Urbanes Leben: Risiko für Schizophrenie

PRAG (eb). Auch für die psychische Erkrankung der Schizophrenie ist die Suche nach Biomarkern im Gange, wie Professor Andreas Meyer-Lindenberg vom Mannheimer Zentralinstitut für Seelische Gesundheit beim Kongress der European Psychiatric Association in Prag erläuterte.

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Eine Schwierigkeit bestehe jedoch darin, dass die Störung sehr komplex und die molekulare Pathophysiologie noch längst nicht verstanden ist. Zudem sind genetische Risikofaktoren und Umwelteinflüsse relevant für die Reizverarbeitung im Gehirn.

Zur Identifikation werden daher Sets aus Biomarkern benötigt. Diese sollten für die einzelnen Elemente der Kausalkette spezifisch sein, die von den Genen über molekulare Veränderungen in der Zelle und Störungen in neuronalen Netzwerken bis hin zum Verhalten reichen.

Der Nachweis einer Veränderung auf einer oder mehreren dieser Ebenen könnte dann in eine zielgerichtete Therapie münden.

Mit funktioneller Kernspintomografie (fMRT) haben Meyer-Lindenberg und Kollegen den Einfluss einer urbanen Lebensweise auf die Verarbeitung von Stress in drei unabhängigen Experimenten mit Gesunden untersucht.

Das Ergebnis: In Großstädten lebende Probanden reagierten in der Amygdala stärker auf soziale Stressreize. Bei Probanden dagegen, die in einer Großstadt geboren oder aufgewachsen waren, war die Aktivität im zingulären Kortex verstärkt (Nature 2011; 474: 498-501).

Der zinguläre Kortex reguliert entscheidend die Amygdala-Aktivität und die Verarbeitung von sozialem Stress. Die Aktivierungsmuster waren hoch spezifisch; in anderen Hirnregionen wurden keine Veränderungen festgestellt.

Bei Versuchen ohne stressauslösende Stimuli kam es weder zu Aktivierung in der Amygdala noch im zingulären Kortex.

Fazit: Bestimmte neuronale Mechanismen verknüpfen frühe urbane Lebensweise, einen etablierten Risikofaktor für eine Schizophrenie, und die Verarbeitung von sozialem Stress im weiteren Leben.

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