Online-Befragung zeigt

Tumorpatienten bei Schmerztherapie unterversorgt

Viele Krebskranke erhalten keine adäquate Schmerztherapie. Das hat eine erste Analyse der Online-Befragung "PraxisUmfrage Tumorschmerz" mit mehr als 5500 Patienten ergeben.

Von Anne BäurleAnne Bäurle Veröffentlicht:
Bei der Versorgung von Schmerzpatienten mit Krebs gibt es deutliche Lücken. Vor allem akute Schmerzattacken werden nicht ausreichend vermieden, so ein Umfrageergebnis.

Bei der Versorgung von Schmerzpatienten mit Krebs gibt es deutliche Lücken. Vor allem akute Schmerzattacken werden nicht ausreichend vermieden, so ein Umfrageergebnis.

© Mathias Ernert

MANNHEIM. Viele onkologische Patienten sind schmerzmedizinisch unter- und fehlversorgt. Das belegen die Ergebnisse der bundesweiten Online-Befragung "PraxisUmfrage Tumorschmerz", die die deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin (DGS) gemeinsam mit der Deutschen Schmerzliga (DSL) initiiert hat.

Schon im Vorfeld der Anfang 2017 gestarteten Kampagne gab es Hinweise, das es bei der Versorgung von Schmerzpatienten deutliche Lücken gibt, berichtete Privatdozent Dr. Michael Überall, Vizepräsident der DGS, beim Deutschen Schmerzkongress in Mannheim. Das habe vor allem eine Evaluation aus dem Jahr 2007 ergeben (Ann Onc 2017; 20(8):1420–1433). "Die Ergebnisse der PraxisUmfrage Tumorschmerz hat allerdings meine schlimmsten Erwartungen übertroffen", so Überall.

Vermeidung von Schmerzattacken

Nicht wenige Tumorpatienten leiden neben den Dauerschmerzen ja immer wieder über Schmerzattacken, oft in Form vorübergehender starker Schmerzspitzen, die spontan oder infolge einer Hustenattacke oder einer Bewegung auftreten können. Auch ein Großteil der an der Online-Umfrage teilnehmenden Krebspatienten – 3707 von insgesamt 5576 – leiden neben Dauerschmerzen unter akuten Schmerzattacken. Bei knapp einem Drittel dieser Patienten könnten allein durch eine Optimierung der Dauerschmerztherapie die akuten Schmerzattacken vermieden werden, berichtete Überall.

  1. Optionen seien dabei
  2. eine Dosisanpassung bei zu geringer Tagesdosis,
  3. eine Änderung von Einzeldosis und Dosierungsintervall bei end-of-dose-failure oder
  4. eine zusätzliche spezifische Therapie mit Ko-Analgetika bei neuropathischen Schmerzen.

Nur wenige erhalten Notfallopioid

Bei den übrigen zwei Dritteln der Patienten, die an "echten" tumorbedingten Durchbruchschmerzen leiden, wäre aus Sicht des Schmerzmediziners eine spezifische Notfall- / Rescue-Therapie sinnvoll. Allerdings erhalten diese nur 33 Prozent von ihnen, wie die Online-Befragung ergeben hat. Und wiederum nur etwas mehr als ein Drittel dieser 33 Prozent wird mit einem stark-wirksamen Opioid-Analgetikum der WHO-Stufe III therapiert – dem nach Ansicht vieler Schmerzexperten einzig sinnvollen Therapiekonzept zur Behandlung dieser speziellen Schmerzen. Von diesen gaben wiederum nur 18 Prozent an, ein ultraschnell wirksames Notfallopioid (ROO, rapid onset opioid) einzunehmen – 82 Prozent wurden mit einem kurz-wirksamen oralen Opioid (SAO, short acting opioid) behandelt, das aufgrund seiner pharmakologischen Eigenschaften gar nicht in der Lage sei, akute Schmerzkrisen wirksam zu behandeln, so Überall.

"Wir müssen die Schmerzmedizin in der Ausbildung stärker fokussieren und die schmerzmedizinische Versorgung von Tumorpatienten in den Vordergrund rücken." Hier sei auch eine bessere Kooperation von Onkologen und Schmerzmedizinern gefragt. "Onkologen sind in vielen Fällen auf die Behandlung des Tumors fixiert", meinte Überall. Fortbildungsveranstaltungen würden nur von wenigen Fachgesellschaften angeboten.

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