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Alkoholatlas 2022

Alkohol – unterschätzter Krebs-Risikofaktor

Wer viel trinkt, riskiert nicht nur Leber- und Bauspeicheldrüsen-Probleme, sondern auch ein erhöhtes Risiko, an Krebs zu erkranken. Auf diesen Zusammenhang wirft der neue Alkoholatlas des Deutschen Krebsforschungszentrums ein Schlaglicht.

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Ein Glas Wein (150 ml) enthält – ja nach Alkoholgehalt – bis zu 21,6 Gramm Alkohol.

Ein Glas Wein (150 ml) enthält – ja nach Alkoholgehalt – bis zu 21,6 Gramm Alkohol.

© BillionPhotos.com / stock.adobe.com

Heidelberg. Alkoholkonsum zählt zu den wichtigen vermeidbaren Krebsrisikofaktoren. In Deutschland gingen Schätzungen zufolge jedes Jahr über 20.000 Krebsneuerkrankungen auf das Konto des Alkoholkonsums.

„Vielen Menschen ist nicht bewusst, dass Alkohol ein erheblicher Krebsrisikofaktor ist“, sagt Katrin Schaller vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg anlässlich der Veröffentlichung des Alkoholatlas 2022 am Montag.

Am stärksten ist nach Angaben der Autorin des Alkoholatlas 2022 der Einfluss auf Darmkrebs, auf Krebserkrankungen des Mund- und Rachenraums, der Leber, Speiseröhre und der Brust. Schätzungen zufolge sind im Jahr 2022 mehr als 8000 Krebstodesfälle – rund 6200 bei Männern und 2100 bei Frauen – auf Alkoholkonsum zurückzuführen. Dies entspricht bei Männern einem Anteil von rund sechs Prozent an allen Krebstodesfällen und bei Frauen einem Anteil von drei Prozent.

Auch geringe Alkoholmengen potentiell kanzerogen

Das Erkrankungsrisiko steigt dem Bericht zufolge mit zunehmender Menge und Häufigkeit der Aufnahme des Zellgifts. Bereits ein geringer Alkoholkonsum von bis zu 12,5 Gramm Alkohol pro Tag erhöht das Risiko für die Entstehung von Krebs in Mund und Rachen, der Speiseröhre und der weiblichen Brust.

Ein Verbrauch von mehr als 50 Gramm Alkohol pro Tag erhöht auch die Wahrscheinlichkeit, an Leber-, Magen- und Bauchspeicheldrüsenkrebs zu erkranken. Zum Vergleich: 0,3 Liter Bier enthalten etwa 10 bis 12 Gramm Alkohol. „Für die Krebsprävention gilt: Am besten ist es, gar keinen Alkohol zu trinken“, so Katrin Schaller.

Höhere Bildung, höherer Alkoholkonsum

Weiteres Resultat: Sozialer Status schützt nicht vor übermäßigem Konsum. Riskante Mengen von mindestens 10 Gramm Reinalkohol täglich konsumieren etwa 16 Prozent der Frauen mit höherer Bildung – mehr als doppelt so viele wie Frauen mit geringer Bildung.

Bei den Männern liegen fast 18 Prozent der Gebildeten über dem für sie bedenklichen Konsum von 20 Gramm pro Tag, bei den wenig Gebildeten sind es nur knapp 12 Prozent.

Gemeinsame Forderung an die Politik

Angesichts der hohen Anzahl alkoholbedingter Krebsneuerkrankungen pro Jahr appellieren das DKFZ, die Deutsche Krebshilfe und die Deutsche Krebsgesellschaft an die Politik,

  • die Steuern für Alkohol zu erhöhen,
  • das Abgabealter dafür anzuheben und
  • die Werbung dafür einzuschränken.

Die Fachleute warnen die Politik zugleich vor den Lobbyisten der Alkoholindustrie, die versuchten, Entscheidungsträger zu beeinflussen und öffentliche Einrichtungen, Parteitage oder Sportveranstaltungen zu sponsern, um sich als sozial verantwortliche Partner darzustellen.

Zudem unterstützten sie wissenschaftliche Studien, die die negativen Folgen des Alkoholkonsums auf die Gesundheit und die Gesellschaft herunterspielten oder anzweifelten. (dpa)

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