETX-produzierende Clostridien bei MS-Kranken auftreten. Sie analysierten Stuhlproben von MS-Kranken und Gesunden mit einem selbst entwickelten ELISA-Test. Sie stellten fest, dass jeder fünfte MS-Patient ETX-produzierende Keime im Darm aufwies, aber keiner der Gesunden.

Sie konnten belegen, dass das Toxin zunächst die Blut-Hirn-Schranke durchlässig macht, indem es dort mit dem Myelin-und-Lymphozyten-Rezeptor-Protein (MAL) interagiert. Ins Gehirn eingedrungen, kann es über heptamere Porenkomplexe Oligodendrozyten angreifen.

Forscher einer weiteren Gruppe konnten in einem ZebrafischModell MS-artige Hirnläsionen auslösen, wenn sie den Tieren humanes MAL einbauten und sie anschließend ETX aussetzten. (mut)

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