Tumorschmerz ist meist tagsüber am größten

BERLIN (ugr). Schmerzen unterliegen zirkadianen Schwankungen. Schmerzhafte Gelenksteifigkeit bei rheumatoider Arthritis etwa ist morgens am schlimmsten. Belastungsabhängige Osteoarthritis-Schmerzen nehmen dagegen im Laufe des Tages zu. Krebspatienten haben zwischen 10 und 22 Uhr den größten Bedarf an Schmerzmitteln.

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Diese Beobachtung bei Krebspatienten werde in der Therapie jedoch zu wenig berücksichtigt, berichtete Dr. Uwe Junker aus Remscheid beim Krebskongreß in Berlin. Als Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Schmerztherapie (DGS) forderte er, die Patienten entsprechend zu behandeln. Ungünstig sei vor allem, daß starke Opioide zu über 70 Prozent als Schmerzpflaster verordnet werden.

Der konstante Plasmaspiegel bei einer transdermalen Applikation entspreche keinesfalls den tatsächlichen Bedürfnissen von Krebspatienten, sagte Junker bei einer von dem Unternehmen Mundipharma ausgerichteten Veranstaltung: "Bei Pflaster-Patienten kommt es nachts oft zu einer Überdosierung, vor allem bei eingeschränkter Leber- und Nierenfunktion. Dagegen benötigen sie tagsüber signifikant häufiger eine analgetische Bedarfsmedikation als Patienten, die mit einem modernen oralen Retardopioid wie Hydromorphon behandelt werden."

Tumorschmerzen kommen unabhängig vom Stadium vor

Dies habe eine multizentrische Kohortenstudie mit 76 Krebskranken ergeben, so Junker. Die Patienten wurden zwei Wochen lang beobachtet. Sie waren entweder auf eine transdermale Therapie mit Fentanyl eingestellt oder auf zweimal täglich retardiertes Hydromorphon - von dem Unternehmen als Palladon® angeboten.

Ergebnis: Mit Hydromorphon gelingt es besser, Schmerzen flexibel nach dem individuellen Tag-Nacht-Rhythmus zu behandeln und die Lebensqualität maximal zu steigern, wie Junker erläuterte. Patienten ohne Pflaster fühlten sich viel wohler und konnten Alltagsarbeiten leichter verrichten als Kranke mit Pflaster. Auch kam es mit Hydromorphon seltener zu unerwünschten gastrointestinalen Wirkungen.

Tumorschmerz tritt unabhängig vom Krankheitsstadium auf, wobei die Prävalenz mit fortschreitender Erkrankung bis auf 90 Prozent steigt. Schätzungen für Deutschland zufolge haben an einem Stichtag 220 000 Menschen solche Tumorschmerzen, daß eine Therapie erforderlich ist.

"Dabei ist Krebsschmerz keine exakte, schmerztherapeutisch relevante Diagnose", erläuterte Junker. Erst die Differenzierung in tumorbedingte, tumorassoziierte und therapiebedingte Schmerzen führe zu einer richtigen Kombinationstherapie, die seiner Ansicht nach ein Retardopioid als Basisanalgetikum einschließt.

Der Schmerzexperte plädierte dafür, bei starken Tumorschmerzen auf schwach wirksame Opioide der WHO-Stufe II zu verzichten und stattdessen gleich mit solchen der Stufe III in niedriger Dosis zu beginnen. Der "Arbeitskreis Tumorschmerz" der Deutschen Gesellschaft zum Studium des Schmerzes erarbeite derzeit entsprechende Leitlinien, so Junker.

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