Xenotransplantation

US-Patient mit Schweineherz ist tot: Ein kurzer Fall-Rückblick

Zwei Monate lang hat ein Mann mit dem Herz einer anderen Spezies in den USA gelebt. Auch wenn er jetzt tot ist, können Ärzte Wissen aus seinem Fall ziehen, hofft sein behandelnder Arzt.

Elisabeth KerlerVon Elisabeth Kerler Veröffentlicht:
Das Herz des genmodifizierten Schweins, bevor es einem 57-Jährigen in Baltimore transplantiert wurde.

Das Herz des genmodifizierten Schweins, bevor es einem 57-Jährigen in Baltimore transplantiert wurde.

© University Of Maryland School Of Medicine / ZUMAPRESS.com / picture alliance

Baltimore. Der 57-Jährige aus den USA, dem am 7. Januar 2022 ein genetisch modifiziertes Schweineherz transplantiert worden war, ist gestorben. Das meldet das Medizinische Center der Universität von Maryland (UMMC).

„Der Patient war sehr tapfer“, betont Dr. Bartley Griffith vom UMMC, der die Transplantation vorgenommen hatte, in einem Video vom Mittwoch zum Tod David Bennett Seniors. Bennett habe sicher stellen wollen, dass die Ärzte und Wissenschaftler etwas lernen konnten, auch in dem Fall, dass er selbst nicht lange genug leben sollte. „Ich denke, das ist wirklich bewundernswert“, drückte Griffith sich aus.

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„Wie ein Rockstar“

Bennetts Herz habe „wie ein Rockstar“ geschlagen. Normalerweise wären Patienten mit einem Transplantat von einer solchen Beschaffenheit nach ein paar Wochen nach Hause gekommen. Leider habe der Patient die Schwächung aus der vorherigen Periode der Herzinsuffizienz nicht überstanden. Ergebnisse einer genaueren Untersuchung zur Todesursache würden in einer wissenschaftlichen Publikation veröffentlicht werden, wird in der New York Times angekündigt.

Zur Erinnerung: Bennett war wegen lebensbedrohlicher Arrhythmien im Oktober 2021 ins UMMC gekommen, wo er auch mithilfe einer Herz-Lungen-Maschine (ECMO) versorgt wurde. Er hatte weder ein menschliches Spenderherz noch eine künstliche Herzpumpe bekommen können, wie das Science Medica Center (SMC) damals informierte. Und er hatte Herzinsuffizienz im Endstadium. Die Arzneimittelbehörde FDA hatte für die Transplantation des Schweineherzens eine Notfallgenehmigung erteilt. Gegen die Abstoßungsreaktionen erhielt Bennett auch ein derzeit in Entwicklung befindliches Präparat des Unternehmens Kiniksa Pharmaceuticals.

Nach der Operation habe das Herz für mehrere Wochen ohne ein Zeichen der Abstoßung sehr gut funktioniert, teilt das UMMC mit. Bennett habe Zeit mit seiner Familie verbringen können und Physiotherapie bekommen. Seit mehreren Tagen jedoch habe sich sein Zustand verschlechtert. Nachdem klar geworden sei, dass er sich nicht erholen würde, wurde er palliativ versorgt. Während seiner letzten Stunden habe er mit seiner Familie Kontakt halten können.

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Kommentare
Dr. Horst Grünwoldt 12.03.202214:33 Uhr

Man kann medizinisch jede Therapie als einen Heilversuch betrachten; aufgrund der höchst individuellen Patienten-Anamnese und persönlichen Konstitution (körperlich wie geistig). Das wird in der Güterabwägung zwischen Leben-Krankheit- oder Ableben ethisch in Kauf genommen.
Bei den tierischen Xeno- Organtransplantationen ist das bis heute stets ein Experiment am Menschen; vor allem wegen der "antigenetisch" schwer beherrschbaren Spezies- Andersartigkeit.
Wer ein fremdes Spenderherz "überpflanzen" will, wird natürlich zuerst die Blut-Kreislaufverhältnisse mit sonstigen chronischen Organbeeinträchtigungen , wie sie sich durch das kranke Primär-Organ entwickelt haben können, sorgfältig untersuchen und beurteilen.
In diesem Zusammenhang wird der spezialisierte Herzchirurg g a n z h e i t l i c h mit dem Internisten/ Kardiologen abwägen müssen, ob dem Organempfänger das Martyrium einer solch aufwendigen und riskanten Operation zuzumuten ist. . . Schließlich hat die postoperative Überlebenszeit/ Rekonvaleszens i.d. Regel noch keinen Gewinn an "Lebensqualität", sondern stellt eine erhebliche (zugewonnene!) Leidenszeit dar!
Dr. med. vet. Horst Grünwoldt, Rostock

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