Herzinfarkt

Transradiale PCI neuer Standard?

Bei Patienten mit ST-Hebungsinfarkt sollte bei perkutaner Koronarintervention der Zugang über die Arteria radialis als Standard empfohlen werden. Zu diesem Schluss gelangen die Autoren einer neuen Studie zum klinischen Vergleich von transradialem und transfemoralem Zugangsweg.

Veröffentlicht: 02.08.2012, 15:14 Uhr
Katheterlabor: Müssen deutsche Kardiologen bei der PCI hinzulernen?

Katheterlabor: Müssen deutsche Kardiologen bei der PCI hinzulernen?

© Mathias Ernert

ROM (ob). Als vaskuläre Eintrittspforte für den Herzkatheter wird bei perkutaner Koronarintervention (PCI) klassischerweise die Femoralarterie in der Leistenbeuge gewählt.

Erst 1989 ist als alternativer Zugangsweg die Punktion der A. radialis am Handgelenk beschrieben worden. Dieser Zugang ist die technisch anspruchsvoller als der Weg über die A. femoralis.

Inzwischen wächst die Zahl zumeist kleinerer Studien, in denen klinische Vorteile des transradialen Zugangs beobachtet wurden, so etwa ein geringeres Risiko von Blutungen an der Zugangsstelle.

Lassen sich durch die Wahl dieses Zugangsweges außer Blutungen auch noch klinische Ereignisse wie Tod oder Herzinfarkt vermeiden?

Dieser Frage ist eine Gruppe italienischer Kardiologen um Dr. Enrico Romagnoli in der jetzt publizierten RIFLE-STEACS-Studie (Radial versus Femoral Randomized Investigation in ST Elevation Acute Coronary Syndrome) nachgegangen (JACC 2012; online first 1. August).

An der Studie waren 1001 Patienten mit akutem ST-Hebungsmyokardinfarkt (STEMI) beteiligt, die einer primären oder notfallmäßigen PCI unterzogen wurden.

Der Zugang erfolgte nach Randomisierung bei je der Hälfte aller Teilnehmer entweder über die transfemorale oder transradiale Route.

Kürzerer Klinikaufenthalt

Behandelnde Ärzte waren erfahrene interventionelle Kardiologen, die beide Arten des Gefäßzugangs gut beherrschten.

Primärer Endpunkt war die nach 30 Tagen akkumulierte Rate an klinischen Ereignissen (Herztod, Schlaganfall, Herzinfarkt, wiederholte Revaskularisation) und Blutungen.

Entsprechende Ereignisse traten in der Gruppe mit transfemoralem Zugang bei 105 Patienten (21,0 Prozent) auf, in der Gruppe mit transradialem Zugang dagegen nur bei 68 Patienten (13,8 Prozent).

Für den Zugang über die A. radialis sprachen sowohl eine signifikant niedrigere kardiale Mortalität (5,2 versus 9,2 Prozent) als auch eine signifikant niedrigere Rate an Blutungskomplikationen (7,8 versus 12,2 Prozent).

Als weiterer Vorteil wurde eine Verkürzung der Dauer des Klinikaufenthalts von sechs auf fünf Tagen beobachtet.

Für Romagnoli und seine Kollegen ist der Zugangsweg über die A. radialis nach diesen Ergebnissen zumindest bei STEMI-Patienten nicht mehr nur eine Alternative, die statt des tranfemoralen Zugangs gewählt werden kann oder auch nicht.

Für die Studienautoren steht fest, dass der Zugang über die transradial Route bei diesen Patienten Standard werden sollte. Gestützt sehen sie diese Empfehlung auch durch weitere Studie wie RIVAL.

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