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Training reduziert Fraktur- und Sturzrisiko

Mit der medizinischen Trainingstherapie (MTT) kann Osteoporosebedingten Wirbelkörperfrakturen vorgebeugt werden. Selbst Patienten, die bereits Frakturen hatten, profitieren von dieser Behandlung.

Dr. Thomas MeißnerVon Dr. Thomas Meißner Veröffentlicht:
Isometrisches Krafttraining der Beine - hier mit einem Theraband - stärkt den Musculus quadriceps.

Isometrisches Krafttraining der Beine - hier mit einem Theraband - stärkt den Musculus quadriceps.

© Dr. Michael Pfeifer

BAD PYRMONT. Ziel und Art der medizinischen Trainingstherapie (MTT) richten sich nach der jeweiligen Lebensphase des Menschen. Nur in Kindheit und Jugend könne mit einem spezifischen Training noch der Aufbau von Spitzenknochenmasse deutlich gefördert werden, betonen Dr. Michael Pfeifer vom Institut für Klinische Osteologie in Bad Pyrmont und seine Kollegen (Orthopäde 2010; 39: 380). Bei jungen Erwachsenen und Frauen in der Prämenopause gehe es in erster Linie darum, Knochenmasse zu erhalten.

Mit Blick auf die Wirbelsäule ist dies nach Ansicht der Osteologen mit einer recht einfachen Übung zur Stärkung der Rückenmuskulatur möglich, nämlich dem Anheben des Oberkörpers aus der Bauchlage heraus. In einer prospektiven Studie mit 50 knochengesunden Frauen in der Peri- und frühen Postmenopause war mit zehnjährigem Training die Rate späterer Wirbelfrakturen in der Übungsgruppe mit elf Prozent deutlich geringer als in der Kontrollgruppe mit 30 Prozent. Die Frauen sollten pro Woche fünfmal je zwei Serien à 15 Wiederholungen der Übung ausführen. Je nach Trainingszustand wurde ein zusätzliches Gewicht in einer Tasche in Höhe der Schulterblätter auf den Rücken gelegt.

Bei Patienten mit erhöhtem Wirbelfrakturrisiko müssen solche und andere Übungen modifiziert werden. Begonnen wird mit etwa 50 Prozent der Maximalkraft, bei gleicher Übungsfrequenz und Häufigkeit, also zwei Übungseinheiten mit zehn bis 15 Wiederholungen. Nach den ersten drei Monaten könne die Intensität auf 60 Prozent der Maximalkraft, später auf 65 Prozent gesteigert werden. Erst nach sieben Monaten sollte wie bei Knochengesunden die MTT mit 70 bis 80 Prozent der Maximalkraft erfolgen, so Pfeifer. Das gelte auch bei Osteoporose-bedingten Wirbelfrakturen, die bereits älter als zwei Jahre sind.

Selbst bei alten, zunehmend gebrechlichen Menschen können mit regelmäßiger medizinischer Trainingstherapie die Muskelkraft und die Muskelmasse noch verbessert werden, allerdings mit einem ganz anderen Behandlungsziel, nämlich die Selbstversorgung so lange wie möglich zu erhalten und zu verhindern, dass diese Patienten pflegebedürftig werden. Es gelte, die Koordination zu verbessern und Stürze zu vermeiden. Dazu könnten unter Umständen stationäre Reha-Maßnahmen sinnvoll sein, gefördert durch die im Jahre 2007 geänderte Sozialgesetzgebung nach dem Grundsatz "Reha vor Pflege".

Ein typisches MTT-Programm für diese Klientel beinhaltet Übungen zur Körperhaltung, zum Gleichgewicht, Gangbild und Koordination. Der vermehrten Brustkyphose und verminderten Lendenlordose soll entgegengewirkt werden, sei es mit Theraband-Übungen, Zehen- und Hackenstand, Hindernisläufen oder dem Tandemgehen. Mit der spezifischen Rückenorthese "Spinomed", die nach dem Biofeedback-Prinzip gearbeitet ist, werde die Aufrichtung des Oberkörpers durch eigene Muskelkraft unterstützt. Sie wird auch zur Behandlung bei frischen Wirbelkörperfrakturen verwendet.

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