Welttuberkulosetag

Tuberkulose: „Das neue Jahrzehnt wird entscheidend“

In Deutschland ist die Inzidenz der Tuberkulose im vergangenen Jahr um 12 Prozent deutlich zurückgegangen. Das ist ein gutes Zeichen – für einen echten Erfolg muss sich der Rückgang aber fortsetzen.

Von Anne Bäurle Veröffentlicht: 24.03.2020, 14:38 Uhr
Tuberkulose: „Das neue Jahrzehnt wird entscheidend“

Moldauische Ärzte besprechen den Fall eines Tuberkulose-Patienten. In Osteuropa sind multiresistente TB-Erreger weit verbreitet.

© Florian Bachmeier / imageBROKER / picture alliance

Berlin. Prinzipiell sind die Voraussetzungen für eine Eliminierung der Tuberkulose in Deutschland gut: Es gibt moderne Diagnoseverfahren, wirksame Medikamente – und es gibt ein gutes Überwachungssystem. Die Inzidenz ist hierzulande niedrig, 2019 gab es 4791 Fälle. Das ist im Vergleich zum Jahr 2018 mit 5492 Erkrankungen ein deutlicher Rückgang der Inzidenz um rund zwölf Prozent, berichtet das Robert Koch-Institut (RKI) aus Anlass des heutigen Welttuberkulosetags (Epi Bull 11/2020).

Damit ist zum ersten Mal seit mehreren Jahren das gelungen, was die WHO Niedriginzidenzländern wie Deutschland zum Ziel gesetzt hat, um TB bis zum Jahr 2050 zu eliminieren: Ein Rückgang der TB-Inzidenz pro Jahr um mindestens zehn Prozent. „Nachdem die Erkrankungszahlen nach einem mehrjährigen Plateau seit 2013 zuerst gering und im Jahr 2015 deutlich angestiegen waren, ergibt sich nach einer langsamen Abnahme nun ein deutlicher Rückgang“, heißt es im RKI-Bericht dazu.

„TB-Rückgang muss sich fortsetzen“

Von Niedriginzidenzländern wird allerdings auch erwartet, dass die TB-Inzidenz bis 2035 bei unter einem Fall pro 100.000 Einwohnern liegt, damit eine Elimination bis 2050 überhaupt möglich ist. Aktuell beträgt sie hierzulande 5,8 Fälle pro 100.000 Einwohner – „der aktuelle Rückgang muss sich also kontinuierlich fortsetzen“, so das RKI und betont: „Das neue Jahrzehnt wird entscheidend sein für die Elimination der TB.“

Vor fünf Jahren hatte die WHO das Eliminationsziel ausgegeben: Bis 2035 sollen dabei weltweit die TB-Todesfälle um 95 Prozent und die Inzidenz um 90 Prozent reduziert werden, bis 2050 will man dann TB eliminieren. Bisher gibt es allerdings nur wenig Fortschritte.

Tuberkulose-Resistenzen sind größtes Hindernis

Medikamentenresistenzen sind eines der größten Hindernisse bei der Elimination. Weltweit sind heute ungefähr doppelt so viele Menschen an einer multiresistenten TB (MDR-TB) erkrankt als noch im Jahr 2000. Besonders weit verbreitet ist die MDR-TB in Osteuropa.

In Deutschland seien die Anteile an resistenter TB zwar gering, besonders für die MDR-TB habe sich jedoch in einer Analyse der Jahre 2008-2017 ein komplexeres Bild gezeigt als erwartet, heißt es in dem Bericht. Resistenzmuster variierten in den unterschiedlichen Patientengruppen teilweise erheblich.

So zeigte sich bei MDR-TB-Patienten, die aus einem osteuropäischen Land stammten, besonders häufig eine Resistenz gegenüber Isoniazid. Das untermauere den Einsatz von Rifampicin-basierten Kurzzeitregimen in der präventiven Behandlung der latenten tuberkulösen Infektion mit 3 – 4 Monate Isoniazid/Rifampicin oder 4 Monate Rifampicin anstelle einer 9-monatigen Monotherapie mit Isoniazid, schreibt das RKI dazu.

Selektionsbias bei Kindern?

Bei Kindern stellten die RKI-Forscher einen verhältnismäßig hohen Anteil von Erregern mit Streptomycin- und Isoniazid-Resistenzen fest. Allerdings könne hier ein Selektionsbias vorliegen, meldet das RKI. „Eventuell wird gerade bei Kindern mit Verdacht auf resistente TB oder unbekannter Infektionsquelle besonders intensiv eine bakteriologische Bestätigung angestrebt, welche aufgrund der meist paucibacillären Ausprägung der Kinder-TB oft schwieriger zu bewerkstelligen ist.“

Die hohen Anteile an Pyrazinamid-Monoresistenzen bei älteren, insbesondere bei in Deutschland Geborenen stünden möglicherweise im Zusammenhang mit früheren, im Rahmen von landwirtschaftlicher Tätigkeit erworbenen Mycobacterium-bovis-Infektionen, bei denen eine natürliche Resistenz gegenüber Pyrazinamid vorliegt.

Das RKI appelliert an Ärzte, sich für Diagnose und Therapie von Tuberkulose fit zu halten. Bei Symptomen wie länger bestehendem Husten, Nachtschweiß, Fieber und Gewichtsabnahme sollte immer auch an Tuberkulose gedacht werden.

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